Linz, am 17. Jänner 1901
Liebes Tagebuch,
in der Schule wars heute total blöd. Kevin hat mich schon wieder die ganze Zeit verarscht, und ich glaube, er hat mir sogar aufs Essen gehustet, als ich nicht hingeschaut hab! Apropos: In der Ausspeisung gab es mal wieder zuwenig Pizza für alle, und ich hab nur so grausliche Gemüsesuppe bekommen. Würg!!!!
Beim Turnen in der siebten Stunde bin ich als letzter gewählt worden und hab im Tor stehen müssen. Und ich fürchte, Jessica hat das mitbekommen. Uuurpeinlich :( Ich hab aber sogar einmal den Ball gefangen – ich hoffe, das hat sie auch gesehen.
Ich muss jetzt aufhören, Mama hat mir noch erlaubt, dass ich schnell Facebook schaue darf vor dem Bett. Vielleicht hat mir ja wer auf meinen Status kommentiert *daumendrück*.
Tschau,
dein Adi.
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Saxxileaks
Nicht nur Wikileaks ist berühmt für sein skandalöses Enttarnen, auch RandomInsights (gemeinhin auch unter dem Namen Saxxileaks bekannt) befleißigt sich haarsträubender Aufdeckerei und ebenso dringend notwendigem Whistleblowing. Wikileaks ist zwar (derzeit!) eine Spur prominenter in den Medien vertreten, Saxxileaks besteht aber schon um einige Zeit länger und hat sich über die Jahre einen guten Ruf als sicherer Hafen für anderweitig unerwünschte Informationen gemacht.
Derzeit sind auf Saxxileaks etwa 325 Millionen Dokumente verfügbar, die gnadenlos unethisches Verhalten und Missstände aufdecken, vor allem in Form der Tagebücher.
So ist schon seit langem klar, dass Programmierer P. genau wie Sarkozy ein “Kaiser ohne Kleider” ist, hauptsächlich deshalb, weil er sich strikt weigert, in Anwesenheit von Damen die Hosen oben zu lassen. Dabei ist er, im Gegensatz zu Merkel, alles andere als “unkreativ”, schließlich vermag er die zahllosen Objekte seiner unbändigen Begierde stets mit den magischen Worten “er ist nicht groß, dafür ist er aber auch nicht dick” zu verzaubern.
Programmierer S. wird, dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzei nicht unähnlich, “von Paranoia getrieben”, schließlich hat er Todesangst, dass die weltweiten Vorräte an Alkohol und/oder XBox Live Achievements zur Neige gehen könnten.
Genau so hat Saxxileaks auch bereits vor Jahren darauf hingewiesen, dass Reisegefährte S. ein “Alpha Rüde” erster Klasse ist, von dem auch ein Putin noch einiges lernen könnte. Im Zusammenhang mit ihm fielen auch bereits Worte wie “korrupter Drogenbaron” – ganz im Zeichen eines Horst Seehofers also “unberechenbar”. Wie Österreich blockiert übrigens auch er auch den EU-Beitritt der Türkei, jedoch nur deshalb, weil er grundsätzlich Leberkässemmeln dem Kebab vorzieht.
Besonders umstritten sind jene 983.000 Veröffentlichungen von Saxxileaks, die sich um mich selbst drehen. Im Vergleich zu diesen nehmen sich die amerikanischen Charakterisierungen Berlusconis (“inkompetent, aufgeblasen und ineffektiv”), Nkoana-Mashabanes (“verrückter alter Mann”) oder Ahmadinejads (“Adolf Hitler”) geradezu schmeichelnd aus.
Saxxileaks vertritt aber auch weiterhin unverrückbar den Standpunkt, dass dergestaltige Missstände unbedingt an die Öffentlichkeit gelangen müssen, koste es, was es wolle.
Missverstanden
Die Piraten an Afrikas Nordküste fühlen sich offenbar missverstanden, denn, so sagen sie , entführen sie Schiffe nicht wegen ihrer selbst oder deren Ladung, sondern sind nur am Lösegeld interessiert. Und überhaupt sei zu kapern für sie ein Weg, ihre Gewässer vor Verschmutzung zu schützen.
Wunderbarer PR-Schachzug! Das ist aber auch schon anderen eingefallen:
- China unterdrückt die Presse, um die eigene brave Bevölkerung nicht in Berührung mit dem imperialistischen, menschenverachtenden Gedankengut des Westens zu bringen.
