Aufruf: Getränke in Österreich [Updated]

[Update] Die Liste aller bisher eingegangen Getränke wird ab sofort permanent hier geführt.

Abgesehen von Kampusch und Fritzl haben wir Österreicher noch etwas, worauf wir besonders … hmm … stolz sein können: Unsere Drinkkultur.

GspritzterWir sind nicht nur die Erfinder und Erhalter der althergebrachten Tradition des Komasaufens; Alkohol stellt das grundlegende Fundament unserer Gesellschaft dar. Ohne wären wir vermutlich schon lange im Bürgerkrieg versunken, denn was etwa hätte ich als Oberösterreicher schon mit einem Wiener gemeinsam, gäbe es da nicht unsere geteilte Leidenschaft?

Bevor ich nun endgültig als schwerer Alkoholiker abgestempelt werde, der Sinn meiner wortgewaltigen Einleitung: Neben Alkohol hat Österreich noch etwas Erhaltenswertes – die Sprache. Jedes unserer Viertelchen hat ihre eigene, ganz besonders (ah, hier ist der rote Faden) was unser vielfältiges Getränke-Ökosystem betrifft.

Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Besuch in Niederösterreich, wo ich, nichts Böses ahnend, einen siaßn Gspritztn bestellt und statt eines schmackhaften Weinmischgetränks bloß einen fragenden Blick geerntet habe. Um so etwas in Zukunft zu vermeiden, möchte ich eine Art Enzyklopädie des Pippalns zusammenstellen: Eine Auflistung aller mehr oder weniger kreativen, mehr oder weniger bekannten Namen für Getränke in Österreich.

Und ich möchte den geneigten Leser bitten, mir zu helfen. Bitte füge deine Getränkenamen und -bezeichnungen als Kommentar hinzu, ich werde sie sammeln, zusammenstellen und veröffentlichen. Und ich beginne, als Denkanstoß, gleich mal mit ein paar:

[Update] Auflistung entfernt, da die gesammelte Liste bereits hier verfügbar ist.

Silvester

Silvester 1951Jedes Jahr wird meine Abscheu Silvester gegenüber größer. Vor einigen Jahren hab ich dieses Ereignis des Jahres (absichtlich) verschlafen und jedes Jahr wird der Wunsch das zu wiederholen drängender:

  1. Der Partyzwang: Ich brauche keinen staatlich festgelegten Grund, um mich an die Grenze der Besinnungslosigkeit zu saufen. Im Gegenteil – wenn es jeder macht, ist es plötzlich nur mehr halb so lustig. Jedes Jahr beginnt bloß die verzweifelte Suche nach einem standesgemäßen Abendprogramm aufs Neue. Trotzdem besteht der gesellschaftlich diktierte Zwang zum Feiern. Und das Ergebnis hält dann sowieso nie, was er verspricht.
  2. Feuerwerke und ähnlicher Krawall: Jedes Jahr hoffe ich, dass es mal einem der knallenden Vollidioten neben mir live die Hand zerfetzt und die Blut-, Fleisch- und Knochenspritzer einen heiteren kleinen Silvestereffekt erzeugen. Bis dato war es mir aber nicht geschenkt, meine Hoffnung erfüllt zu sehen. Bis auf Geld wurde in meiner Gegenwart beim Böllern noch nichts vernichtet.
  3. Die guten Vorsätze: Dass die höchstens als Smalltalkthema taugen, dürfte kein Geheimnis sein. Denn es bedarf kaum irgendwelcher Umfragen um darauf zu kommen, dass Vorsätze wie “weniger Rauchen”, “weniger Saufen” oder “weniger Fressen” wenig Bestand haben, wenn sie in jener Nacht gefasst werden, in der der Großteil der Bevölkerung am meisten raucht, sauft und frisst.

