Leseempfehlung: Arbeiten bei Goldman Sachs

Normalerweise teile ich lesenswerte Links nur über Twitter oder Facebook, der folgende Beitrag ist aber gut geschrieben und außergewöhnlich empfehlenswert.

Ein ehemaliger Mitarbeiter von Goldman Sachs beschreibt, wie es sich anfühlt, dort zu arbeiten. Und warum all das viele, viele, viele Geld, das man dort verdient, es nicht wert ist. Spiegelt genau meine Meinung und mein Gefühl von Goldman Sachs im Speziellen und der Finanzbranche im Allgemeinen wieder. Also, lesen, ist die paar Minuten Zeitaufwand zur Lektüre allemal wert:

Why founding a three person startup with zero revenue is better than working for Goldman Sachs

The average salary at Goldman Sachs in 2005 was $521,000, and that’s counting each and every trader, salesperson, investment banker, secretary, mail boy, shoe shine, and window cleaner on the payroll. In 2006, it was more like $633,000.

Wall Street is inward-looking and all-consuming. There exists nothing beyond the money game, and nothing that can’t be quantified into dollars and cents.

Meine Zukunftsvorsorge

Alt werde ich. Der Körper spielt schon lange nicht mehr mit und die Pension ist schon fast in greifbarer Nähe; nur mehr knapp zehn Mal so lange arbeiten wie bisher, dann geht es ab in den wohlverdienten Ruhestand.

Selbstredend macht man sich da mit zunehmendem Alter Sorgen über die Zukunft. Werde ich, wenn ich mal nicht mehr meine 80 Wochenstunden arbeiten kann, noch genug Geld haben für meine teuren Hobbies? Oder werde ich etwa einmal auf die Unterstützung durch andere Menschen angewiesen sein, gar auf die meiner Kinder? Undenkbar.

Der kluge Mann baut dementsprechend vor für den Lebensabend. Vor ein paar Jahren wurden die klassischen drei Säulen der Vorsorge in den Himmel gelobt, seit es nun doch wieder Finanzkrisen gibt, ist es aber ein bisschen stiller geworden um das altbekannte Triumvirat:

  • Staatliche Pension: Yeah, I lol’d. Wer glaubt schon noch an den Weihnachtsmann?
  • Betriebliche Vorsorge: Was, bitte, soll das sein?
  • Private Vorsorge: Pah! 90 Prozent Minus auf meinem Aktiendepot und eine Inflation, die höher ist als jeder Zinssatz auf Sparbücher sprechen eine eindeutige Sprache.

Damit gewinnt man also keinen Pfifferling. Daher habe ich eine neue, ausgefeilte Strategie zur Zukunftsvorsorge entwickelt, mit denen ich der restlichen Herde an Lemmingen entkommen kann:

  • Gemischtes Portfolio an Lotto- und Euromillionen-Tipps. Je nach wirtschaftlicher Lage mal mit, mal ohne Joker. In Zeiten von zusammenbrechenden Volkswirtschaften sicherer als jede andere Geldanlage.
  • Ansammlung von Gamerscore und Achievements. Sicherheitshalber gut diversifiziert über Steam und Xbox Live, sowie einer breiten Anzahl von Spielen unterschiedlicher Genres. Gamerscore wird unausweichlich mal sein Gewicht in Gold wert.
  • Möglichst ungesunder Lebenswandel. Viel Alkohol und Essen, wenig Schlaf und Sport, gemischt mit einer gewissen genetischen Veranlagung sollte das Problem des unsicheren Ruhestandes ebenfalls lösen.

Wo wohnen?

In drei Monaten ziehe ich also aus meiner Wohnung aus – früher war das noch "unsere", seit einigen Wochen wohne ich aber allein. Das ist auch schön so, ich wohne gern allein; problematisch ist jedoch, dass die Wohnung zu groß für einen allein ist, vor allem für mein schmales Portmonnaie. Wohin also als nächstes?

Günstigere Mietwohnung? Die Variante für Erwachsene, gerade deswegen vielleicht nicht optimal für mich geeignet. Finanziell auch eine größere Hürde, sehr schwierig ist vor allem aber, die richtige zu finden in Linz. Wohnung mein' ich.

Wohnung kaufen? Zu früh, zu viel Verantwortung, zu teuer, zu endgültig.

WG? All meinen früheren Erfahrungen zum Trotz ziehe ich auch wieder eine Wohngemeinschaft in Betracht, dieses Konzept steht und fällt aber mit den richtigen Mitbewohnern. Der gute W. wäre grundsätzlich zwar ganz gut geeignet und selber grad auf der Suche1, scheidet aber leider wegen akuten Haarproblemen (weniger seine als die seiner Katzenungetüme) aus. Und andere vertretbare Mitbewohner sind nicht zu sehen am Horizont. Dabei ließe sich zu dritt ein sehr schönes Domizil finanzieren.

Zurück zu den Eltern? Durchaus denkbar – für das Geldbörserl sicherlich die größte Wohltat. Platz wär auch mehr als genug, nur ist die Lage des heimatlichen Elternhauses suboptimal, denn ich wäre praktisch von meinem Leben abgeschnitten; und fürs Pendeln hab ich kaum die nötige Ausgeglichenheit. Außerdem würde das, wie mir heute schon von G. vorgeworfen wurde, das Klischee des Computerfritzn im KellerDachboden von Muttern perfekt machen.