- Faymann verspricht vor der Wahl das Blaue vom Himmel, weil er wirklich daran glaubt, dass dies möglich und gut für Österreich wäre.
Es könnte aber noch weiter gehen, man muss es nur richtig rüberbringen:
- Bushs Feldzug hatte zum Hauptziel, der darbenden weltweiten Waffenindustrie unter die Arme zu greifen und so ehrlichen, hart arbeitenden Amerikanern ihren Job zu bewahren.
- Hitlers Holocaust diente nur dazu, eine Überbevölkerung im bald entstehenden Staat Israel zu verhindern.
Meine Tourismuswerbung 2009
Das Tourismusland Österreich sollte sich viel mehr an seine ereignisreiche Geschichte besinnen und so noch mehr Interesse und folglich zahlungskräftige Besucher generieren. Mir schweben dabei Slogans vor wie:
Kommen Sie nach Braunau und besuchen Sie das Geburtshaus von Adolf Hitler! Spielen Sie selbst in einer faszinierenden Woche voller Demütigung, Prügel und abnormaler Mutterliebe nach, wie der Führer seine Kindheit erlebte.
Besuchen Sie Wien – nur hier wurden in zwei Türkenkriegen die teuflischen Janitscharen aus dem Osten zu Tausenden von Kanonen, Pest und Hunger dahingerafft!
Linz ist Kulturhauptstand 2009 – nicht umsonst die Lieblingsstadt des Führers.
Niederösterreich – der Londoner Dungeon ist nichts dagegen! Auch Sie selbst können jetzt in einem der zahllosen garantiert authentischen Kellergefängnisse ein paar beschwerliche Minuten erleben.
Stauffenberg war kein Held
Angefacht durch den neuen Tom-Cruise-Film Valkyrie hört, sieht und liest man dieser Tage ständig vom Mordanschlag auf Adolf Hitler durch den Grafen von Stauffenberg. Nun, auch auf die Gefahr hin, dass ich so etwas wie Blasphemie betreibe: Stauffenberg war sicher kein Held, der noch heute ob seines seines missglückten Anschlags auf den Führer zu verehren ist.
Claus Schenk Graf von Stauffenberg war aber etwas anderes: Soldat. Im Gegensatz zu Hitler, der die unabwendbare Niederlage nicht sah oder sehen wollte, war es Stauffenberg und vielen seiner Freunde aus dem Offizierskasino im Sommer 1944 schon lange klar, dass der Krieg unmöglich noch gewonnen werden konnte. Gerade erst hatten die Allierten durch die Operation Overlord eine neue Front im Westen eröffnet und auch der durch den Westen stark unterstützte Ivan Russe war auf dem Vormarsch.
Wollte Deutschland vor der vollständigen Zerbombung und die Wehrmacht vor der totalen Vernichtung gerettet werden, musste etwas unternommen werden – da waren sich jene Generäle, die mit dem Putsch liebäugelten, einig. Der Anschlag auf Hitler, der damals wie heute die zentrale Figur der nationalsozialistischen Regierung des Großdeutschen Reiches darstellte, war alleine durch den Trieb zur Selbsterhaltung motiviert. Und es ging nicht, wie es der Opus um den tragischen Helden Stauffenberg immer wieder vorschwärmt, um die Befreiung Deutschlands vom personifizierten Bösen.
Stauffenberg war viele Jahre lang treuer, willfähriger Offizier der Wehrmacht gewesen. Warum sollte er jetzt plötzlich zu der Meinung kommen, dass Hitler beseitigt gehöre? Warum hatte er nicht schon vor Jahren eine der zahllosen Möglichkeiten genutzt, um den Führer ein für alle mal zu beseitigen?
Natürlich wäre ein erfolgreicher Mord und Putsch (und eine darauffolgende Kapitulation) eine sehr gute Sache für Deutschland gewesen – man hätte Millionen Leben retten können und sehr viel Deutschland wäre weitgehend intakt geblieben. Stauffenberg und seine Mitverschwörer jetzt aber zu Helden hochzustilisieren, die sich allein gegen den Teufel Hitler gestellt haben, ist aber sicher nicht richtig. Sie hatten nur eine Motivation: Welchen Sinn haben Generäle und Stabsoffiziere, wenn die Armee, die es zu befehlen gilt, zerschossen, überrannt und vernichtet wurde?