Keine Reue (2)

Seit meinem letzten Beitrag zur Wirtschaftskrise (aka Stabilisierungsphase) hat sich nicht allerlei verändert, abgesehen davon dass mittlerweile auch die Mainstream-Presse keine Veränderung, geschweige denn Reue sieht.

Statt etwas zu ändern, beruft sich lieber jeder Verantwortliche darauf, dass es “alle so gemacht hatten”, “keiner wissen konnte, was passiert” und man “ja nicht in die Zukunft sehen könne”. Achso, ja dann – macht also sicherheitshalber so weiter wie bisher, die Zukunft ist offenbar sowieso nicht in unserer Hand und wird allein vom Schicksal bestimmt. Wir kleine Menschlein haben keinerlei Einfluss darauf, blöd gelaufen halt.

So ein Humbug! Natürlich hätte es jeder anders gemacht, wenn das Ende vorhersehbar gewesen wäre. Das ändert aber nichts daran, dass man jetzt daraus lernen könnte, damit so etwas nie wieder passiert. Von ein paar populistischen, fadenscheinigen Versprechungen der Politik einmal abgesehen, die dank der Lobby sowieso nie umgesetzt werden, hat sich aber nichts Entscheidendes geändert. Und wird sich wohl auch nicht mehr, wo mittlerweile jeder eine Besserung der Lage vorhersieht.

Und überhaupt: Was soll das denn sein, sich mit “das hab ich nicht gewusst” vor der gerechten Strafe drücken zu wollen? Gibt es nicht den schönen Grundsatz “Unwissenheit schützt vor Strafe nicht” (Tatbestands- bzw. Rechtsirrtum, für den Juristen)? Und die Vorschrift, ein “ordentlicher Kaufmann” sein zu müssen? Mag schon sein, dass der eine Vorstand oder andere Aufsichtsrat nicht genau wusste, wohin all die Millionen investiert wurden – aber genau das wäre seine Pflicht, und genau dafür wurde er reichlich bezahlt! Es muss ja nicht überall gleich Gefängnis sein, aber zumindest die ungerechtfertigten Millionen-Boni sollten auf jeden Fall zurückgezahlt werden müssen – um dafür so manchen entlassenen Arbeitnehmer doch behalten zu können.

Keine Reue

Obama sagt es, ich sag es auch: Die Finanzwirtschaft der Welt zeigt keine Reue. Trotz der Krise (Unwort des Jahres), die sie durch ihre grenzenlose Gier verursacht haben, machen die großen und kleinen Finanzunternehmen so weiter wie vorher. Noch ist nichts ausgestanden und schon wird an der nächsten Blase gearbeitet. Und nicht zuletzt 18 Milliarden Dollar an Prämien (vom Basisgehalt, das an sich schon heillos übertrieben und ungerechtfertigt genug wäre, ist gar nicht die Rede) ausgezahlt – alleine an der Wall Street.

Ganz kurz hat es zwischendurch so ausgesehen, als ob sich vielleicht doch etwas ändern würde: Als Lehmann Brothers so mir nichts, dir nichts, quasi über Nacht, “verschwand”, wurde es plötzlich ganz ruhig. Dann ist aber schnell der Staat eingesprungen und hat der Branche, die sich dies alles selbst eingebrockt hatte, prompt die Suppe ausgelöffelt.

Vermutlich hat niemand eine Ahnung, was wirklich passiert wäre, hätte es keine staatlichen Hilfen gegeben. Wahrscheinlich wären noch ein paar (Finanz)unternehmen den Bach hinuntergegangen, hätten noch ein paar gierige Anzugträger mehr, plötzlich ganz leise, eine Schachtel mit übrig gebliebenen Büroutensilien am Porsche vorbei in das heillos überteuerte Luxusappartement an der Park Avenue tragen müssen. Sicher hätte es dann aber ein Umdenken gegeben.

Aber so wurde der Branche nur gezeigt, dass die Gesellschaft offenbar sowieso alles tut, damit ihr (der Branche) nichts passiert. Unter solchen Voraussetzungen würde auch ich wahnwitzige Risiken eingehen und dem unsicheren, aber schnellen Geld nach jagen – schließlich wartet prompt ein Sicherheitsnetz am Ende der Fahnenstange.

