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Handy-Telefonieren wird billiger – wen interessierts?
Ständig hört und liest man von neuen Initiativen der EU beziehungsweise deren Kommission, mit dem Ziel, das Handy-Telefonieren und die Kosten für mobilen Datenverkehr im EU-Ausland zu verbilligen beziehungsweise überhaupt gleich zu vereinheitlichen.
Das ist ja grundsätzlich sehr löblich von der EU, sich so für den armen Verbraucher einzusetzen, aber ich frage mich schon – wer braucht das eigentlich? Das eine Mal im Jahr, wo man auf im EU-Ausland auf Urlaub ist, kann man sich wohl für ein paar Tage das gar zu zügellose Telefonieren verkneifen (ganz abgesehen davon, dass man sich im Urlaub sowieso etwas vom Alltag abkapseln soll). Und für Unternehmen beziehungsweise deren Business-Reisende macht es ja eh kaum einen Unterschied, ob die Minute jetzt fünfzig Cent oder einen Euro kostet.
Daher stellt sich die Frage – wieso betreibt die EU (oder besser gesagt deren Beamtenapparat) genau in diesem Fall so einen enormen Aufwand? Das wird doch nicht etwa deswegen sein, weil die vielreisenden EU-Beamten wohl am meisten davon profitieren würden, wenn sie von Brüssel aus billiger heim zum Oma in Gelsenkirchen telefonieren könnten?
ÖBB und Kapazitätsprobleme? Ah, wo denn?!
Posted by saxx in Aktuelles, Seltsame Welt on December 18th, 2007
War schon vorher mancher Zug der ÖBB heillos überfüllt (vor allem auf der extrem profitablen Strecke Wien-Linz) haben die Umstrukturierungen von vor zwei Wochen die Lage extrem verschlechtert. Grundsätzlich ist mir das ja egal (außer ich höre wieder die Klagen meiner zugfahrenden Gefährtin), aber letzten Freitag durfte ich den unglaublichen Service der ÖBB aus erster Hand erfahren, weil einige Kollegen und ich zur Weihnachtsfeier nach Wien fahren mussten:
Wissend um die Platzprobleme hatten wir vorsorglich Tage vorher Sitzplätze reserviert, zum stolzen Zusatzpreis von drei Euro pro Person. Brav stiegen wir in den richtigen Waggon ein und suchten und fanden die korrekten Abteile (die Sitzplatznummern hatten wir ja auf unseren Tickets stehen). Zu unserer nicht geringen Überraschung waren aber alle Abteils bis zum Bersten gefüllt und sie waren auch nicht durch diese kleinen roten Zettelchen als “Reserviert” markiert. Weit und breit war kein Schaffner zu finden, daher machten wir es uns, wie viele andere Fahr”gäste”, am Gang bequem, bis irgendwann nach Amstetten der eine oder andere Sitzplatz frei wurde. Schließlich kam auch einmal ein Schaffner angestolpert, der unseren aufgebrachten Beschwerden nur eines entgegen zu setzen hatte: Die kleinen roten “Reserviert” Zettelchen waren ihm ausgegangen, mehr kann er auch nicht machen …
Die Budapest-Tagebücher – 7: In ungarischer Staatsgewalt
Posted by saxx in Reiseberichte, Tagebücher on November 28th, 2007
Im Folgenden erzähle ich detailliert die Erlebnisse meiner, oder besser unserer, Reise in die ungarische Hauptstadt, die nach nicht einmal 16 Stunden in Budapest abgebrochen werden musste. Der geneigte Leser kann versichert sein, dass ich alle Vorkommnisse wahrheitsgetreu wiedergebe und möge mir daher verzeihen, wenn der eine oder andere Abschnitt etwas gar langatmig geworden ist und die Budapest-Tagebücher sich über viele Einträge hinziehen. Ich glaube aber, dass es sich auszahlt, alles zu lesen …
Geliebtes Tagebuch,
die Fahrt zum Polizeiposten ging ziemlich schnell, denn, du erinnerst dich, mein geliebtes kleines Tagebuch, der war nur ein paar Straßenblöcke entfernt. Drinnen angekommen wurden J. und ich wortlos von den beiden uns begleitenden Polizisten verlassen und setzten uns in die Sessel, die in der ungemütlichen, kalten Eingangshalle um einen niedrigen Tisch verteilt waren. Mein Begleiter spendierte mir einen Kaffee nach dem anderen aus dem nebenstehenden Automaten, denn mit meinem verbliebenen 10.000-Forinth-Schein kam ich bei dem nicht allzu gut an. Wir plauderten ein bisschen – ich erfuhr, dass J. ein "Programer for Access and SQL Server" war, die meiste Zeit saßen wir aber schweigend und müde herum und nippten an unserem schalen Automatenkaffee.
