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Missverstanden

Die Piraten an Afrikas Nordküste fühlen sich offenbar missverstanden, denn, so sagen sie , entführen sie Schiffe nicht wegen ihrer selbst oder deren Ladung, sondern sind nur am Lösegeld interessiert. Und überhaupt sei zu kapern für sie ein Weg, ihre Gewässer vor Verschmutzung zu schützen.

Wunderbarer PR-Schachzug! Das ist aber auch schon anderen eingefallen:

  • China unterdrückt die Presse, um die eigene brave Bevölkerung nicht in Berührung mit dem imperialistischen, menschenverachtenden Gedankengut des Westens zu bringen.
  • Faymann verspricht vor der Wahl das Blaue vom Himmel, weil er wirklich daran glaubt, dass dies möglich und gut für Österreich wäre.

Es könnte aber noch weiter gehen, man muss es nur richtig rüberbringen:

  • Bushs Feldzug hatte zum Hauptziel, der darbenden weltweiten Waffenindustrie unter die Arme zu greifen und so ehrlichen, hart arbeitenden Amerikanern ihren Job zu bewahren.
  • Hitlers Holocaust diente nur dazu, eine Überbevölkerung im bald entstehenden Staat Israel zu verhindern.

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Meine Tourismuswerbung 2009

Das Tourismusland Österreich sollte sich viel mehr an seine ereignisreiche Geschichte besinnen und so noch mehr Interesse und folglich zahlungskräftige Besucher generieren. Mir schweben dabei Slogans vor wie:

Kommen Sie nach Braunau und besuchen Sie das Geburtshaus von Adolf Hitler! Spielen Sie selbst in einer faszinierenden Woche voller Demütigung, Prügel und abnormaler Mutterliebe nach, wie der Führer seine Kindheit erlebte.

Besuchen Sie Wien – nur hier wurden in zwei Türkenkriegen die teuflischen Janitscharen aus dem Osten zu Tausenden von Kanonen, Pest und Hunger dahingerafft!

Linz ist Kulturhauptstand 2009 – nicht umsonst die Lieblingsstadt des Führers.

Niederösterreich – der Londoner Dungeon ist nichts dagegen! Auch Sie selbst können jetzt in einem der zahllosen garantiert authentischen Kellergefängnisse ein paar beschwerliche Minuten erleben.

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Stauffenberg war kein Held

Angefacht durch den neuen Tom-Cruise-Film Valkyrie hört, sieht und liest man dieser Tage ständig vom Mordanschlag auf Adolf Hitler durch den Grafen von Stauffenberg. Nun, auch auf die Gefahr hin, dass ich so etwas wie Blasphemie betreibe: Stauffenberg war sicher kein Held, der noch heute ob seines seines missglückten Anschlags auf den Führer zu verehren ist.

Claus Schenk Graf von Stauffenberg war aber etwas anderes: Soldat. Im Gegensatz zu Hitler, der die unabwendbare Niederlage nicht sah oder sehen wollte, war es Stauffenberg und vielen seiner Freunde aus dem Offizierskasino im Sommer 1944 schon lange klar, dass der Krieg unmöglich noch gewonnen werden konnte. Gerade erst hatten die Allierten durch die Operation Overlord eine neue Front im Westen eröffnet und auch der durch den Westen stark unterstützte Ivan Russe war auf dem Vormarsch.

Wollte Deutschland vor der vollständigen Zerbombung und die Wehrmacht vor der totalen Vernichtung gerettet werden, musste etwas unternommen werden – da waren sich jene Generäle, die mit dem Putsch liebäugelten, einig. Der Anschlag auf Hitler, der damals wie heute die zentrale Figur der nationalsozialistischen Regierung des Großdeutschen Reiches darstellte, war alleine durch den Trieb zur Selbsterhaltung motiviert. Und es ging nicht, wie es der Opus um den tragischen Helden Stauffenberg immer wieder vorschwärmt, um die Befreiung Deutschlands vom personifizierten Bösen.

Stauffenberg war viele Jahre lang treuer, willfähriger Offizier der Wehrmacht gewesen. Warum sollte er jetzt plötzlich zu der Meinung kommen, dass Hitler beseitigt gehöre? Warum hatte er nicht schon vor Jahren eine der zahllosen Möglichkeiten genutzt, um den Führer ein für alle mal zu beseitigen?

