Gleichberechtigung leicht gemacht

Die letzten Wochen wurde ich überraschend oft als linke Assel bezeichnet. Ich empfinde das aber nicht als besonders beleidigend – ich werde halt alt und geduldig – und lasse daher einen kurzen Eintrag fallen, um diesen Ruf weiter zu zementieren. Das ist zwar eigentlich nicht links jetzt, aber wurscht, denn ich brauchte ein Einleitung hierfür:

In Connecticut wurde dem Literatur-Bachelor Robert Jordan die Aufnahme in die New Londoner Polizei verweigert mit der Erklärung, das sein IQ zu hoch wäre (um ganz genau zu sein: Es wurde schon das Job-Interview verweigert). Das wäre an sich schon eine Erwähnung wert, und hat auch zu genug #lols im Internet geführt. Aber, es geht weiter.

Jordan hat in Folge gegen diese Diskriminierung geklagt. Der New Havener Richter Peter C. Dorsey hat aber entschieden, dass es sich in diesem Fall gar nicht um eine solche handelt, denn

[...] the city of New London applied the same standard to everyone: anyone who scored too high was rejected.

Aha! Wenn also alle gleich diskrimiert werden, dann ist das im Umkehrschluss eh Gleichberechtigung. Klingt zwar rein technisch logisch, geht aber, man verzeihe mir diese wilde Mutmaßung, wohl am Grundgedanken hinter der Gleichberechtigung vorbei.

Hoffentlich können wir diesen salomonischen Richterspruch auch auf Österreich umlegen: “Liebe Feministinnen, scheißts euch ned an, ihr seids total gleichberechtigt, geht euch ja eh allen gleich.”

Ich kauf’ mir eine Frau

Bevor ich mir den Kopf über den fulminanten Abschluss der wahren Hitler-Tagebücher zerbreche, noch spontan zwischendurch ein todernster Beitrag über gekaufte Frauen. Die Argumentation deckt sich teilweise mit einem früheren Beitrag, das macht aber nichts, denn ich werde alt und mir gehen die Ideen und Thesen aus.

Ich meine natürlich nicht die schnelle Zwischenmahlzeit in Form einer Prostituierten, sondern jene Frauen, die dieser Tage durch ATVs Geschäft mit der Liebe auch bei der breiten, Kronenzeitung lesenden Masse hoffähig werden: Damen aus schlechter gestellten Ländern, die sich für ein besseres Leben bereit erklären, einen Fremden zu ehelichen.

Wie ich zur Prostitution stehe, ist kein Geheimnis, ich finde aber auch diese so genannten Mailorder-Brides durchaus einen Gedanken wert. Ich seh das nämlich als Win-Win-Situation: Der österreichische Mann, meist schon im oder jenseits des besten Alters bekommt endlich eine Frau; und die Frau bekommt ein (materiell?) spürbar besseres Leben in einem wohlhabenden Land.

“Ha”, sagt jetzt der skeptische Zeitgenosse, “du sagst es ja selber, da geht’s nur ums Geld. Damit kann doch keine Frau zufrieden sein?”. “Ha”, sag ich dann, “ich hab da total absichtlich ein Fragezeichen rein gemacht.” Denn ich glaube, ganz ehrlich gesagt, dass zwischen einer gekauften, einer arrangierten und einer Regenbogen-Glücksbärchi-Liebeshochzeit gar kein großer Unterschied ist – langfristig gesehen.

Nämlich aus zwei Gründen: Selbst nach der größten Glücksbärchi-Hochzeit kehrt irgendwann – meist früher als erwartet – der grausame Alltag ein. Der besteht halt dann doch hauptsächlich aus gemeinsam Essen (wenn überhaupt), gemeinsam Fernsehen (wo immer mindestens ein(e) Beteiligte(r) unzufrieden ist) und halbmechanischem Beischlaf (wenn überhaupt).

Und im Gegensatz bin ich überzeugt davon, dass gegenseitige respektvolle, liebevolle Behandlung, auch zwischen zwei anfangs Fremden, mit der Zeit mehr oder weniger zwangsläufig zu tiefgreifender Zuneigung, vielleicht sogar Liebe, führen kann; natürlich nicht von der vom Bravo propagierten rosarote-Brille-auf-den-ersten-Blick-Liebe, sondern bodenständiger, pragmatischer. Ich kenne konkrete Fälle, wo es genau so und gut verlaufen ist beziehungsweise noch verläuft (zugegeben, als Außenstehender sehe ich natürlich nicht alles).