Schließlich fing J. erneut zu telefonieren an und er erklärte mir anschließend, dass er seine Freundin angerufen habe, die ziemlich gut Englisch und Deutsch könne. Trotz der nachtschlafenen Stunde traf die Dame schnell bei uns am Polizeiposten ein – jetzt warteten wir also zu dritt auf das, was mich erwarten würde. Mehrmals dankte ich J. für seine Hilfe und sagte ihm, dass er schon genug für uns getan habe, er müsse nicht jetzt auch noch mit mir warten, aber er meinte stets freundlich, er würde das mit mir durchhalten, worüber ich ehrlich gesagt sehr froh war. Um die Zeit totzuschlagen plauderten wir über so manche Belanglosigkeit und J. und seine Freundin entschuldigten sich im Namen der Ungarn für unsere Erlebnisse und versicherten mir, dass das absolut nicht typisch für Budapest sei; sie boten mir an, bei meinem nächsten Besuch in Ungarn bei ihnen bleiben zu können um die schönen Seiten der Stadt kennen zu lernen. Die Freundlichkeit der zwei verbesserte tatsächlich meine Meinung über die Menschen im Allgemeinen und die Ungarn im Besonderen – wir tauschten E-Mail-Adressen aus und ich lud sie nach Österreich und Linz ein.
Schließlich, wir warteten wohl schon fast eine Stunde, kam endlich ein verschlafener, übergewichtiger, übelriechender Dolmetscher in die Eingangshalle und übertrug gleich an Ort und Stelle meine Geschichte auf Papier. Das dauerte seine Zeit, denn die Deutschkenntnisse des Herrn ließen etwas zu wünschen übrig und auch die Personenbeschreibung gestaltete sich sehr schwierig, weil ich mich kaum noch an die beiden Übeltäter erinnern konnte. Die Freundin von J. hörte unsere Erlebnisse jetzt zum ersten Mal und schüttelte immer wieder bestürzt und ungläubig den Kopf. Mittlerweile trafen auch F. und C1. in Polizeibegleitung bei uns ein, die beide zwar nicht mehr blutig waren, aber im Gesicht mächtig geschwollen, stolz ihre Röntgenbilder präsentierten und sich über die miese Betreuung im Krankenhaus beklagten – zum Glück war aber keiner der beiden ernsthaft verletzt. Der Dolmetscher verschwand daraufhin schnaufend mit F. und ließ uns übrigen vier allein in der Eingangshalle zurück.
J. unterhielt sich kurz mit seiner Freundin, woraufhin auch die sich kurz entfernte und etwa zwanzig Minuten später mit einer Thermoskanne Kaffee, Mineralwasser und einigen Sackerln Knabbereien zurück kam – sogar an eine Packung Tiefkühlgemüse für die Blessuren von F. hatte sie gedacht. "Lets make a party here" meinte sie, während sie ihre Mitbringsel auf dem Tisch ausbreitete; müde und dankbar nahmen C1. und ich die Bewirtung an. Nach etwa einer Dreiviertelstunde war das Verhör von F. beendet und er wurde durch C1. ersetzt, der ebenfalls lange mit dem Dolmetscher verschwand. Vollkommen frustriert über die ewige, nicht endenwollende Warterei wurden wir immer wortkarger und zählten jede Sekunde.