Jetzt müssen wir bis zur nächsten Krise warten, damit sich dann vielleicht doch etwas ändert. Und damit wir nicht vergessen, sicherheitshalber gleich eine Notiz an der Kühlschranktür kleben: “Wenn den Finanzinstituten wieder einmal der Dreck bis zum Hals steht, nicht mehr helfen! Sondern die undankbaren, gierigen, selbstverliebten Geldsäcke in der eigenen Scheiße ersaufen lassen!

Was ist so schlimm an Analogkäse?

Echter, richtiger, unverfälschter Analogkäse.

Echter, richtiger, unverfälschter Analogkäse.

Ich verstehe die aktuelle Aufregung um die weite Verbreitung von imitiertem, “falschem” Käse nicht.

Zugegeben, der Name ist problematisch. Was soll das sein, Analogkäse? Was ist hier analog? Und ist normaler Käse aus Milch dann Digitalkäse? Wenn ja, müsste es nicht umgekehrt sein, weil Analog ist ja eigentlich altmodischer als digital, und Analogkäse ist eine moderne Erscheinung? Fragen über Fragen.

Ansonsten hab ich kein Problem mit “falschem” Käse. Wer Margarine isst, darf sich über Analogkäse nicht beschweren, immerhin sind die beiden nicht so unterschiedlich, wie jeder mit einem Blick auf die Zutaten selber nachprüfen kann. Auch für Veganer sehe ich schöne Vorteile.

Viel schwerer wiegt aber: Ist es eigentlich nicht viel angenehmer und ansprechender, schön industriell (keimfrei) gefertigten Käse aus hauptsächlich pflanzlichen Zutaten zu sich zu nehmen, als ein seltsames Produkt, das aus dem Drüsenprodukt eines großen, dummen Säugetiers besteht? Und das vor dem Verzehr monate- bis jahrelang in stinkenden, dunklen Kammern herumliegt und von zahllosen Schimmelpilzen und Bakterien zerfressen und verdaut wird?

Ich hab nix gegen Käse, im Gegenteil. Aber genauso wenig hab ich gegen das analoge Pendant. Ehrlich gesagt finde ich das sogar unbedenklicher.

Was hat 5 Beine und den Mund voll?

Kampfhund… Ein Kampfhund am Kinderspielplatz.

Heute durfte ich im Bus folgende Situation beobachten: Ein schäbiger Jugendlicher stieg ein, in der einen Hand ein Sackerl voller Ottakringer-Dosen, in der anderen eine Leine mit einem dieser wirklich brutal aussehenden Kampfhunde am anderen Ende. Der muskulöse Hund riss wild an der Leine und der Jugendliche musste sich breitbeinig dagegen stemmen. Maulkorb gabs natürlich keinen.

Der Busfahrer bemerkte den Neuankömmling, kam vorbildlich aus seinem Kobel und wies den Hundeführer höflich an, dem Tierchen bitteschön einen Maulkorb anzulegen. Der Jugendliche weigerte sich natürlich, woraufhin er gebeten wurde, den Bus zu verlassen. Das erzürnte den Jungen enorm und er fing an, lautstark mit dem Fahrer zu streiten.

Der Hund, natürlich nicht dumm, beobachtete sein Herrchen aufmerksam. Umso aggressiver der Mensch wurde, umso lauter fing das Tier an zu knurren, bis es in vollendeter Angriffshaltung den Busfahrer anfletschte und so aussah, als ob er gleich jemandem die Kehle aufreißen würde. Ich hätte spätestens jetzt meine Beine in die Hand genommen, der Fahrer blieb aber tapfer stehen und schaffte es schließlich, die beiden ohne weitere Eskalation aus dem Bus zu bekommen. Ein hörbares Aufatmen aller anderen Fahrgäste folgte, kurz sah es sogar nach spontantem Applaus aus.

Diese Situation hat mir wieder einmal gezeigt, dass mit Hunden nicht zu spaßen ist. Sie wurden schließlich viele Jahrhunderte lang zum Töten abgerichtet. Es ist also ungefähr so, als wenn man einen Wolf durch die Fußgängerzone spazieren führen würde. Nur dass der vermutlich ungefährlicherer wäre, weil er immerhin Angst vor Menschen hat.

Hunde, vor allem Kampfhunde, sind Waffen. Eigentlich sind sie sogar doppelt so gefährlich wie eine Waffe, denn deren Einsatz hängt immerhin nur vom Faktor Mensch ab. Ein Hund hat sowohl sein saudummes Herrchen, als auch seine eigenen, oft mehr schlecht als recht unterdrückten Instinkte – beide könnten jederzeit losgehen und jemandem schaden.