Studentenheim? Das kristallisiert sich tatsächlich immer mehr als die beste Zwischenlösung heraus. Billig und sorglos in einem gemütlichen Winz-Zimmerchen wohnen (Putzfrau inklusive, eventuell sogar das Essen). Es gäbe auch das eine oder andere Heim in akzeptabler Nähe zur Innenstadt. Möglicherweise hab ich aber nicht mehr die Geduld und Muße, mich mit überlauten, ausufernden Nachbarn herumzuärgern, mit unfreundlichen Putzfrauen oder beischlafsfeindlichen Besuchsregeln.

Weiß irgendjemand ein Plätzchen für mich?

1 Hat mir aber Beziehungen und Empfehlungsschreiben voraus.

Keine Reue

Obama sagt es, ich sag es auch: Die Finanzwirtschaft der Welt zeigt keine Reue. Trotz der Krise (Unwort des Jahres), die sie durch ihre grenzenlose Gier verursacht haben, machen die großen und kleinen Finanzunternehmen so weiter wie vorher. Noch ist nichts ausgestanden und schon wird an der nächsten Blase gearbeitet. Und nicht zuletzt 18 Milliarden Dollar an Prämien (vom Basisgehalt, das an sich schon heillos übertrieben und ungerechtfertigt genug wäre, ist gar nicht die Rede) ausgezahlt – alleine an der Wall Street.

Ganz kurz hat es zwischendurch so ausgesehen, als ob sich vielleicht doch etwas ändern würde: Als Lehmann Brothers so mir nichts, dir nichts, quasi über Nacht, “verschwand”, wurde es plötzlich ganz ruhig. Dann ist aber schnell der Staat eingesprungen und hat der Branche, die sich dies alles selbst eingebrockt hatte, prompt die Suppe ausgelöffelt.

Vermutlich hat niemand eine Ahnung, was wirklich passiert wäre, hätte es keine staatlichen Hilfen gegeben. Wahrscheinlich wären noch ein paar (Finanz)unternehmen den Bach hinuntergegangen, hätten noch ein paar gierige Anzugträger mehr, plötzlich ganz leise, eine Schachtel mit übrig gebliebenen Büroutensilien am Porsche vorbei in das heillos überteuerte Luxusappartement an der Park Avenue tragen müssen. Sicher hätte es dann aber ein Umdenken gegeben.

Aber so wurde der Branche nur gezeigt, dass die Gesellschaft offenbar sowieso alles tut, damit ihr (der Branche) nichts passiert. Unter solchen Voraussetzungen würde auch ich wahnwitzige Risiken eingehen und dem unsicheren, aber schnellen Geld nach jagen – schließlich wartet prompt ein Sicherheitsnetz am Ende der Fahnenstange.

Jetzt müssen wir bis zur nächsten Krise warten, damit sich dann vielleicht doch etwas ändert. Und damit wir nicht vergessen, sicherheitshalber gleich eine Notiz an der Kühlschranktür kleben: “Wenn den Finanzinstituten wieder einmal der Dreck bis zum Hals steht, nicht mehr helfen! Sondern die undankbaren, gierigen, selbstverliebten Geldsäcke in der eigenen Scheiße ersaufen lassen!

Zur Lage der Finanzen

Auch ich habe schon mächtig durch die aktuelle Finanzkrise verloren (mein Aktienpaket steht irgendwo im Bereich von -90 Prozent), doch ich verspüre doch eine Art von Genugtuung über die aktuellen Korrekturen am Markt. Man muss sich nur mal das Chart des Dow Jones von 1930 bis heute ansehen (die gestrichelten Linien sind von mir):

Dow Jones

Schon auf den ersten Blick sieht man, dass da spätestens seit 1995 irgendwas nicht so ganz stimmen kann. Keine Wirtschaft, kein Unternehmen kann in einer Weise wachsen, wie es die Aktienkurse getan haben. Und Aktien sind nun mal nicht mehr als Anteilszertifikate, die zumindest ungefähr den Wert eines Unternehmens abbilden sollten.

Geht man vom langjährigen Wachstum vor 1985 aus (orange Linie), müsste der Dow Jones weit unter den heutigen Kursen liegen. Selbst beim optimistischeren Wachstum von 1985 bis 1995 (grüne Linie) könnte die Korrektur noch ein Stückchen weiter gehen. Natürlich sind meine Linie nur sehr grob hineingeklatscht, aber eine Idee von "realistischen" Kursen sollten sie trotzdem geben.

Irgendwann ab spätestens 1995 scheint aus der Börse ein Haufen geworden zu sein, der nicht mehr vom ehrlichen Wachstum der Wirtschaft und der Unternehmen profitieren, sondern einfach nur mehr durch irreale Spekulationen soviel Geld wie nur irgend möglich machen wollte. Die Folgen und die Kosten für andere hat jeder tunlichst ignoriert, es ging nur darum, die eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen. Niemand wollte genug haben.

Und jetzt haben die Investmentbanker und wie diese ganzen Berufsbezeichnungen alle heißen die Kuh so lange brutalst gemolken, dass sie zusammengebrochen ist und kein Muh mehr von sich gibt. Erinnert mich an Fälle, wo in Goldminen gierig so lange gegraben wurde, bis der Berg ein Stückchen zuviel ausgehöhlt war und über den Köpfen der Arbeiter zusammengebrochen ist.

Und daher vergönne ich es den Investmentbankern und Konsorten, dass sie jetzt vor den Trümmern ihres Systems stehen. Zwar leidet mal wieder der "kleine Mann" in Form von steuerlich finanzierten staatlichen Nothilfen und in Form von vernichteten Rentenfonds, aber vielleicht ändert sich dadurch mal wirklich was.

Bildquelle: Yahoo Finance