Damit wir uns klar verstehen – ich glaube nicht an eine automatisch lieblose, kalte Ehe (oder langfristige Beziehung, man muss ja nicht immer gleich heiraten wollen) – ganz im Gegenteil, es gibt ja genug Gegenbeispiele. Ich glaube aber, dass sich alle Beziehungen, egal wie sie begonnen haben, mit der Zeit angleichen; sowohl was die guten Elemente betrifft, als auch was die schlechten betrifft. Und in diesem Blickwinkel betrachtet, schaut eine gekaufte Braut gleich gar nicht mehr so schlecht aus; grade und vor allem wenn die Sache aus einem Blickwinkel der Effizienz betrachtet. Und insgesamt günstiger kommt sie vermutlich auch.

Beim Frisör

Die knapp fünfzehn Minuten, die ein Haarschnitt beim Frisör meines Vertrauens dauert, sind immer wieder die längsten meines Lebens. Gefangen unter diesem Zorro-Umhang kann ich nichts weiter tun, außer mich selbst auf Nadeln sitzend und die Frisörin schnipselnd im Spiegel zu beobachten. Da ist es dann nicht weiter verwunderlich, wenn sich Gedankengänge auftun, auf die ich sonst eher weniger stoße.

Ich bewundere Frisösen. Zwar sagt mir meine Vernunft, dass da nicht besonders viel Hirnschmalz dazugehört, denn jedes Mädl mit schlechtem Hauptschulabschluss wird, zumindest im Mühlviertel, automatisch Frisöse und hat den Dreh nach einem Jahr des Haarezusammenkehrens gut raus. Trotzdem beeindruckt es mich immer, dass nach ein paar Minuten des scheinbar planlosen Herumschnippselns, mal links, mal rechts, zum Schluss doch irgendwie ein vorzeigbares Resultat zum Vorschein kommt.

Verunsichert bin ich jedoch immer dann, wenn das junge Mädchen mit den großen Scheren plötzlich vom jahrelang gewohnten Vorgang abweicht, also etwa während des finalen Ausrasierens unerwartet doch noch mal zur Schneidschere greift, mit der sie normalerweise nur eingangs arbeitet. Da schwindet dann der Schein von Professionalität, denn sie versucht offensichtlich, noch schnell einen Fehler auszubessern. Gleich nach dem Release einen Patchday nachziehen, das macht keinen guten Eindruck.

Apropos “Ausrasieren”: Was soll diese Frage “Darf ich eh hinten ausrasieren”? Ja klar Schnucki, mach nur – hat es jemals in der Geschichte der Haarschneidekunst einen Menschen gegeben, der auf diese Frage mit “Nein, bitte nicht, der kleidsame Nackenflaum ist essentiell für meinem Look” geantwortet hat? Überhaupt fragen die Frisösen viel zu viel: Nass machen? Gel rein? Ausrasieren? Passts so? Die Länge stimmt? Bar oder Bankomat? Ich bin meistens schon von der ersten Frage “No, wie wollmas denn?” überfordert. Schließlich bin nicht ich der Profi auf dem Gebiet, ich will einfach wieder vorzeigbar aussehen, lass dir also was einfallen, Baby.

Frisösen haben den Ruf, besonders hübsch zu sein. Nun ja, es gibt vereinzelt durchaus sehenswerte Exemplare, aber die durchschnittliche Haarschneiderin ist zu dick, zu klein und watschelt beim Gehen. Wie bei Empfangssekretärinnen und Cocktailkellnerinnen sollten auch im Frisörberuf strenge Regeln zum maximal zulässigen Kampfgewicht gelten: Sobald die ausholende Oberweite beim Schneiden durchgehend am Kunden streift, ist es dringend Zeit für eine Diät.

Angenehm ist aber, dass, im Gegensatz zu früher, die Frisösen nicht mehr krampfhaft versuchen, ins Gespräch zu kommen. Sowohl Dienstleister als auch Kunde haben beim Schneidvorgang verdrießlich dreinzuschauen, Punktum. Es ist schlimm genug, wenn jemand mit spitzen, scharfen Werkzeugen an meinem Körper herumfummelt, da mag ich nicht auch noch Smalltalk machen müssen. Das ist übrigens ein Vorteil beim Zahnarzt: Mit Saugern, Spiegelchen, Bohrern und Tupfern im Mund erwartet wenigstens niemand, dass ich meine Meinung zum aktuellen Wetter kundtue.

Bemerkenswert ist auch, wie wenig Männer in diesen Beruf gefunden haben – und dass diejenigen wenigen dann stets international ausgezeichnete Superstars des Berufs sind, oder nur flüsternd weitergegebene Geheimtipps der lokalen Hausfrauenschaft.

The perfect girl

I know, Firefly is so last decade, dead and whatnot. But I just watched two episodes, and it still is awesome. I’ve never met a girl who likes it, though.