Sollten noch Zweifel bestehen: Ich mag Silvester nicht. Gar nicht. Das soll aber nicht heißen, dass ich nicht jedes Jahr naiv aufs Neue versuche, das Beste daraus zu machen. Als Beweis dafür dürfte etwa der SMS-Dialog dienen, den ich heuer in gewohnter Eloquenz mit S. führte:

Eine typische Silvester-SMS

Heimatlokal

Seit ich in solchen Orten verkehren darf, wünsche ich mir eine Heimatbar, ein Wirtshaus oder Lokal, an dem ich “einfach daheim” bin.

Wo ich immer hingehe, wenn sonst nichts los ist. Wo meine Nacht endet, wenn zuviel los war. Wo ich so oft bin, dass mich der Wirt und die Kellnerinnen kennen und als alten Bekannten begrüßen, auch wenn sie mich mal nur so auf der Straße treffen. Wo ich problemlos anschreiben lassen kann, und für meine Freunde bürgen. Wo ich nur reingehen muss, mit einem wissenden Lächeln begrüßt werde und, wenn überhaupt, nur noch “das Übliche bitte” sagen muss.

Nun, es hat knapp fünfzehn Jahre gedauert, aber ich hab es geschafft. Ich hab meinen Heimathafen und -lokal gefunden. Dass es sich dabei um den Leberkaspepi handelt, hätte ich mir aber auch nicht gedacht.

Ich habe ein soziales Problem

Auf ausdrückliche Empfehlung meiner Schwester ("der Typ da drin erinnert mich so an dich") habe ich die Tage Unsympath von Robin Felder gelesen. Oder verschlungen, denn sie hatte recht: Der Unsympath ist wie ich. In mehr Bereichen, als mir lieb ist. So fehlen mir zwar dessen psychologische Zwänge, mein Sozialverhalten gleicht aber immer mehr dem seinen. Was unangenehm ist, denn der Unsympath ist ein richtiges Arschloch.

Ich habe mich die letzten Wochen bewusst bei meinen sozialen Interaktionen beobachtet und Erschreckendes festgestellt: Während eines Blind-Dates etwa mit einer gar nicht so un-netten (wenn auch nicht besonders hübschen) Bankerin wurde einmal mehr klar, dass meine Fähigkeit zu Smalltalk gegen Null geht. Bereits nach zwei Minuten war ich von der Irrelevanz des Gesprächs so angeekelt, dass ich es einfach nicht schaffte, die ewig gleichen, langweiligen Fragen zu stellen, deren Antworten mich sowieso nicht interessieren. Nur kurz erwachte meine Aufmerksamkeit, als sie von ihrer Arbeit und diversen Irregularitäten in Unternehmensbilanzen erzählte – mein fragendes Nachbohren hier irritierte sie aber sichtlich. Kein Wunder also, dass nach quälenden zwei Stunden mit langen Gesprächspausen der Kontakt zwischen uns abrupt beendet wurde. Übrigens nicht der erste so gelagerte Fall in den letzten Monaten.

Letzten Freitag machte ich einen anderen Fehler – ich besuchte nüchtern (!) ein lokales Feuerwehrfest. Während meine Begleitung rapide dem Alkohol und dem damit verbundenen Spaß erlag, versuchte ich gar nicht einmal mehr, den sozialen Anschluss zu schaffen. Statt etwa mit der extrovertierten Bedienung an der Kaffeelaube ein freundliches Wort zu wechseln, brodelte in mir wütende Abscheu: Einerseits etwa, weil die immer, wie ein primitiver Tölpel, von Expresso säuselte. Und weil die Band die seit zwanzig Jahren ewig gleichen Dreckslieder trällerte. Und weil in den Pausen zwischen den ewig gleichen Drecksliedern die ewig gleiche Pausenfüller-CD dahindudelte. Die war sicher per dickem Edding mit "Geile Party-Songs 1998" beschriftet und spielte, auf immer in mein Hirn eingebrannt, ununterbrochen zuerst "Cocojambo" (Mr. President), dann "Pretty Fly for a White Guy" (The Offspring) und schlussendlich "Boom Boom Boom" (Venga Boys). Den ganzen Abend über x-mal. Unerträglich.

