My new Job (2)

Noch immer bin ich auf der Suche nach Lebensinhalt:

Geliebtes Tagebuch,

durch meine schlechten Erfahrungen im Schienenersatzersatzverkehr habe ich sonniges Gemüt mich natürlich nicht unterkriegen lassen, sondern prompt die nächste Verdienstmöglichkeit ausprobiert: Geliebtes Tagebuch, ich bin jetzt Double für Prominente.

Ursprünglich hätte ich mich auf aktuelle Persönlichkeiten spezialisiert, die nicht nur nach gutem Aussehen, sondern auch nach schauspielerischem Können und charakterlichen Spezialitäten verlangen. Nach einigen Tagen aber, während denen ich in Guantanamo Bay von der CIA Kost und Logis empfing, habe ich meine Karrierepläne als Ayman Al-Zawahiri, Ali Atwa und Abdelkarim Hussein Mohamed Al-Nasser wieder aufgegeben – enttäuscht, dass die Verhörspezialisten sich nicht von mir als Double haben überzeugen lassen und so schnell meine wahre Identität entdeckten, bin ich künftig als Double für bekannte Altnazis zu buchen:

Besonders drei Prominente haben es mir besonders angetan, wohl auch deshalb, weil ich geradezu prädestiniert bin, diese zu doubeln: Benito Mussolini (wegen des verächtlichen, überlegenen Blicks), der späte Hermann Göring (wegen der schönen Wampe) und Jörg Haider (wegen des sensationell guten Aussehens). Wenn sie einen dieser Nazis der ersten Stunde für Ihren Kindergeburtstag, Ihren Hochzeitstag oder Altersheimfasching buchen möchten, können Sie mich Tag und Nacht unter 555 – 123 HEIL erreichen.

Kunst

“Mit großer Sorge” (Zitat Dr. Thomas K.) musste das österreichische Volk vor knapp drei Jahren mitansehen, wie die Saliera aus demKunsthistorischen Museum in Wien verschwand. Wie schon Grillparzer wusste – unverhofft kommt oft – tauchte sie jetzt völlig überraschend in einem niederösterreichischen Wald wieder auf. Vergraben von einem Möchtegern Thomas Crown, leicht beschädigt wegen unsachgemäßer Behandlung. Selbstverständlich müssen dem Dieb sämtliche Strafen erlassen werden, war er doch betrunken und hat er das unbezahlbare Kunstwerk doch auch nur ein bisschen zerkratzt …

Grund zu überschwänglicher Freude sollte man meinen, wäre da nicht jenes nationale Waterloo, welches sich durch den Rückgabeentschluss des Schiedsgerichtes zu den Klimt-Bilder manifestierte. Österreich ohne Klimt, das wäre ja wie die Schweiz ohne Matterhorn, London ohne Towerbridge oder Ursula Haubner ohne Jörg Haider.

Was liegt da näher als das derartig malträtierte österreichische Nationalbewusstsein, noch dazu im Wahljahr 2006, durch den Rückkauf der Klimt-Werke wieder herzustellen? Einziges Problem hierbei: Die leidige Kohle. Das fiel selbst unserer verehrten Frau Bundesministerin für Unterricht und Kunst, Liesl Gehrer, auf. “Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld?” wurde die Ministerin im Staatsfunk Ö3 zitiert. Saxxens Blog (R) sowie der Ghostwriter geben an dieser Stelle der österreichischen Bundesregierung Hilfestellung, wie die kolportierten 220 Mio. Euro aufgetrieben werden können:

  • Börsegang der Post: Durch die gleichzeitige Zweckwidmung des Privatisierungserlöses zu Gunsten des Rückkaufs der Klimt-Bilder könnte man so jeden Privatisierungsgegner als Kunstbanausen brandmarken und so das Projekt auf jeden Fall durchpeitschen.
  • Rasen für den guten Zweck: 160 künftig nicht nur als Tempolimit auf allen österreichischen Autobahnen, sondern auch als grundsätzlich vorgeschriebeneFahrgeschwindigkeit, um so, wie unser Bundesminister fürInfrastruktur, Hubsi Gorbach, versichert, die Verkehrssicherheit zu erhöhen. All jene Sonntagsfahrer, die glauben, sie müssten mit schlappen 140 Sachen den Verkehr aufhalten und so die Verkehrssicherheit gefährden, müssen gnadenlos abkassiert werden. Natürlich zweckgebunden, zum Ankauf der Klimt-Werke.
  • Versteigerung der ausgemusterten Saab Draken bei ebay: Um den Erlös zu maximieren könnte der zuständige Minister Hubsi Gorbach Kraft seines Amtes ein Zertifikat ausstellen, welches bescheinigt, dass sämtliche Draken 1987 vom Papst, formerly known as Kardinal Ratzinger, angekauft wurden. Der Pontifex Maximus könnte unmöglich gegen dieses “gefuchste” Vorgehen der Republik protestieren, kommen die Erlöse doch dem Rückkauf der Klimt-Bilder zugute.
  • Keine neuen zweisprachigen Ortstafeln für die betroffenen elf Kärntner Gemeinden: Durch die so erzielten Einsparungen von rund 50 Mio. Euro (Quelle: Kärntner Landesregierung) könnte immerhin schon fast ein Viertel des Kaufpreises finanziert werden.

So, geneigter Leser und bezaubernde Leserin, nun bist du gefragt. Bitte zerbrich dir Kopf und überlege, wie wir Adele Bloch-Bauer, die Häuser in Unterach am Attersee und Co im Lande behalten können. Sachdienliche Hinweise bitte an Liesl Gehrer (ministerium@bmbwk.gv.at) richten.