H(e)i(l)

Heute hat mich der Gedanke nach dem Ursprung der englischen (oder besser angloamerikanischen) Begrüßung "Hi" nicht los gelassen. Die naheliegendste Vermutung ist natürlich die, dass es eine typisch amerikanische Abkürzung von "Hello" oder gar von "How are you?" wäre.

Dabei ist es ganz einfach: "Hi" ist offensichtlich eine Abkürzung von "Heil" beziehungsweise "Heil Hitler". Wieder ein Fetzen Deutsch, der es ins Englische geschafft hat.

Wir und unser seltsamer Umgang mit dem Führer

Dass ein Madame Tussauds in Berlin eröffnete (nach London und Amsterdam erst die dritte Filiale der englischen Wachsler in Europa), war den einschlägigen Medien kaum eine müde Notiz auf der Kulturseite wert. Dass jemand erbost die Wachsfigur von Hitler enthauptete und dabei zwei Wachmänner über den Haufen rannte, wird in aller skandallüsternder Ausführlichkeit rauf und runter berichtet.

Ein Grund für mich, mich einmal mehr über die Vergangenheitsbewältigung von Deutschland (und Österreich) zu wundern. Adolf Hitler hat ja schon zu seiner Zeit arg die Gemüter erhitzt, dass er aber jetzt, fast 70 Jahre nach dem Höhepunkt des Dritten Reiches, noch immer eine so mystische Figur darstellt, entzieht sich meinem Verständnis. Schon allein das Wort "Hitler" ist so tabuisiert, dass es ein seltsames, "verbotenes" Gefühl auslöst, wenn man es ausspricht – von "Nazi", "Hakenkreuz" und "Führer" ganz zu schweigen.

Einerseits will und darf niemand über diese zentrale mitteleuropäische Vergangenheit reden, aber andererseits interessiert sich jeder brennend dafür – am meisten die, die immer ganz schockiert aussehen, wenn sie wo das Wort "Führer" hören und sei es nur bei der nächsten Firmenwanderung und mit einem "Berg-" davor. Das zeigen schon die regelmäßigen Berichte im Spiegel oder anderen "seriösen" Medien, die von Hitler, seinen Gefährten oder deren Taten handeln. die Artikel stehen war alle unter einem Stern der ernsthaften Vergangenheitsbewältigung, dient aber mal wieder nur dazu, die Auflage zu steigern – mit Erfolg, den Hitler interessiert ja jeden. Wobei wir wieder beim abgerissenen Wachskopf und dessen ungewöhnlich hohen Medienecho wären.

Kinder würden den falschen Eindruck eines "Stars" von Hitler bekommen, wenn man ihn neben all den anderen Celebrities ausstellt, meinen Befürworter des Angriffs. Falsch! Kinder haben jetzt schon den komplett falschen – nämlich unvollständigen – Eindruck von ihm. Um das Phänomen und die Faszination Hitler zu "beschränken" und ihr entgegenzuarbeiten, muss man ihm ein alle Mal das Verbotene und das Mystische nehmen.

Kinder (als auch Erwachsene) sollen in Deutschland und Österreich wieder Hakenkreuze in Film und Fernsehen sehen dürfen – erst dann hat es bei Hauptschülern nicht mehr den aufregenden Hauch des Verbotenen, es versteckt auf Parkbänken einzuritzen. Großeltern sollen davon erzählen dürfen, wie sie einst dem Führer zugejubelt haben – wer kann es ihnen verdenken, 1938 hat die Geschichte noch etwas anders ausgesehen. Hitler soll seinen Status als Oberster Erzbösewicht verlieren und dorthin kommen, wo er realistischerweise hin gehört – nämlich auf eine Ebene mit allen anderen wirklich fiesen Figuren der Geschichte, etwa zu Nero, Stalin, Pol Pot oder Idi Amin.

Erst dann wird das Dritte Reich den Touch der aufregenden Abenteuer-Fantasy-Geschichte voller mystischer Helden wie bei den Tempelrittern oder bei Frodo und Perry Rhodan genommen. Erst dann wird aus der Vergangenheit das was sie ist, nämlich reale Geschichte – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und dann ist es plötzlich gar nicht mehr so aufregend und schockierend, wenn eine der zentralsten Figuren des 20. Jahrhunderts in einem Museum ausgestellt wird.

Harry Potter und das Dritte Reich

Soweit ich weiß ist über dieses Thema schon einiges im Internet geschrieben worden, aber aus aktuellem Anlass möchte auch ich noch einmal kurz darüber referieren. Letzten Samstag hab ich mir endlich die Zeit genommen und den letzten Band (Die Heiligtümer des Todes) von Harry Potter gelesen. Mit dem Happy End war ich ganz zufrieden*, aber es waren mir schon fast ein wenig zuviele Anspielungen und Parallelen mit dem Dritten Reich. Und nachdem gewisse geneigte Leser bei kleinen Andeutungen zu diesem heißen Thema gleich Zeter und Mordio schreien, kann ich mich natürlich nicht zurück halten:

Da wären einerseits die unzähligen Anspielungen auf rassische Unterschiede zwischen Zauberern und Menschen ("Muggel"). Die beschriebenen Scheinprozesse, Unterdrückungen und Deportierungen von Halbblütern ("Schlammblüter") lassen doch gewissen Vergleiche mit der Judenpolitik (welch niedliches Wort) im Dritten Reich zu, genauso die Ansichten mancher Zauberer. Aber um diese Parallelen erkennen zu können, muss man ja nicht einmal besonders gut im Sachunterricht aufgepasst haben.

