Overheard in Linz

Vor einigen Tagen hab ich an der Mozartkreuzung folgende Konversation mitverfolgen dürfen. Ein junges Mädchen, das wohl eine Mischung aus Punk und Krocha darstellen sollte, und eine liebe kleine alte Dame, bestes Oma-Material also, rempeln sich beim Vorbeigehen leicht an:

Mädchen:
Pass auuf, Oidaa.

Oma (ohne eine Sekunde zu zögern):
Halts Maul, Dreckstück.

Ähnliches hiervon gibts übrigens dort .

Meine Tourismuswerbung 2009

Das Tourismusland Österreich sollte sich viel mehr an seine ereignisreiche Geschichte besinnen und so noch mehr Interesse und folglich zahlungskräftige Besucher generieren. Mir schweben dabei Slogans vor wie:

Kommen Sie nach Braunau und besuchen Sie das Geburtshaus von Adolf Hitler! Spielen Sie selbst in einer faszinierenden Woche voller Demütigung, Prügel und abnormaler Mutterliebe nach, wie der Führer seine Kindheit erlebte.

Besuchen Sie Wien – nur hier wurden in zwei Türkenkriegen die teuflischen Janitscharen aus dem Osten zu Tausenden von Kanonen, Pest und Hunger dahingerafft!

Linz ist Kulturhauptstand 2009 – nicht umsonst die Lieblingsstadt des Führers.

Niederösterreich – der Londoner Dungeon ist nichts dagegen! Auch Sie selbst können jetzt in einem der zahllosen garantiert authentischen Kellergefängnisse ein paar beschwerliche Minuten erleben.

Meine erste schlechte Puff-Erfahrung

Freitags habe ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, den Wahlkampfauftakt der FPÖ und damit den fast schon kitschig-attraktiven Heinz Christian Strache live zu erleben. Nicht nur wegen des relativ günstigen Biers dort ist der Besuch von G., S. und mir in der Linzer Innenstadt zu einem denkwürdigen Ereignis verkommen, in dessen Verlauf wir bis spät in die Nacht nicht nur zahllose Lokale unsicher machten und die anwesende Weiblichkeit bis an die Grenze des Machbaren verführten, sondern auch einem uns bis dato unbekannten Etablissement namens Je t’aime am Graben einen Besuch abstatteten. Das deckte sich zufälligerweise auch mit meinem aktuellen Fünfjahresplan, dessen Ziel es bekanntlich ist, die gesamte Linzer Rotlichtszene gesehen zu haben.

Als wissbegierige, neugierige Menschen wollten wir halt wissen, worum es sich beim Je t’aime denn handelt. Selbstredenden war uns klar, dass es ein Lokal mit freizügigen Damen ist – die Karikaturen nackter Damen beim Eingang waren ziemlich eindeutig – wir vermuteten aber ein verhältnismäßig gepflegtes Striplokal. Leider hat es sich als handfestes Puff herausgestellt.

Wir waren mal wieder die einzigen Gäste. Der "öffentliche" Bereich des Je t’aime besteht aus einem relativ kleinen Raum mit einer Stange in der Mitte und den üblichen dick gepolsterten Couchecken rundherum. Wir bestellten das übliche Bier und prompt kamen auch schon Damen zu uns, die wir in der üblichen Manier abwimmelten – wir waren ja nur zum Schauen da. Die Damen versuchten sich nun aber nicht wie anderswo üblich in freundlicher Konversation um den Widerstand zu brechen. Im Gegenteil – sie brachten äußerst klar ihr Missfallen zum Ausdruck, schwänzelten beleidigt ab, setzten sich in einer Ecke zusammen und machten sich ganz offensichtlich über uns lustig.

Nicht dass uns das besonders störte, denn wir hatten eine lebhafte Diskussion am Laufen und Bier in der Hand, aber so etwas ist doch äußerst unfreundlich und ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Gast, der tatsächlich für Sex ins Je t’aime kommt, nach so einem Verhalten noch sein Geld dort lassen würde. Auch die wenigen Worte, die die Huren mit uns gewechselt haben, waren nicht die gewohnt verspielten, leicht anrüchigen Standardthemen, sondern beschränkten sich auf Fragen wie "Wollen ficken?" . Wenn man dem nicht sofort wohlwollend nachkommt sondern andeutet, sich noch etwas Zeit lassen zu wollen, erntet man umgehend ein hingerotztes "Bist schwul?" .

Zugegeben, das Je t’aime verlangt keinen Eintritt, dafür ist das Bier ein Spur teurer (ein Seiderl kostet € 7,50) und die Frauen sind weder besonders fesch noch in irgendeiner Weise anziehend. Aja, und die dargebotene "Strip-Show" war ein Witz.

Fazit: Je t’aime ist ein absolutes No-Go, da doch lieber die zehn Euro Eintritt im nahegelegenen Tutti Frutti investieren.