What makes the perfect girl?

Ich habe ein soziales Problem

Auf ausdrückliche Empfehlung meiner Schwester ("der Typ da drin erinnert mich so an dich") habe ich die Tage Unsympath von Robin Felder gelesen. Oder verschlungen, denn sie hatte recht: Der Unsympath ist wie ich. In mehr Bereichen, als mir lieb ist. So fehlen mir zwar dessen psychologische Zwänge, mein Sozialverhalten gleicht aber immer mehr dem seinen. Was unangenehm ist, denn der Unsympath ist ein richtiges Arschloch.

Ich habe mich die letzten Wochen bewusst bei meinen sozialen Interaktionen beobachtet und Erschreckendes festgestellt: Während eines Blind-Dates etwa mit einer gar nicht so un-netten (wenn auch nicht besonders hübschen) Bankerin wurde einmal mehr klar, dass meine Fähigkeit zu Smalltalk gegen Null geht. Bereits nach zwei Minuten war ich von der Irrelevanz des Gesprächs so angeekelt, dass ich es einfach nicht schaffte, die ewig gleichen, langweiligen Fragen zu stellen, deren Antworten mich sowieso nicht interessieren. Nur kurz erwachte meine Aufmerksamkeit, als sie von ihrer Arbeit und diversen Irregularitäten in Unternehmensbilanzen erzählte – mein fragendes Nachbohren hier irritierte sie aber sichtlich. Kein Wunder also, dass nach quälenden zwei Stunden mit langen Gesprächspausen der Kontakt zwischen uns abrupt beendet wurde. Übrigens nicht der erste so gelagerte Fall in den letzten Monaten.

Letzten Freitag machte ich einen anderen Fehler – ich besuchte nüchtern (!) ein lokales Feuerwehrfest. Während meine Begleitung rapide dem Alkohol und dem damit verbundenen Spaß erlag, versuchte ich gar nicht einmal mehr, den sozialen Anschluss zu schaffen. Statt etwa mit der extrovertierten Bedienung an der Kaffeelaube ein freundliches Wort zu wechseln, brodelte in mir wütende Abscheu: Einerseits etwa, weil die immer, wie ein primitiver Tölpel, von Expresso säuselte. Und weil die Band die seit zwanzig Jahren ewig gleichen Dreckslieder trällerte. Und weil in den Pausen zwischen den ewig gleichen Drecksliedern die ewig gleiche Pausenfüller-CD dahindudelte. Die war sicher per dickem Edding mit "Geile Party-Songs 1998" beschriftet und spielte, auf immer in mein Hirn eingebrannt, ununterbrochen zuerst "Cocojambo" (Mr. President), dann "Pretty Fly for a White Guy" (The Offspring) und schlussendlich "Boom Boom Boom" (Venga Boys). Den ganzen Abend über x-mal. Unerträglich.

So verlegte ich mich schnell aufs stille Beobachten, was meiner Stimmung auch besonders zuträglich war. Links von mir versuchte eine frühreife 13-Jährige einen unschuldigen Jungen zu einer Umarmung und ein Bussi hinzureißen (er schien nicht ganz zu verstehen, was sie von ihm wollte), rechts eine verzweifelte 18-Jährige die eben in die Brüche gegangene Beziehung doch noch zu retten. Zugegeben, das heiterte mich dann kurz auf, denn auf ihr (Ex?)-Freund hatte nach ihrer flehenden, tränenerstickten Tirade nur einen verächtlichen Blick für sie übrig, bevor er wortlos in der Menge verschwand. Und überall sonst baggerten betrunkene Jugendliche andere betrunkene Jugendliche an. Ich mittendrin, stocknüchtern und grantig. Kein Wunder, dass ich jeglichen Kontaktversuch (mein Mach-es-nicht-selbs-Tocotronic-T-Shirt schien die Verrückten geradewegs anzulocken) sofort unfreundlich abwürgte.

Ich will gar nicht hören, was Fremde mir zu sagen haben. Es ist sowieso immer dasselbe. Es ist uninteressant, langweilig, redundant, eintönig und farblos. Ich vergesse es innerhalb von Sekunden wieder, warum also überhaupt noch Interesse heucheln? Warum noch mit anderen reden, wenn nichts dabei herausschaut? Mein Bekannten- und Freundeskreis erfüllt alle rede-mäßigen Bedürfnisse, die ich noch habe – und die, nebenbei, wöchentlich weniger werden.

Ist das assozial? Ich denke schon. Sollte man etwas dagegen machen? Ja. Habe ich eine Idee? Nein. Ehrliches Interesse daran? Ebensowenig. Ist das ein Problem? Definitiv.