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Also ich find’ das Wetter super

Ich weiß nicht, warum sich jeder so wortreich über das derzeitige On-Again-Off-Again-Wetter beschwert – ich find es super. Es ist nie zu heiß, die Luft ist immer schön vom Regen gereinigt und man kann Passantinnen jederzeit die eigene Eleganz präsentieren, indem man leichtfüßig über die zahllosen Pfützchen hüpft.

Zugegeben, für Bauern ist das Wetter nicht gerade optimal, und es ist schon auch gerne drückend schwül, aber schwül ist der Sommer sowieso. Außerdem fallen mir auf Anhieb einige schöne Gründe ein, warum ein verregneter Sommer gar nicht so schlecht ist:

  • Man muss nicht jede Nacht das Fenster aufreißen, nur um das Schlafzimmer halbwegs erträglich-kühl zu halten.
  • Man wird nicht ständig angemacht, warum man denn gestern nicht im Freibad war. Oder warum man immer noch so kasweiß ist.
  • Das Wetter gibt vielen Hausbesitzern, vor allem in OÖ, NÖ und dem Burgenland die Motivation, endlich mal den Keller aufzuräumen *.
  • Es ist heiß genug, dass die lokale Weiblichkeit reizend kurze Fetzchen spazieren führt, aber nass genug, um diese dann regelmäßig durchsichtig zu machen.

* Das ist zwar ein bisschen geschmacklos jetzt, aber so im Nachhinein kann man schon froh sein, dass weder Fritzl noch Priklopil ihre Häuser in gefährlicher Flussnähe hatten.

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Die Amstetten-Tagebücher

Nach meiner letzten, äußerst umstrittenen Foto-Love -Story über Amstetten und das Fritzl-Haus habe ich mich nun entschieden, den Hype zu reiten und das Thema noch weiter auszuschlachten auch die restliche Wahrheit aufzudecken und mir daher die Mühe gemacht, mal wieder aus meinem Tagebuch abzutippen:

Amstetten, am 5. März 2009

Geliebtes Tagebuch,

es ist furchtbar hier. Ich hoffe, dass dieser vermutlich letzte Eintrag trotz meiner zitternden Fingern und der fast völligen Dunkelheit halbwegs lesbar ist – die Nachwelt muss erfahren, was mir hier passiert ist.

Ich bin nun seit knapp 12 Stunden in Amstetten. Eigentlich hätte mir sofort nach dem Aussteigen aus dem Zug auffallen müssen, dass hier etwas faul ist, aber damals ist es mir noch nicht besonders seltsam vorgekommen, dass fast der gesamte Weg zwischen Bahnhof und "Hotel" (immerhin etwa ein Kilometer) durch eine menschenleere, kellerähnliche "Unterführung" ohne jedes Tageslicht führte. Jetzt im Nachhinein ist mir auch klar, dass ein großer, grauer Betonblock auf den jemand in unförmigen Blockbuchstaben "HOTEL" gesprüht hat, nicht gerade die beste Reservierung meines Lebens war.

An der Rezeption wurde ich von einem älteren Herrn empfangen, der mir irgendwoher vage bekannt vorgekommen ist. Ständig rieb er sich dreckig grinsend die Hände und ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass seine Augen immer wieder gierig zu meinem prächtigen Hinterteil wanderten. Ansonsten machte er aber Eindruck eines netten, älteren Herrn, dem ich nie etwas Böses zutrauen würde – er könnte problemlos als Pensionist durchgehen, der sich als Hausbesitzer und Vermieter seine karge Pension aufbessert.

Geliebtes Tagebuch, ich kauere hier in einer kleinen, feuchten, fensterlosen Kammer, deren Decke um fast Kopfeshöhe zu niedrig für mich ist. Die Einrichtung des Zimmers sieht wie vom Flohmarkt zusammengewürfelt aus, auch die Sanitäranlagen (ein einzelnes Waschbecken und ein dreckiges Kübelchen) sind in bemitleidenswerten Zustand und offensichtlich von einem Laien zusammengezimmert worden. Obwohl ich noch keinen Tag hier bin, hatte ich schon mehrmals den Drang, meine wenige Kleidung selbst im Waschbecken zu waschen und mich mithilfe des Kübelchens und eines kleinen dreckigen Schwamms am ganzen Körper so gut als möglich zu reinigen.

