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Die Qual bei der Wahl

Ich komme soeben frisch vom Kreuzerl-Machen: In meiner heimatlichen Landgemeinde gibt es beim Gemeinderat zwar nicht besonders viel Auswahl – drei Parteien, zwei Bürgermeisterkandidaten, um genau zu sein – es hat sich aber wieder einmal gezeigt, dass die meisten Wähler ihre Stimme nur aus zwei Gründen einer bestimmten Fraktion schenkt:

  1. Weil man es immer schon so gemacht hat.
  2. Weil man dem geringsten Übel den Vorzug gibt.

So scheint Demokratie zu funktionieren, seit ich mich erinnern kann. Man wählt nicht jene Partei, der man am meisten zustimmt, sondern gegen die man am wenigsten ist.

Ich schlage daher eine tiefgreifende Änderung des Wahlsystems vor: Statt den bisherigen altbekannten Positivstimmen vergibt man lieber Negativstimmen – markiert also jene Partei, die man am allerwenigsten wiedersehen möchte. Die Fraktion mit den wenigsten Negativstimmen bekommt schlussendlich die meisten Mandante.

Das würde doch viel besser der derzeitigen Politikmüdigkeit und Frustration mit dem System entsprechen. Damit wird viel klarer unterstrichen, dass man eigentlich mit keiner der zur Wahl stehenden Parteien so recht sympathisiert, aber dass man halt die am wenigsten schlimm scheinende Alternative wählt.

Grade im Wahlkampf zum oberösterreichischen Landtag erkennt man schon eine ähnliche Linie: Die ÖVP bittet um Stimmen, mit dem Argument, dass es sonst zu einem Landeshauptmann Ing. Erich Haider kommen könnte – übrigens, wie ich glaube, eine sehr wirksame Vorgangsweise. Jedenfalls könnte man dies mit einem Wahlsystem der Negativstimmen viel besser abbilden und vermutlich auch gleich den Wahlkampf interessanter gestalten.

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Europawahl ‘09

Am Freitag vor Muttertag hat mich ein ÖVP-Wahlhelfer vor dem lokalen Billa abgefangen und mich mithilfe eines Flyers, eines Kugelschreibers und eines klitzekleinen Gläschens Marmelade bestochen, Europawählen zu gehen. “Egal was”, hat er gesagt, “Hauptsach, Sie gehn wählen.”

Eine löbliche Einstellung! Dank meiner stetig zunehmenden Politikmüdigkeit, nicht zuletzt verstärkt durch die pure Dummheit des oberösterreichischen Landtags, hat mich die Europawahl bisher herzlich wenig interessiert – das Döschen Konfitüre hat mich aber sofort umgedreht. Internetgläubig wie ich bin habe ich mich dann zwecks Entscheidungsfindung prompt hilfesuchend an Wahlkabine.at gewendet:

Wahlkabine

Was für ein Reinfall. Bevor ich mich mit den Dumpfnasen Faymann und Haider solidarisch erkläre, bleib ich am Wahltag lieber daheim. Ja, ich weiß schon, dass die beiden nicht zur Europawahl anstehen, aber die Genossen gehören halt zum selben Verein, der sich wiederholt disqualifiziert (hat). Sämtliche Alternativen sind zwar auch alles andere als unbedenklich wählbar, aber die Wahlempfehlung der Wahlkabine hat mich schon gehörig verstört.

In Ermangelung einer österreichischen Alternative (kennt jemand eine?) hab ich mich dann noch an den deutschen Wahlomat gewandt – nur mal so zum Vergleich:

Wahlomat

Jetzt kenne ich mich in der deutschen Politszene ja nicht sonderlich gut aus. So ist mir peinlicherweise bis heute der Unterschied zwischen CDU und CSU nicht ganz klar – offenbar ist er aber ein großer. Aber auch beim Wahlomat sind die Sozialisten gefährlich weit oben, das noch bessere Abschneiden der Rentner schmeichelt aber meiner erzreaktionären Seele.