“Och, der ist doch lieb, der würde doch nie jemandem etwas tun. Und er liebt ja alle Kinder!” hört man immer von den verblendeten Hundehaltern. Nun, sobald sie den Kopf eines Kindes im Gebiss stecken hat, ist die Bestie nicht mehr so süß und zuverlässig. Niemand kann mir erklären, dass man einen Hund vollkommen unter Kontrolle haben kann – ein Unsicherheitsfaktor bleibt immer. Und umso aggressiver eine Hunderasse ist, umso größer ist dieser Faktor.

Hunde, vielleicht mal abgesehen von den ganz kleinen RattenWadlzwickern, gehören auf eine Ebene mit Schusswaffen gestellt. Man sollte einen nur dann besitzen dürfen, wenn man wie beim Waffenschein allerlei psychologische Tests über sich ergehen lässt und zweifelsfrei die Fähigkeit nachweist, einen Hund auch vernünftig führen zu könne. Kampfhunde gehören definitiv generell verboten, denn es gibt ganz einfach keinen einzigen vernünftigen Grund, einen haben zu müssen – schließlich darf man ja auch kein schweres Maschinengewehr im Waffenschrank hängen haben.

Europawahl '09

Am Freitag vor Muttertag hat mich ein ÖVP-Wahlhelfer vor dem lokalen Billa abgefangen und mich mithilfe eines Flyers, eines Kugelschreibers und eines klitzekleinen Gläschens Marmelade bestochen, Europawählen zu gehen. “Egal was”, hat er gesagt, “Hauptsach, Sie gehn wählen.”

Eine löbliche Einstellung! Dank meiner stetig zunehmenden Politikmüdigkeit, nicht zuletzt verstärkt durch die pure Dummheit des oberösterreichischen Landtags, hat mich die Europawahl bisher herzlich wenig interessiert – das Döschen Konfitüre hat mich aber sofort umgedreht. Internetgläubig wie ich bin habe ich mich dann zwecks Entscheidungsfindung prompt hilfesuchend an Wahlkabine.at gewendet:

Wahlkabine

Was für ein Reinfall. Bevor ich mich mit den Dumpfnasen Faymann und Haider solidarisch erkläre, bleib ich am Wahltag lieber daheim. Ja, ich weiß schon, dass die beiden nicht zur Europawahl anstehen, aber die Genossen gehören halt zum selben Verein, der sich wiederholt disqualifiziert (hat). Sämtliche Alternativen sind zwar auch alles andere als unbedenklich wählbar, aber die Wahlempfehlung der Wahlkabine hat mich schon gehörig verstört.

In Ermangelung einer österreichischen Alternative (kennt jemand eine?) hab ich mich dann noch an den deutschen Wahlomat gewandt – nur mal so zum Vergleich:

Wahlomat

Jetzt kenne ich mich in der deutschen Politszene ja nicht sonderlich gut aus. So ist mir peinlicherweise bis heute der Unterschied zwischen CDU und CSU nicht ganz klar – offenbar ist er aber ein großer. Aber auch beim Wahlomat sind die Sozialisten gefährlich weit oben, das noch bessere Abschneiden der Rentner schmeichelt aber meiner erzreaktionären Seele.

Sowohl bei der Wahlkabine als auch beim Wahlomaten vermisse ich einen Bezug zu den aktuell heiß umkämpften Themen Internetsperren und Urheberrechtsgesetze, zu denen ich sowohl in technischer als auch gesellschaftlicher Hinsicht eine sehr eindeutige Meinung zu bieten hätte. Aber auch zum Beispiel folgende Fragestellungen gingen mir ab:

  • Sind Sie dafür, auch weiterhin mit beiden Händen Geld in ein Pensionssystem zu stecken, von dem Sie selber nie etwas sehen werden? Wie verhält es sich mit einem Gesundheitssystem, von dem Sie wie ein nichtsnutziger, unwürdiger Bittsteller behandelt werden?
  • Darf die ÖBB weiter Geld verspekulieren, das sie eigentlich gar nicht hat, und sich im Ausgleich – dem Monopol sei’s gedankt – an der Bevölkerung fahrpreislich gütlich halten?
  • Soll sich die EU ähnlich wie die USA verhalten und mithilfe horrender Staatsschulden Unternehmen stützen, die durch die eigene kurzsichtige Gier schon lange komatös gehirntot sind?
  • Befürworten Sie NATO-Einsätze, um die Einhaltung der Nichtraucherschutzgesetze zu sichern?