Seltsamerweise habe ich keinen eigenen Zimmerschlüssel bekommen. Der freundliche ältere Herr versicherte mir, dass ich den hier nicht brauchen würde. Da zu allem Überfluss auch noch die Zimmertür (die übrigens aus Gründen des Feuerschutzes, wie mir versichert wurde, als zentimeterdickem Beton besteht) zugefallen ist, kann ich derzeit mein Domizil nicht verlassen. Glücklicherweise hab ich hier alles, was ich unbedingt zum Leben brauche.

Außerdem ist die Verpflegung super. Durch eine kleine Klappe an der Tür bekomme ich stündlich ausführlich zu Essen, stets schön fettig-frittierte oder wunderbar süße Speisen und das alles in mächtigen Portionen, die selbst ich nur mit Anstrengung bewältigen kann. Wenn ich nach einem solchen Festmahl erschöpft mit offenem Gürtel in meinem Zimmer liege, kommt es mir auch nicht mehr besonders sonderbar vor, dass ich in regelmäßigen Abständen meine Hand durch die Klappe stecken muss, wo jemand offenbar die Dicke meines Zeigefingers misst, gefolgt von zufriedenem Kichern: "Iss mein Kleiner, iss nur, damit du schön groß und stark wirst."

Nun, wer bin ich, mir Gedanken über niederösterreichische Sitten zu machen? Trotzdem ist es hier irgendwie merkwürdig …

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Mein Besuch beim Fritzl-Haus: Eine Foto-Story

Aus geschäftlichen Gründen (ui, wie wichtig das klingt)  war ich letzte Woche in Amstetten. Und natürlich konnte ich nicht anders und musste auf eine kurze Exkursion zur einzigen Sehenswürdigkeit dieser grauen, kleinen Stadt – zum Haus von Josef Fritzl. Hätte ich das verabsäumt, wäre es in etwa so, wie wenn ich nach London führe und mir nicht einmal den Tower ansähe …

Nach etwas Google-Recherche hatte ich auch die genaue Adresse – nämlich Ybbsstraße 40 – herausgefunden und konnte feststellen, dass das berühmteste Grundstück Niederösterreichs nur wenige Gehminuten von meinem Hotel entfernt war. In einer freien Viertelstunde machte ich mich also auf und strolchte mit dem geborgten Fotoapparat durch die farblosen Gassen von Amstetten.

Auffällig war, dass die Amstettener offenbar mit aller Macht versuchen, die schlimmen Erinnerungen an die grausige Tat von Josef F. abzuschütteln. Allerorts strahlen einem gezwungen fröhliche Plakate entgegen und es wimmelt nur so von Einladungen zu aufheiternden Events. Das alles offenbar ohne Erfolg, denn der durchschnittliche Amstettener geht allein, bedrückt und abweisend, mit gesenktem Kopf und mit hochgeschlagenem Mantelkragen. Ausnahme bilden auch hier mal wieder unsere türkischen Klischee-Mitbürger, die sich zu Dutzenden vor einem türkischen Café herumtrieben und genauso scheiße aussahen wie überall sonst auch.

Schnell war klar, warum niemandem in Amstetten die Umtriebigkeit von Fritzl aufgefallen war – offenbar ist es hier nicht weiter ungewöhnlich, Betonklötze ohne jedes Fenster neben die Hauptstraße hinzustellen. Wenn man es mal nüchtern betrachtet, könnte hier in jedem zweiten Haus ein Kerker eingerichtet sein …

Überhaupt ist Amstetten ein sehr düsterer Ort. Ständig hat man Angst, versehentlich in ein Kellerverlies zu stolpern, ich blickte öfter furchterfüllt zurück über meine Schulter als geradeaus. Zur Beruhigung des geneigten Lesers kann ich aber schon jetzt vorwegnehmen: Mein Ausflug ist noch einmal gut gegangen und ich konnte heil nach Hause zurückkehren.

Wie ich schon erwähnte, ist Amstetten ein sehr hässlicher, teils auch baufälliger Ort. Wie zum Hohn konnte ich aber auch einen Hinweis auf eine lokale Baumesse entdecken. Hat Fritzl sich hier die Ideen und die Baumaterialien geholt? Wurde er hier fachgerecht beraten, wie man am besten den Bau eines Kellergefängnisses in Angriff nimmt?

Endlich – ich wäre fast daran vorbeigegangen – war ich in der Ybbsstraße 40 angekommen. Ich war wirklich überrascht, denn das Fritzl-Haus befindet sich tatsächlich praktisch in der Innenstadt, in einer viel befahrenen Straße voller eng gedrängter Geschäfte und Wohnhäuser. An der Vorderfront ist übrigens eine Bäckerei, ich war aber viel zu verstört um mir auch nur ein Brandteigringerl mit Vanillecreme zu genehmigen.