Endlich, es dürfte wohl so gegen 06:30 am Morgen gewesen sein, kam C1. zurück und ich fragte den Dolmetscher, ob wir jetzt endlich gehen dürften. "Bald", meinte der und deutete nun mir, ich solle ihm folgen, während F. und C1. zusammen mit J. und dessen Freundin in der Eingangshalle zurück blieben. Über einen wackligen kleinen Lift fuhren der schwitzende, stinkende Mann und ich ein paar Stockwerke nach oben und ich fand mich in einem kleinen, dreckigen, vollgeräumten Büro wieder, dass jedem Klischee über kommunistische Bürokratie entsprach. Ich wurde auf einen unbequemen kleinen Hocker gesetzt, während sich der Dolmetscher unter Ächzen in einen schmutzigen Couchsessel quetschte, der zwischen Stahlschränken eingezwängt in einer Ecke stand. Hinter einem klitzekleinen Monitor saß ein junger Polizeibeamter in Zivil, der gemütlich im Einfingersystem meine frühere Aussage, die ihm der Dolmetscher diktierte, eintippte. Hin und wieder gab es eine ungarische Rückfrage, die dann für mich übersetzt wurde und die ich nach bestem Wissen und Gewissen beantwortete. Die Minuten verrannen zäh und ich schlief fast auf meinem lehnenlosen Sesselchen ein, bis sich nach Stunden, wie mir schien, der Dolmetscher schnaufend wieder erhob, einen Stoß Zettel aus dem Drucker nahm und mir etwa zwanzig (keine Übertreibung) Unterschriften entlockte. Mehrmals musste ich auch auf Deutsch "Ich habe verstanden" hinschreiben – erst nach mehrmaligem Nachfragen wurde mir erklärt, was ich da überhaupt unterzeichnete. Danach fuhren wir mit dem Lift wieder nach unten, wo noch immer meine vier Begleiter warteten und F. kläglich und mit fast erlöschter Hoffnung fragte: "Dürfen wir jetzt endlich gehen?"
"Bald", meinte der Dolmetscher und verschwand kurz im Nebenraum, nur um gleich wieder zurückzukommen, sein Köfferchen zu öffnen und darin herumzukramen; "Er wird nach Stunden bezahlt", raunte mir die Freundin von J. zu. Unendlich frustriert und gereizt tigerten wir wie eingesperrte Raubtiere auf und ab, bis wir endlich, endlich gehen durften – der Dolmetscher versicherte uns noch einmal, dass ein solch brutaler Überfall äußerst ungewöhnlich sei und verabschiedete uns. J. und seine Freundin begleiteten uns jetzt noch auf dem Fußweg zurück ins Hotel – worüber F., C1. und ich erneut sehr froh waren, denn von uns hätte keiner den Weg gewusst. Es war wohl so gegen 08:00 bis wir endlich an unserem Ziel eintrafen, uns über alles dankbar von diesen beiden guten Menschen verabschiedeten und todmüde ins Bett fielen.
Zur Mittagszeit standen wir wieder auf, weckten S., G. und C2., schilderten ausführlich unsere unglaublichen Erlebnisse, aßen einen Happen bei McDonalds und verließen auf schnellstem Weg das Hotel und das Land.
Die Budapest-Tagebücher – 6: Nach dem Überfall
Posted by saxx in Reiseberichte, Tagebücher on November 27th, 2007
Im Folgenden erzähle ich detailliert die Erlebnisse meiner, oder besser unserer, Reise in die ungarische Hauptstadt, die nach nicht einmal 16 Stunden in Budapest abgebrochen werden musste. Der geneigte Leser kann versichert sein, dass ich alle Vorkommnisse wahrheitsgetreu wiedergebe und möge mir daher verzeihen, wenn der eine oder andere Abschnitt etwas gar langatmig geworden ist und die Budapest-Tagebücher sich über viele Einträge hinziehen. Ich glaube aber, dass es sich auszahlt, alles zu lesen …
Geliebtes Tagebuch,
erinnerst du dich noch? F., C1. und ich wurden von Profis mitten in der Nacht im Zentrum von Budapest überfallen und verprügelt; nachdem uns in der Nähe befindliche Zeugen nicht zu Hilfe gekommen waren, hatte ich hilfesuchend die Notrufnummer gewählt, sah mich jetzt aber außer Stande, dem Menschen am anderen Ende der Leitung meinen Standort genauer beschreiben zu können.
Da erblickte ich zwei Arbeiter, die sich gerade an den Toren des Bahnhofs zu schaffen machten. Eilig stürzte ich, das Handy noch immer am Ohr, die paar Stufen zum Bahnhofseingang hinauf und bat einen der beiden in atemlosem Englisch, meinem Gegenüber am Telefon den aktuellen Standort zu erklären. Zum Glück schien mich der Bahnarbeiter zu verstehen, denn er nahm das Handy aus meiner zittrigen Hand, sprach ein paar Sätze auf Ungarisch ins Mikrofon und gab mir dann mein Telefon zurück. Der Notrufmensch meinte nur mehr "Understood – I’ll send police" und legte dann ohne einen weiteren Kommentar auf – meinen Namen oder ähnliches wollte er sowieso nicht wissen. Dankbar nickte ich den beiden Arbeitern zu, die schon wieder unbeeindruckt dabei waren, die Bahnhofstüren zu verschließen.