Interessanter finde ich da schon: Grindelwald (der Name eines bösen Zauberers) ist für mich aber ein ziemlich deutscher Name, genau wie das von ihm erbaute Gefängnis Nurmengard (in dem er dann auch seine Strafe ab saß) – und wenn das schon nicht unbedingt deutsche Namen sind (Grindelwald ist übrigens ein Ort in der Schweiz), dann bestimmt aber aus der nordischen Mythologie, auf die sich bekanntlich viel deutsche Propaganda stützte und berief. Und kann es jetzt Zufall sein, dass der gute (britische) Albus Dumbledore den bösen (deutschen) Gellert Grindelwald genau im Jahr 1945 besiegte und ins Gefängnis verbannte? Ich glaube nicht, sondern wittere eine ganze traumatisierte Generation (nämlich jene von Frau Rowling) auf der britischen Insel.

* Das Ende ist zwar ein glückliches, aber nicht schlüssig: Gellert Grindelwald hatte bekanntlich den unbesigbaren Zauberstab Elderstab gestohlen und sich so zu einem enorm mächtigen und bösen Zauberer gemacht. Wie aber mehrfach im Buch erklärt wurde, kann die Macht des Stabes nur dann genutzt werden, wenn der Vorbesitzer besiegt bzw. hinterrücks gemeuchelt wurde (und nachdem der Zauberstab unbesiegbar macht, ist nur zweiteres zielführend). Bleiben zwei Möglichkeiten:

1) Grindelwald war nie der "wahre" Besitzer (weil er den Stab gestohlen hatte und nicht korrekt vom Vorbesitzer "erworben"), was demzufolge auch Dumbledore, Draco und Harry nicht zu solchen gemacht hätte. 


2) Grindelwald war schon der wahre Besitzer des Elderstabs (aus welchem Grund auch immer). Dann hätte er aber nie von Dumbledore in einem Duell besiegt werden können (unbesiegbar, man erinnert sich).


Beide Möglichkeiten haben einen logischen Fehler, was das Ende von Harry Potter und die Heiligtümer des Todes für mich jetzt mal nicht schlüssig macht. Aber halt nett, ich war schön angetan davon.

Aus-, Ein-, Umbürgerung

Der Freistaat Braunschweig* (neuerdings heißt er Niedersachsen), der vor einigen Jährchen dem Adolf-Führer die deutsche Staatsbürgerschaft verschafft hat, will diesen Schandfleck in seiner Geschichte nun löschen und ihm postum die Staatsbürgerschaft entziehen. Zwar darf man nach deutschem Gesetz niemanden staatenlos machen (was Hitler wäre, denn er hat die österreichische Staatsbürgerschaft niedergelegt), aber das scheint die SPD wenig zu kümmern.

Das Beispiel, ob erfolgreich oder nicht sei noch dahin gestellt, macht jedoch Schule: Deutschland hat angekündigt, weitere unliebsame Deutsche auszubürgern, unter anderem Detlef "Dee" Soost (der ja seit Neuestem im Schweizer Abklatsch der Superstar-Shows zu sehen ist) und eine gewisse bayrische Landrätin. Im Gegenzug für die "Rückgabe" des Führers hat die deutsche Bundesregierung übrigens angeboten, den Mozart Wolfi, Kepler und den aktuellen absoluten unglaublichen Weltsupermegastar Anna Netrebko als deutsche Bürger anzunehmen. Als Draufgabe hat sie sogar angeboten, Linz die Namensrechte an den Hermann-Göring-Werken zu überlassen. Der österreichische Bundeskanzler hat sich Bedenkzeit erbeten.

Andere Staaten wollen noch weiter gehen. Nachdem Dänemark allen Randalierern mit der Ausbürgerung nach Kasachstan drohte, hat die Türkei nicht lange gefackelt und prompt alle Türken ausgebürgert. "He, sollen die doch bei ihren Familien in Deutschland wohnen, oda", so die offizielle Stellungnahme des zuständigen Innenministeriums.

* Braunau, Braunschweig – kann da die mit den Nationalsozialismus asoziierte Farbe braun (wie in Braunhemden) noch Zufall sein?

Rudie Cassudie

Das erste Mal, dass Rudie Cassudie in mein Leben trat, war Ende der 90er Jahre. Doch so wie kaum jemand Superman himself jemals zu Gesicht bekam (die meisten wurden ja lediglich mit Clark Kent abgespeist) bekam auch ich seinerzeit nur sein Alter Ego zu Gesicht, einen gewissen Günter "Gü" H. aus N. im M.-Viertel, welcher sich gelegentlich auch als "G-Punkt Hintringer" bezeichnet.

