Wo waren die Geeks eigentlich früher?

Wir Geeks sind schon ein illustres, liebenswertes Völkchen – eine wunderbare Subspezies mit unserer eigenen (der besten!) Subkultur und Sprache, unserer eigenen Kleidung und unseren eigenen Jobs. In unserer postneoliberalen Zeit alles kein Problem.

Nur: Wo waren wir früher? Was haben Geeks gemacht, als es noch keine IT-Industrie gab? Als man noch in Anzug in Krawatte zur Arbeit erscheinen musste und bunte T-Shirts mit zweifelhaften Aufdrucken verpönt waren?

Gab es da keine Geeks? Haben sie sich versteckt und im Untergrund gelebt? Oder gar an die restliche Bevölkerung angepasst?!

Ich bitte um Ideen.

Just in time

Mit Freude musste ich feststellen, dass sich die Linz AG entschieden hat, eine kleine Änderung in ihren Öffi-Fahrplänen vorzunehmen, mit dem schönen Ergebnis, dass nun eine zweite Buslinie unsere Straße entlang führt und man nun, will man denn nicht die 12 Minuten investieren und die malerische Strecke zu Fuß gehen, etwa alle 10 Minuten eine Anbindung zum Taubenmarkt hat, statt wie bisher nur alle 15.

Diese Angebot habe ich gestern früh gleich mal genutzt um zur Arbeit zu kommen. Kaum eingestiegen musste ich zu meiner Verunsicherung aber erleben, dass mein Busfahrer, ein hochgewachsener, Ehrfurcht einflößender Herr, den Fahrer des zufällig entgegenkommenden Busses mittels Handzeichen zum Anhalten aufforderte, einem Anliegen, dem dieser auch nachkam.

Mein Fahrer kurbelte sein Fenster runter und ich hörte deutlich, wie er zu seinem Kollegen rüber rief: "Du, wo müssma jetzt eigentlich fahren? Wo ist denn überhaupt die Bruckner-Haltestelle?!" Die Antwort konnte ich leider nicht verstehen, ich sah aber, dass mein Fahrer mit den Schultern zuckte und leise ein "was weiß ich?" vor sich hinbrummte, nur um darauf wieder weiter zu fahren.

Ich erlebte übrigens nicht, ob er die Bruckner-Haltestelle tatsächlich fand, denn ich stieg früher aus. Der Beruf des Busfahrers hat für mich seit dem aber viel von seinem Glanzes und Heroismus eingebüßt.

Die Uni-Tagebücher (2)

Linz, am 6. November 2008

Liebes Tagebuch,

es ist nicht nur verteufelt schwer, auf der Universität einen bestimmten Raum zu finden , ist man erst mal dort, folgen schon die nächsten Schwierigkeiten.

Denn ein einem Kurs zugewiesener Raum hat auf einer Universität niemals die richtige Größe. Entweder man sitzt in einem riesigen Hörsaal, wo man gerade noch seinen nächsten Sitznachbarn am Horizont erspähen kann und der Vortragende fast ein Megafon braucht, damit er auch nur von den vorderen Reihen halbwegs verstanden werden kann. Oder der Raum ist so klein, dass nur ein Bruchteil der Studenten überhaupt hinein passt.

Es werden dann allerlei Sesselchen herangeschleppt, es wird zusammengerückt, es wird sich auf den Boden gesetzt und so mancher Student dreht gleich wieder frustriert um. Es dauert dann eine bestimmte Zeit bis jeder seinen Platz im winzigen Kämmerlein gefunden hat, kurz danach macht sich etwas anderes bemerkbar: Wenn sich so viele Menschen in einem so kleinen Raum befinden, breitet sich eher früher als später eine Duftwolke biblischen Ausmaßes aus.

Da zahllose Studenten bekanntlich neben ihrer Zeit auf der Universtität harte körperliche Arbeit als Bergarbeiter oder Schienenverleger annehmen müssen, um sich das teure Studium überhaupt leisten zu können, ist es nur verständlich, dass die meisten stinken wie ein Bauer auf dem Feld. Offenbar müssen sie sogar soviel schuften, dass sie im Laufe der letzten Woche gar keine Zeit zum Duschen oder Zähneputzen hatten und der letzte Waschtag fand sowieso schon eher im letzten Jahrtausend statt.