Über eine Seitenstraße kommt man zur Rückseite des Hauses, wo ich auch die Fotos des berühmten grauen Klotzes schießen konnte. Wie man übrigens gut darauf erkennen kann, gibt es auch ein Fritzl-Wohnmobil, über das man in den Medien sonst noch nichts gehört hat. Vermutlich, weil der teuflische Kerkermeister sein zweifellos dort installiertes fahrbares Verlies so gut versteckt hat, dass es von den Spezialisten bis dato noch nicht gefunden wurde.

Josef F. residiert offiziell offenbar nicht mehr in seinem selbstgebauten Anwesen – zumindest gibt der Briefkasten keinerlei Hinweise darauf. Würde man das Haus nicht aus allen Medien kennen, würde einem außer der ausgesprochenen Hässlichkeit, die sich aber gut ins Stadtbild von Amstetten einfügt, nichts Besonderes auffallen. Ich hab mich leider nicht getraut nachzusehen, ob die Tür versperrt war – nicht dass sie hinter mir zufällt und ich einige (24?) Jahre ohne Breitbandinternetzugang auskommen muss. Gott bewahre!

Mein Rückweg von der Stätte des Fritzl-Grauens war traurig und bedrückend. Ich konnte mich nicht des Eindrucks erwehren, dass in ganz Amstetten überall Hinweise auf im Untergrund verschollene Menschen wären. Warum nur, warum hat die Polizei nicht diesen gut sichtbaren, einfachen Hilferuf befolgt und einfach mal gegraben?!

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Fritzl war mein 9/11

… denn das änderte alles.

Seit dem Horror-Opa von Amstetten schreckt und wundert mich gar nichts mehr. Da waren selbst die Berichte der spanischen 19-Jährigen , die zwei Monate vom Ex-Freund und dessen Familie (!) im Transformatorenhäuschen gefangen, misshandelt und vergewaltigt wurde, nicht genug, um mich auch nur im geringsten aus dem Halbschlaf zu reißen. Im Gegenteil, mehr als ein "sei froh, hätte auch 144-mal länger dauern können" kam mir gar nicht in den Sinn.

Fritzl hat die Latte verdammt hoch gelegt.

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Schickt unsere Kinder in die Keller

Sonntag Abend hab ich halbschlafend die Im-Zentrum-Diskussion rund um den Fall von Inzest-Fritzl verfolgt. Neben einem überraschten Aufschrei meiner Gefährtin, die eine ihrer Professorinnen in der Runde entdeckte, weckte mich vor allem die Aussage eines der mitredenden Herren auf:

Der (ich weiß leider weder Name noch Funktion) hat nämlich wiederholt betont, wie ausgesprochen höflich , zuvorkommend und freundlich die eingesperrten Kinder von Fritzl und seiner Tochter seien. Oha, dachte ich mir, das ist ja eine interessante Parallele mit Natascha Kampusch, die ja meines Erachtens nach doch sehr höflich und "wohlerzogen" ist.

Da stelle ich doch unvermeidlich fest, dass es den Kindern offensichtlich, im Bezug auf diese Form der "Erziehung" (dieses Wort deshalb, weil ich an "wohlerzogen" denke) äußerst gut tut, solcherart von der Gesellschaft abgeschottet zu sein!? Offensichtlich hat das Fernsehen doch keinen so schlechten Einfluss auf Kinder, wie gemeinhin angenommen wird: Die Sprache entwickelt sich gepflegt und vornehm (Tascherl ist da sicher das beste Beispiel), das ganze Wesen wird höflich, zuvorkommend und wirkt dadurch viel intelligenter als das übliche Jugendgesocks der Generation Porno , das ausschließlich mit Bravos und selbstgedrehten Gewalt- und/oder Sexfilmen am Handy aufwächst.

Wobei natürlich jeder Elternteil für sich abwägen muss, ob sich diese positive Entwicklung mit all den psychologischen Langzeitschäden vereinbaren lässt ;) – aber ernsthaft: Ich finde das ist doch ein sehr interessanter, neuer Blickwinkel auf die Schauergeschichten aus Niederösterreich.

ps: Außerdem ist mir aufgefallen, dass das Wort "Kellerkind" nun für immer verbrannt ist und daher genauso in das Buch der verbotenen Wörter gehört wie zB "Führer" oder "Propaganda". Aber das ist eine andere Geschichte.

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