Hinter mir was es mittlerweile ruhig geworden – seit dem ersten Faustschlag waren wohl noch keine fünf Minuten vergangen, auch wenn es mir wie Stunden vorkam. Ich lief zurück über die Straße und war mehr als erleichtert, wie ich erkannte, dass die beiden Schläger nicht mehr da waren – übrigens genau so wenig wie das Taxi. Dafür war ein anderer Ungar, nennen wir ihn J., da, der sich um F. und C1. zu kümmern schien. Ich hastete auf die drei zu und schnappte erschrocken nach Luft, als ich das Gesicht von F. sah – geschwollen und vollkommen mit Blut überströmt, erheblich schlimmer als ich es aus Boxfilmen gelernt hatte; auch C1. war blau und geschwollen, hatte es aber anscheinend besser als F. erwischt. Beide waren verständlicherweise vollkommen aufgelöst und konnten sich kaum noch auf den Beinen halten. J. war offensichtlich gerade dabei, die Polizei zu verständigen und als er fertig, bedankte ich mich für seine Hilfe; er blickte mich verständnisvoll an und meinte auf Englisch, er würde bis zum Eintreffen der Polizei bei uns bleiben.
Äußerst dankbar gab ich ihm die Hand, er nahm sie und klopfte außerdem aufmunternd auf meine Schulter; F. und C1. standen oder saßen derweil blutend am Straßenrand und konnten die Situation wohl noch immer nicht fassen. Gemeinsam warteten wir auf die ungarische Polizei, die es so gar nicht eilig zu haben schien – nach etwa 15 Minuten nahm J. erneut sein Mobiltelefon in die Hand und rief, so vermutete ich zumindest, erneut bei der Polizei an – diesmal schon erheblich aufgebrachter. Nach weiteren fünf bis zehn Minuten tauchte endlich ein Streifenwagen auf, dem, man glaubt es kaum, genau jene beiden Beamten entstiegen, die wir schon früher diese Nacht vor dem Nachtklub kennengelernt hatten. Sie schienen nicht sonderlich beeindruckt zu sein sondern warfen höchstens neugierige Blicke auf den blutüberströmten F. Unser ungarischer Helfer redete auf sie ein und schien ihnen die Situation zu erklären, woraufhin sich einer der beiden wieder ins Auto setzte und der zweite einen Block zog und gemütlich begann, Personalien aufzunehmen.
Ich konnte nicht glauben, was da gerade passierte und fuhr ihn auf Englisch an, auf dass er bitte sofort einen Krankenwagen für F. und C1. rufen solle – der Polizist schaute mich nur fragend mit großen, gelangweilten Augen an, zuckte dann mit den Schultern und fuhr fort, auf seinen Block zu kritzeln. Hilflos bat ich J., mein Anliegen den Beamten klar zu machen – ohne lange zu Zögern ließ er daraufhin einen erbosten Schwall ungarischer Wörter auf die Beamten los, bis der im Auto endlich zum Funkgerät griff, woraufhin J. mir zunickte und meinte: "The ambulance is coming."
Mittlerweile hatten sich C1. wieder halbwegs gefangen und führte irgendwelche Telefongespräche auf seinem Mobiltelefon, das später von F. übernommen wurde. Ich stand weiter mit J. und den Polizisten am Streifenwagen und versuchte dem Beamten mit dem Schreibblock meinen Namen und meine Adresse klar zu machen. Unmotiviert wie er war gab er aber schnell auf und reichte mir kurzerhand den Block zusammen mit seinem Kugelschreiber und ich begann, in irgendwelche Felder, ich konnte die ungarischen Beschreibungen ja nicht lesen, meinen Namen und Ähnliches zu schreiben. Mittlerweile waren zwei weitere Streifenwagen eingetroffen – von den Beamten konnte aber, welche Überraschung, ebenfalls keiner Deutsch oder Englisch, was sie aber nicht daran hinderte, teilnahmslos in ihren Wagen sitzen zu bleiben und die Szenerie halbinteressiert zu beobachten. Jetzt waren auch F. und C1. wieder zu J. und mir gestoßen, was den Beamten mit dem Block auf die Idee brachte, ebenfalls ihre Personalien aufnehmen zu wollen – mit den selben Problemen wie bei mir. Also kritzelte ich erneut in irgendwelche Felder die Personalien meiner beiden Gefährten.