Sowohl bei der Wahlkabine als auch beim Wahlomaten vermisse ich einen Bezug zu den aktuell heiß umkämpften Themen Internetsperren und Urheberrechtsgesetze, zu denen ich sowohl in technischer als auch gesellschaftlicher Hinsicht eine sehr eindeutige Meinung zu bieten hätte. Aber auch zum Beispiel folgende Fragestellungen gingen mir ab:

  • Sind Sie dafür, auch weiterhin mit beiden Händen Geld in ein Pensionssystem zu stecken, von dem Sie selber nie etwas sehen werden? Wie verhält es sich mit einem Gesundheitssystem, von dem Sie wie ein nichtsnutziger, unwürdiger Bittsteller behandelt werden?
  • Darf die ÖBB weiter Geld verspekulieren, das sie eigentlich gar nicht hat, und sich im Ausgleich – dem Monopol sei’s gedankt – an der Bevölkerung fahrpreislich gütlich halten?
  • Soll sich die EU ähnlich wie die USA verhalten und mithilfe horrender Staatsschulden Unternehmen stützen, die durch die eigene kurzsichtige Gier schon lange komatös gehirntot sind?
  • Befürworten Sie NATO-Einsätze, um die Einhaltung der Nichtraucherschutzgesetze zu sichern?

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Zitat aus der NZZ

„Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ):

Haider war ein skrupelloser, aggressiver Populist, der die österreichische Seele zielsicher erfasste, den moralischen Zwiespalt der Kriegsgeneration, das wehleidige Sichverschanzen in der Opferrolle, den tief verwurzelten Antisemitismus, die Furcht vor dem Fremden, die Ressentiments der Provinz gegen das ferne, mächtige Wien. Ende der Neunzigerjahre und wiederum im Wahlkampf dieses Sommers kanalisierte er erfolgreich den Unmut über Erstarrung und Unfähigkeit der jeweiligen großen Koalitionen. Er beherrschte die Kunst, voll auf sein Gegenüber einzugehen, egal, ob dies ein Politiker oder eine Marktfrau war. Haider wurde zur Identifikationsfigur der kleinen Leute, der Zukurzgekommenen. Sie dankten es ihm, indem sie ihm zu Lebzeiten wie einem Erlöser huldigten. Nach seinem Tod verehren sie ihn wie einen Märtyrer …

Hams euch ins Hirn gschissen, liebe Schweizer?! Kehrt lieber mal vor der eigenen Haustür – darf ich euch an euren Haider-Nachbau Christoph Blocher erinnern, bevor ihr da frech zu uns rübermeldet. Wie gut muss man sich denn vorkommen, um sowas in einer großen Zeitung zu schreiben?

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NextGen buzzwords: NS-Beschäftigungspolitik, Führer …

Und schon wieder hat sich ein FPÖ-Abgeordneter zu den Vorteilen der NS-Zeit geäußert. Ganz egal wie man jetzt zu Zangers Aussage im Besonderen oder zum Nationalsozialismus im Allgemeinen steht, eines muss dem mündigen Leser doch auffallen: Es kann doch kein Zufall sein, dass immer wieder hochstehende Politiker mit solchgestaltigen Aussagen von sich reden machen. Das gibts ja gar nicht dass sich ständig irgendwelche in der Öffentlichkeit stehenden Menschen derart "verplappern". Mittlerweile muss doch selbst dem letzten Bergbauern, der seit den Vierzigerjahren weder Fernsehen geschaut noch Radio gehört oder Zeitung gelesen hat, klar sein, dass man so was einfach nicht sagt, weils sowieso rauf und runter geht in den Medien und zum handfesten Skandal aufgeblasen wird, ganz egal wie vorsichtig man sich ausdrückt (und gerade der Herr Zanger hat eigentlich nichts gesagt, an dem man so massiven Anstoß nehmen könnte). Und nachdem die Damen und Herren bei FPÖ, BZÖ und Konsorten zwar Vollidioten sind, aber nicht dumm, haben die das sicher auch schon lange geschnallt.