Im Laufe der Jahre wurde mir Rudie Cassudie jedoch immer suspekter. War er zu Beginn noch ein beinahe gottgleiches Wesen, welches sich durch eine unglaubliche Willenskraft, einer unbeschränkten körperlichen sowie finanziellen Potenz erfreute, ganz nebenbei für den Nobelpreis in Literatur sowie für das freie Cockpit bei Red Bull Racing im Gespräch war und zudem ein Reisebüro namens "Rudie’s Reisestudio" in Innsbruck sein eigen nannte, so bröckelte sein Glanz im Laufe des neuen Milleniums zusehends. Heute, so nimmt man allgemein an, dürfte Rudie C. zu einem normalen Handwerker abgestiegen sein, welcher in der Weltmetropole Linz sein Dasein fristet und – wie du und ich – auf seine Arbeitskraft angewiesen ist, um das tägliche Auslangen zu finden.   

Auf diesem Weg bemühen wir uns, das Leben des Rudie C. zu rekonstruieren. Sein Dasein auf unserem Planet lässt sich bis Mitte/Ende der 90er Jahre zweifelsfrei nachvollziehen (siehe folgende Zeittafel) – ab der Jahrtausendwende verliert sich jedoch seine Spur. Deshalb bitten wir alle Leser von Saxxens Weblog um sachdienliche Hinweise, ganz im Stil des legendären "XY -  Edi Zimmermann".   

  • 1944: Rudie Cassudie organisiert das Attentat auf Hitler in der Wolfsschanze, welches jedoch leider misslingt. Cassudie kann als Einziger fliehen.
  • 1946: Auf der internationalen Modeschau in Mailand präsentiert Rudie Cassudie den von ihm entworfenen Bikini.  
  • 1955: Rudie Cassudie spricht vom Balkon des Belvedere in Wien die legendären Worte "Österreich ist frei". 
  • 1969: Als erster Mann auf dem Mond verkündet Rudie Cassudie die "kleine/große Schritt"-Doktrin der Weltöffentlichkeit und komponiert am Rückflug den Welthit "Man in the moon" für die von ihm gemanagte Band R.E.M.
  • 1970: Als Wahlkampfmanager von Bruno Kreisky verhilft Rudie Cassudie diesem zu einem fulminanten Wahlsieg. Zentrales Element seiner Kampagne ist der Slogan "Bruno ist kein Problembär".  
  • 1974: Rudie Cassudie wird nach der Watergateaffäre Nachfolger von Richard Milhouse Nixon und damit der 38. Präsident der Vereinigten Staaten. Kurz zuvor war Cassudie für 32 Tage deutscher Bundeskanzler, als Willy Brandt über eine Agenten- und Sexaffäre gestolpert war.   
  • 1978: Rudie Cassudie steht im Aufgebot der österreichischen Nationalmannschaft bei der WM in Argentinien und trägt maßgeblich zum Wunder von Cordoba bei. Nebenbei stiehlt Cassudie dem legendären Johann "Hansi" Krankl die Show, worauf es zu einer ernsthaften Verstimmung zwischen den beiden Superstars kommt und Hansi Krankl Cassudie das Du-Wort entzieht. Zur Versöhnung der beiden zentralen Figuren des 20. Jahrhunderts kommt es erst 1991 auf der Donauinsel bei einem Konzert von U2, für welche Cassudie als Manager fungierte.  
  • 1984: Rudie Cassudie erhält im selben Jahr den Nobelpreis für Chemie, den Pulitzerpreis, die Ehrenbürgerschaft von Saint Jones sowie den international renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis. Zeitgleich wird Cassudie Olympiasieger in Los Angeles im Synchronschwimmen.
  • 1989: Rudie Cassudie organisiert in der DDR einen Volksaufstand und trägt so federführend zum Fall der Berliner Mauer bei. Nebenbei zeichnet er für den Wendehit "Wind of Change" als Komponist und Bassist verantwortlich.
  • 1991: Rudie Cassudie bewirkt mit seiner Brandrede für Demokratie und Freiheit den Untergang der Sowjetunion und erwirbt sich so den Ruf als "Che Guevara" des Kapitalismus. Gleichzeitig wird er als Teamkollege von Gerhard Berger zum dritten Mal Formel-1-Weltmeister für Mc Laren-Honda.
  • 1995: Bei der Oscarverleihung erhält der von Rudie Cassudie produzierte Blockbuster "Forrest Gump" 6 Oscars. Ein ähnlicher Erfolg war ihm bereits ein Jahr zuvor mit "Schindlers Liste" gelungen.
  • 1998: Rudie Cassudie tritt unter dem Decknamen "Ing. Richard Lugner" zur Bundespräsidentschaftswahl an und gewinnt damit auf Anhieb 10% der österreichischen Herzen.
  • 1999: Bei der alpinen Ski-WM in Vail, USA erreicht Rudie Cassudie – für Mexiko startend – den 13. Platz im Riesentorlauf. Danach verliert sich seine Spur.