Am Montag war ich im lokalen Cineplexx, um mir Resident Evil: Extinction zu Gemüte zu führen. Der Film selbst war eigentlich ganz nett (wenn man den Kinosaal mit den richtigen Erwartungen betritt), ich konnte ihn aber nicht so recht genießen, denn:
Auf zwei Plätzen links von mir saßen in etwa die zwei größten asozialen Asseln, die mir bis dato begegnet sind (und mir sind doch schon einige bekannt mittlerweile, bedingt durch meine ehemalige Mitbewohnerin und durch einige arbeitsscheue Kindheitsfreunde). Zuerst musste ich die beiden davon überzeugen, dass sie auf dem mir zugewiesenen Platz saßen und doch bitte etwas nach links rutschen möchten. Nach ein paar kurzweiligen Minuten hatte ich sie aber soweit und sank in den nun endlich frei gewordenen Sessel.
Jetzt hatte ich Zeit, um die beiden Gestalten verstohlen von der Seite etwas genauer zu betrachten. Der eine direkt neben mir hatte lange Haare und einen Vollbart, beides äußert ungepflegt und enorm dreckige, verfleckte Kleidung. Sein Spezi sah ähnlich aus, hatte jedoch weniger Kopf- und Gesichtsbehaarung und wenn er lachte, entblößte er ein Gebiss, bei dem die oberen vier Schneidezähne fehlten. Was mir mittlerweile äußerst unangenehm auffiel, war der bestialische Geruch, der von den beiden ausging.
Lange hatte ich aber nicht Zeit für meine Betrachtungen, den der Langhaarige direkt neben war offensichtlich der Meinung, dass wir durch unser "Geht-scho-ruckts-an-Sitz-weita"-Gespräch so etwas wie Freunde geworden wären und versuchte ständig, mit mir ins Gespräch zu kommen. Während die Reklame auf der Leinwand lief, fragte er mich etwa fünf Mal, ob er eh im richtigen Film sei, denn "irgendan Men in Black Scheiß wü i ned". Interessanterweise benutzte er jedes Mal die exakt selbe Wortwahl und lachte sich dann über seine Aussage kaputt. Kurz vor dem Start des Films zog er plötzlich eine Plastik-Doppler-Flasche aus seinem Rucksack und bot mir einen Schluck an. Bevor ich richtig nachdenken konnte, nahm ich einen kleinen Schluck des Weißweins – noch während ich schluckte, überkam mich leichter Ekel, den ich nur mit der Feststellung besänftigen konnte, dass ich wenigstens der erste war, der aus dieser Flasche trank – nachdem mein neuer "Freund" einen Schluck genommen hatte, lehnte ich bei jedem weiteren Angebot dankend ab.
Mittlerweile war die Geruchsbelastung doch enorm und stieg immer dann an, wenn einer der beiden den Kopf in meine Richtung drehte und den Mund öffnete – ich verbrachte fast den ganzen Film damit, mir die Nase zuzuhalten. Um den Ausmaß des Gestanks zu verstehen, muss man sich vergegenwärtigen, dass ich im Vorfeld des Films ein Säckchen der gelben M & M’s zum Verknuspern während der Vorstellung erworben hatte – es stank aber so extrem, dass ich das Säckchen nicht einmal öffnete, weil mir jeder Appetit vergangen war.
Der Film fing endlich an und ich hatte die beiden schon jetzt satt. Der Langhaarige war anscheinend der Redseligere von den beiden, denn sein Partner sprach (glücklicherweise) selten ein Wort. Das machte aber nichts, den der Erstere redete für beide. Die ersten fünfzehn Minuten des Films fragte er mich wiederholt, ob das "da zweite Teil is" und ob ich "eh den ersten Teil gsehn hob, der woa so geil, Oida, goi". Anfangs habe ich noch versucht, ihm zu erklären, dass es sich um den dritten Teil von Resident Evil handelte, er ignorierte aber meine gut gemeinten Antworten und wiederholte regelmäßig sein Sprüchelchen.
Das wechselte übrigens im Laufe des Films, von "zweiter Teil" zu "he, des is de Jill, goi Oida" (es war übrigens Alice, nicht Jill, aber das wollte ich ihm nicht mehr erklären) und schlussendlich zu "boah, de is so geil, des wird die Mutter von meim Sohn" jedes Mal wenn Mila Jovovich länger als zehn Sekunden auf der Leinwand zu sehen war. Mein eindringliches Bitten, dass ich mir doch gern in Ruhe den Film ansehen würde, ignorierte er beflissentlich. Glücklicherweise senkte sich aber seine Redefrequenz auf ein erträgliches Maß, als ich begann, ihn zu ignorieren.
Ich war wirklich froh, als der Film endlich zu Ende war – genauso wahrscheinlich wie der gute C., der rechts von mir saß und dem ich ob der Geruchsbelästigung doch schon ziemlich auf die Pelle gerückt war.