Bleiben also zwei Gründe, warum ein debutierender FPÖ-Abgeordneter so eine Aussage tätigen könnte und damit anscheinend sehenden Auge ins Verderben rennt:

  1. Eine ziemlich offensichtlicher Grund ist der, dass jene Menschen einfach Publicity wollen oder brauchen, ganz nach dem alten Hollywood Motto "Jede Publicity ist gute Publicity". Drum sagt man halt was, das wie geplant zum Skandal mutiert und steht dafür für ein paar Wochen im Rampenlicht und auf Titelblättern. Einfach, aber wirkungsvoll, und man ist für die nächsten Jahre Herr und Frau Österreicher ein Begriff. Gerade für Politk-Neulinge empfehlenswert.

  2. Eine andere Erklärung, die für mich übrigens wesentlich plausibler ist, ist jene, dass es innerhalb der FPÖ eine Bande gibt, in die man nur reinkommt, wenn man eine Mutprobe besteht. Ich stell mir das dann in etwa so vor:

    (Ein paar hohe FPÖ-Tiere und Abgeordnete sitzen Abends bei Bier und Stammtisch)
    H.-C. Strache (schon gut drauf nach dem fünften Bier): Burschn, i mog eich. Supa Wahl hamma wieder ghabt letztens, so taugt mir des.
    Hans Weixelbaum: Geh Heinzi, ohne di hättma des nie gschafft, du schaust jo nu fescher aus ois da Haider in de Ochtzgerjohr.
    Wolfgang Zanger: Recht host, Hons. Heinzi, du host es afoch drauf! A wonnst immer nu a weng zfü vom Führer redst, woaßt jo eh genau dass ma des ned tuat und dass dann die Turnher und ihre Spezis immer gonz spitzohrat werdn.
    Heinzi: Ha Woifi, bist leicht feig?
    Hons (imitiert eine aufgeregte Henne): *gacker* gacker*
    (Ein paar Minuten später trinkt Zanger noch einen Schnaps, ruft beim ORF an und vereinbart ein Interview)

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My new Job (2)

Noch immer bin ich auf der Suche nach Lebensinhalt:

Geliebtes Tagebuch,

durch meine schlechten Erfahrungen im Schienenersatzersatzverkehr habe ich sonniges Gemüt mich natürlich nicht unterkriegen lassen, sondern prompt die nächste Verdienstmöglichkeit ausprobiert: Geliebtes Tagebuch, ich bin jetzt Double für Prominente.

Ursprünglich hätte ich mich auf aktuelle Persönlichkeiten spezialisiert, die nicht nur nach gutem Aussehen, sondern auch nach schauspielerischem Können und charakterlichen Spezialitäten verlangen. Nach einigen Tagen aber, während denen ich in Guantanamo Bay von der CIA Kost und Logis empfing, habe ich meine Karrierepläne als Ayman Al-Zawahiri, Ali Atwa und Abdelkarim Hussein Mohamed Al-Nasser wieder aufgegeben – enttäuscht, dass die Verhörspezialisten sich nicht von mir als Double haben überzeugen lassen und so schnell meine wahre Identität entdeckten, bin ich künftig als Double für bekannte Altnazis zu buchen:

Besonders drei Prominente haben es mir besonders angetan, wohl auch deshalb, weil ich geradezu prädestiniert bin, diese zu doubeln: Benito Mussolini (wegen des verächtlichen, überlegenen Blicks), der späte Hermann Göring (wegen der schönen Wampe) und Jörg Haider (wegen des sensationell guten Aussehens). Wenn sie einen dieser Nazis der ersten Stunde für Ihren Kindergeburtstag, Ihren Hochzeitstag oder Altersheimfasching buchen möchten, können Sie mich Tag und Nacht unter 555 – 123 HEIL erreichen.

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