Schließlich traf endlich die Ambulanz ein, lustlos kümmerten sich die Sanitäter mehr schlecht als recht um F. und C1. J. sprach erneut mit den Polizisten und gab mir schließlich zu verstehen, dass meine Gefährten ins Hospital gebracht werden würden – ich solle zum Polizeiposten mitkommen. Also stieg ich in jenen Streifenwagen, dessen Tür mir gewiesen wurde und ich war sehr froh, als J. mir erklärte, dass er mitkommen würde, denn ohne ihn würde ich kein Wort von dem verstehen, was mir die ungarische Exekutive zu sagen hatte. Er setzte sich also neben mich in den Fond des Fahrzeugs und wir wurden im Eiltempo, jedoch ohne Blaulicht, ein paar Blöcke weiter zur nächsten Polizeistation gefahren. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich glücklicherweise noch nicht, dass dies noch eine lange Nacht werden sollte …
Die Budapest-Tagebücher – 4: Vor dem Sündenbabel
Posted by saxx in Reiseberichte, Tagebücher on November 23rd, 2007
Im Folgenden erzähle ich detailliert die Erlebnisse meiner, oder besser unserer, Reise in die ungarische Hauptstadt, die nach nicht einmal 16 Stunden in Budapest abgebrochen werden musste. Der geneigte Leser kann versichert sein, dass ich alle Vorkommnisse wahrheitsgetreu wiedergebe und möge mir daher verzeihen, wenn der eine oder andere Abschnitt etwas gar langatmig geworden ist und die Budapest-Tagebücher sich über viele Einträge hinziehen. Ich glaube aber, dass es sich auszahlt, alles zu lesen …
Geliebtes Tagebuch,
vor dem Nachtklub traf ich meine restlichen Gefährten wieder, die ziemlich erbost über das in Ungarn scheinbar vorherrschende Puffpreisniveau waren und erregt über das Erlebte diskutierten. C2. und G. warfen noch ein "Uns reichts, wir schaun ins Hotel" hin und verließen beleidigt den Schauplatz. Wir restlichen verblieben noch etwas länger, ich unterhielt mich intensiv mit S. über unsere Erfahrungen – er war neben mir der einzige, der nicht nur die negativen Seiten erkannte und spazierte mit ihm ein paar Schritte weiter. Als wir zurück kamen, entdeckten wir, dass F. und C1. (die das Lokal bekanntlich als erste verlassen haben) die Polizei verständigt hatten und sich lautstark bei den beiden jungen Beamten beschwerten, die zur Klärung des Sachverhalts ausgerückt waren. Natürlich, wie könnte es anders sein, sprachen die Polizisten kaum Englisch und waren dem Anliegen der betrunkenen Touristen nicht ausnehmend freundlich gesinnt. Frech wie ich bin machte ich auch gleich ein Foto von der illustren Szenerie, wurde aber unverzüglich unfreundlich von den Beamten und der ebenfalls anwesenden Puffmutter aufgefordert, das Bild zu löschen – zuerst wollte ich das nur heucheln, wurde aber beim Löschvorgang penibel überwacht, daher konnte ich nicht anders.
Das Streitgespräch wogte hin und her bis schließlich einer der Beamten die Meinung von S. und mir, die wir zwei Meter abseits standen und das Spektakel beobachteten, wissen wollte. Wir machten ihm aber nur deutlich, dass er mit F. und C1. reden solle, wir hatten schließlich keine Amtshandlung angefordert. Das genügte den dienstbeflissenen Staatsdienern, ihren Einsatz abzubrechen und zu ihrem Fahrzeug zurückzukehren. Die Puffmutter warf uns noch einen giftigen Blick zu und verschwand ebenfalls. Geschlagen machten wir uns auf den Heimweg zum Hotel – während des langen Trottes durch die kalten Straßen von Budapest kam aber die Stimmung langsam wieder zurück. Im Hotel entschied sich nur S. für den Verbleib dortselbst, F. und C1. machten sich sofort auf den Weiterweg und ich begleitete sie nach kurzem Zögern.
Der mit Abstand größte Fehler dieses debakelgepflasterten Abends, wie sich gleich heraustellen sollte: Wir drei schlenderten vom Hotel aus Richtung Keleti Bahnhof (ein monumentaler Bau im besten Stil der späten Monarchie), der sich vor einem großen Platz befand und suchten rund um jenen nach einem Lokal, das um diese nachtschlafene Zeit noch geöffnet hatte. Nur eine Straße entfernt vom Haupteingang des Bahnhofs kamen uns zwei junge Männer entgegen, die uns freundlich anhielten und mit uns auf nette und englisch Art zu plaudern begannen …
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