Natürlich wäre ein erfolgreicher Mord und Putsch (und eine darauffolgende Kapitulation) eine sehr gute Sache für Deutschland gewesen – man hätte Millionen Leben retten können und sehr viel Deutschland wäre weitgehend intakt geblieben. Stauffenberg und seine Mitverschwörer jetzt aber zu Helden hochzustilisieren, die sich allein gegen den Teufel Hitler gestellt haben, ist aber sicher nicht richtig. Sie hatten nur eine Motivation: Welchen Sinn haben Generäle und Stabsoffiziere, wenn die Armee, die es zu befehlen gilt, zerschossen, überrannt und vernichtet wurde?

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H(e)i(l)

Heute hat mich der Gedanke nach dem Ursprung der englischen (oder besser angloamerikanischen) Begrüßung "Hi" nicht los gelassen. Die naheliegendste Vermutung ist natürlich die, dass es eine typisch amerikanische Abkürzung von "Hello" oder gar von "How are you?" wäre.

Dabei ist es ganz einfach: "Hi" ist offensichtlich eine Abkürzung von "Heil" beziehungsweise "Heil Hitler". Wieder ein Fetzen Deutsch, der es ins Englische geschafft hat.

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Wir und unser seltsamer Umgang mit dem Führer

Dass ein Madame Tussauds in Berlin eröffnete (nach London und Amsterdam erst die dritte Filiale der englischen Wachsler in Europa), war den einschlägigen Medien kaum eine müde Notiz auf der Kulturseite wert. Dass jemand erbost die Wachsfigur von Hitler enthauptete und dabei zwei Wachmänner über den Haufen rannte, wird in aller skandallüsternder Ausführlichkeit rauf und runter berichtet.

Ein Grund für mich, mich einmal mehr über die Vergangenheitsbewältigung von Deutschland (und Österreich) zu wundern. Adolf Hitler hat ja schon zu seiner Zeit arg die Gemüter erhitzt, dass er aber jetzt, fast 70 Jahre nach dem Höhepunkt des Dritten Reiches, noch immer eine so mystische Figur darstellt, entzieht sich meinem Verständnis. Schon allein das Wort "Hitler" ist so tabuisiert, dass es ein seltsames, "verbotenes" Gefühl auslöst, wenn man es ausspricht – von "Nazi", "Hakenkreuz" und "Führer" ganz zu schweigen.

Einerseits will und darf niemand über diese zentrale mitteleuropäische Vergangenheit reden, aber andererseits interessiert sich jeder brennend dafür – am meisten die, die immer ganz schockiert aussehen, wenn sie wo das Wort "Führer" hören und sei es nur bei der nächsten Firmenwanderung und mit einem "Berg-" davor. Das zeigen schon die regelmäßigen Berichte im Spiegel oder anderen "seriösen" Medien, die von Hitler, seinen Gefährten oder deren Taten handeln. die Artikel stehen war alle unter einem Stern der ernsthaften Vergangenheitsbewältigung, dient aber mal wieder nur dazu, die Auflage zu steigern – mit Erfolg, den Hitler interessiert ja jeden. Wobei wir wieder beim abgerissenen Wachskopf und dessen ungewöhnlich hohen Medienecho wären.

Kinder würden den falschen Eindruck eines "Stars" von Hitler bekommen, wenn man ihn neben all den anderen Celebrities ausstellt, meinen Befürworter des Angriffs. Falsch! Kinder haben jetzt schon den komplett falschen – nämlich unvollständigen – Eindruck von ihm. Um das Phänomen und die Faszination Hitler zu "beschränken" und ihr entgegenzuarbeiten, muss man ihm ein alle Mal das Verbotene und das Mystische nehmen.

Kinder (als auch Erwachsene) sollen in Deutschland und Österreich wieder Hakenkreuze in Film und Fernsehen sehen dürfen – erst dann hat es bei Hauptschülern nicht mehr den aufregenden Hauch des Verbotenen, es versteckt auf Parkbänken einzuritzen. Großeltern sollen davon erzählen dürfen, wie sie einst dem Führer zugejubelt haben – wer kann es ihnen verdenken, 1938 hat die Geschichte noch etwas anders ausgesehen. Hitler soll seinen Status als Oberster Erzbösewicht verlieren und dorthin kommen, wo er realistischerweise hin gehört – nämlich auf eine Ebene mit allen anderen wirklich fiesen Figuren der Geschichte, etwa zu Nero, Stalin, Pol Pot oder Idi Amin.

Erst dann wird das Dritte Reich den Touch der aufregenden Abenteuer-Fantasy-Geschichte voller mystischer Helden wie bei den Tempelrittern oder bei Frodo und Perry Rhodan genommen. Erst dann wird aus der Vergangenheit das was sie ist, nämlich reale Geschichte – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und dann ist es plötzlich gar nicht mehr so aufregend und schockierend, wenn eine der zentralsten Figuren des 20. Jahrhunderts in einem Museum ausgestellt wird.

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