Und wenn man dann, mein geliebtes kleines Tagebuch, zwischen zwei solchen Schauergestalten eingeklemmt sitzt und sämtliche Geruchsknospen in der Nase gerade am Verwelken sind, wünscht man sich nichts mehr als eine frische Brise Herbstluft. Das geht natürlich allen so, darum werden nach etwa zehn Minuten Kurs alle Fenster so weit als möglich aufgerissen, was zur Folge hat, dass den Studenten in der Fensterreihe die Nippel von der Eiseskälte hart werden, und jene in der Türreihe hoffnungsvoll die Nase strecken, um ein Stückchen Frischluft zu ergattern – natürlich hoffnungslos, denn auf dem Weg von Fenster- zu Türreihe wurde die ehemals erfrischende Luft schon lange vom Duft der Bergarbeiter und Schienenverleger assimiliert.

Ich setze mich übrigens wann immer möglich in die Fensterreihe, denn stahlbetonharte Nippel und ein attraktiver Keuchhusten sind mir um Häuser lieber als der ekelhafte Geruch, den manche Mitstudenten absondern. Es ist wirklich abstoßend.

Die Lego-Problematik

Das ist zwar nicht mehr recht aktuell und dürfte auch nur mehr wenige meiner geneigten Leser aktiv betreffen, aber während einer längeren Straßenbahnfahrt ist in mir ein altes Kindheitstrauma hochgekommen, dem ich auf diesem Wege beizukommen hoffe.

Als Kind war Lego mein absolutes Lieblingsspielzeug. Ich hatte zahllose Kisten davon, baute verwinkelte Städte, unbezwingbare Burgen, mächtige Flugzeugträger und riesige U-Boote. Damals bestand Lego auch noch hauptsächlich aus richtigen eckigen Klötzchen und Bauteilen und jeder "Spezialteil" den man hatte war etwas besonderes. Heutzutage ist Lego ja ganz anders und lange nicht so kreativitätsfördernd wie früher. Damals baute ich nie nach Vorlage, sondern erfand mir lieber meine eigenen Kreationen und verbrachte Stunden, Tage und Wochen damit, meiner Festung den letzten Schliff zu geben oder den Torpedowerfer meines Schlachtschiffes so aerodynamisch wie möglich zu gestalten.

Natürlich ging es bei mir – als Kind wurde man immerhin von zahllosen Zeichentrickserien indoktriniert – immer um einen endlosen Krieg der Guten gegen die Bösen. Meine Lieblinge waren selbstredend die Guten, und ich baute ihnen das beste Equipment, das man sich nur wünschen konnte.

Das Problem hierbei war aber, dass dadurch alle guten, nützlichen Legoteile natürlich für die Guten verbraucht wurden – die Bösen bekamen dann die traurigen Reste und mussten schauen, wie sie damit zurecht kamen. Das endete dann meist so, dass sie mit irgendwelchen Segelbooten, Säbeln und uralten Kanonen gegen das hypermoderner U-Boot der Guten mit Revolver-Torpedowerfern, Gatling-Kanonen und ballistischen Raketen antreten mussten. Ihr einziger Vorteil war stets ihre Hinterhältigkeit, mit der sie die rechtschaffenen, heldenhaften Guten auszutricksen versuchten.

Der Sieg der Guten war durch ihre technologische Überlegenheit zwar stets gesichert und wunderbar plausibel, aber so richtig fair kam mir das als Kind nie vor. Es macht halt auf Dauer keinen rechten Spaß, sich ständig Wege zu überlegen, wie eine Muskete einer meterdicken Titanpanzerung gefährlich werden kann.

Dieses Problem konnte ich nie zu meiner Zufriedenheit lösen und könnte es auch heute nicht, denn den Bösen einige nützliche Legoteile der Guten zu geben, kam natürlich nicht in Frage. Wie hat dies der geneigte Leser gelöst – oder war der so ein peinlicher Playmobil-Spieler, der nicht einmal selber etwas entwickelte, sondern nur mit den langweiligen vorgefertigten Teilen spielte?