So verlegte ich mich schnell aufs stille Beobachten, was meiner Stimmung auch besonders zuträglich war. Links von mir versuchte eine frühreife 13-Jährige einen unschuldigen Jungen zu einer Umarmung und ein Bussi hinzureißen (er schien nicht ganz zu verstehen, was sie von ihm wollte), rechts eine verzweifelte 18-Jährige die eben in die Brüche gegangene Beziehung doch noch zu retten. Zugegeben, das heiterte mich dann kurz auf, denn auf ihr (Ex?)-Freund hatte nach ihrer flehenden, tränenerstickten Tirade nur einen verächtlichen Blick für sie übrig, bevor er wortlos in der Menge verschwand. Und überall sonst baggerten betrunkene Jugendliche andere betrunkene Jugendliche an. Ich mittendrin, stocknüchtern und grantig. Kein Wunder, dass ich jeglichen Kontaktversuch (mein Mach-es-nicht-selbs-Tocotronic-T-Shirt schien die Verrückten geradewegs anzulocken) sofort unfreundlich abwürgte.

Ich will gar nicht hören, was Fremde mir zu sagen haben. Es ist sowieso immer dasselbe. Es ist uninteressant, langweilig, redundant, eintönig und farblos. Ich vergesse es innerhalb von Sekunden wieder, warum also überhaupt noch Interesse heucheln? Warum noch mit anderen reden, wenn nichts dabei herausschaut? Mein Bekannten- und Freundeskreis erfüllt alle rede-mäßigen Bedürfnisse, die ich noch habe – und die, nebenbei, wöchentlich weniger werden.

Ist das assozial? Ich denke schon. Sollte man etwas dagegen machen? Ja. Habe ich eine Idee? Nein. Ehrliches Interesse daran? Ebensowenig. Ist das ein Problem? Definitiv.

In jedem Gespräch …

… mit Mitgliedern des anderen Geschlechts, die man gegen 2 Uhr morgens in angenehm angeheiterten Zustand anspricht, entsteht nach den ersten, vorsichtig tastenden Sätzen eine unangenehme Pause. Die dauert zwar nur ein paar Sekunden, während beide verzweifelt nach einem neuen Gesprächsthema suchen, anfühlen tut sie sich aber wie Stunden.

Bis einer der beiden mit der Standard-Konversation beginnt:

  • A (verkrampft, es sind schließlich schon Stunden ohne ein Wort vergangen):
    Und … ähm … wie alt bist du eigentlich?
  • B (froh, dass die Stille ein Ende hat, versucht möglichst geheimnisvoll und mysteriös auszusehen):
    Na rate mal.
  • A (dreht das Messer um):
    Ma nein, ich kann nicht gut Alter raten, das wird immer peinlich. Wie alt schätzt du mich?
  • B (muss jetzt die Suppe auslöffeln, die er eingebrockt hat, und versucht verzweifelt, den oder die Gegenüber weder zu jung noch zu alt zu machen):
    Puh … hmm … hmmmm … 25??
  • A (abgeschreckt und verunsichert):
    Oh, da bist aber weit daneben. Schau ich wirklich so aus?
  • [...]

Das Gespräch dreht sich jetzt noch einige Minuten um das Alter, nur um im Anschluss auf ähnlich langweilige Themen umzuschwenken. Nach zwei Stunden Smalltalk trennt man sich, ohne auch nur die Telefonnummer auszutauschen. Man sieht sich nie wieder.

Richtig wär aber gewesen:

  • A (verkrampft, es sind schließlich schon Stunden ohne ein Wort vergangen):
    Und … ähm … wie alt bist du eigentlich?
  • B:
    22. Du?
  • A:
    25. Gemma?
  • B:
    Jup.

Beide verlassen das Lokal und erleben die Nacht ihres Lebens, heiraten vier Jahre später, bekommen drei Kinder und elf Enkel und sterben nach einem glücklichen Leben zufrieden und gesund im hohen Alter von 105.

Und obwohl ich das richtige Vorgehen eigentlich so genau wüsste, passiert mir trotzdem immer die erste Variante ;)