Natascha-Kampusch-Trinkspiel

Wie gebannt saßen K, der gute D. und ich (vor allem D. ist ein großer Fan) gestern vor meinem Fernsehgerät (auf dem das gute Tascherl noch ein bisschen … fester ausschaut als sonst) und verfolgten mit angehaltenem Atem das sensationelle Interview voller spannender Enthüllungen und schockierender Skandale.

Zumindest kam es uns so vor, denn wir spielten ein äußerst lustiges und kinderfreundliches Familienspiel, das Natascha-Kampusch-Trinkspiel. Alles was man dazu braucht, sind ein paar gute Freunde, Gläser in der Anzahl ebenjener und eine flexible Anzahl von Flaschen des Lieblingshochprozentigen. Dann lauscht man genau auf die packenden Dialoge und trinkt jedesmal, wenn ein bestimmtes Wort fällt:

"Herr Priklopil" einen Schluck
"dein Freund" ein Glas
"Superstar" oder "Partyluder" ein Glas
"Onkel Wolfi" sofort alle verbleibenden Flaschen auf Ex, wer dann immer noch steht muss sämtliche im Haus verfügbaren Spülmittelvorräte leer trinken.

Darüber hinaus gibt es noch ein paar extra Regeln zur vergnüglichen Verschärfung des Ganzen:

Jedes Mal, wenn man den Kopf schütteln muss, weil Natascha so gestelzt daher redet. ein Glas
Jedes Mal, wenn Natascha so sinnreiche Aussagen macht wie "Wellen, die erinnern so ans Meer" oder sie sich mit Paris Hilton vergleicht.
ein Glas
Jedes Mal, wenn eine Großaufnahme von Natascha eingeblendet wird, wo sie gedankenverloren in die Ferne schaut. ein Glas
(Klassik-Regel): Jedes Mal, wenn man sich erneut wundert, warum weder Nataschas Vater noch ihre Mutter "Kampusch" heißt.
ein Glas

Eine Vernichtung innerhalb der ersten zehn Minuten ist garantiert – sehr empfehlenswert also zum Vorglühen, wenn die Zeit schon knapper ist.

Das Kampusch Syndrom (2)

Das schockierendste am neuerlichen Fernsehauftritt von Natascha "Tascherl" Kampusch ist zweifellos ihre Gewichtszunahme – sie hat seit ihren letzten Interviews massiv zugelegt; oder um es mit den Worten des guten Gotti zu sagen "de is aber blad wordn". Bekanntlich hatte sie ja vor ihres Ausflugs zu Onkel Wolfi auch schon eine kräftige Statur, aber so schnell so viel Speck auf die Hüften zu kriegen ist wahrlich keine schlechte Leistung (bzw. eben doch). Aber wer kann ihr das schon verdenken, muss sie doch acht Jahre Fastfood und schlechte Ernährung nachholen (Priklopil war nahrungstechnisch ja sehr geizig, wie sie im Interview meinte). Trotzdem finde ich es etwas schade, dass diese hübsche blonden Dame so schnell so viele Kleidergrößen zulegte (man beachte nur das bereits deutlich ausgeprägte Doppelkinn):

Übrigens wundere mich nicht nur ich als Landsmann von Natascha über diese unerträgliche Veränderung, sondern auch eine spanische Zeitung mäkelt etwas an den neuen Kilos herum.

Ganz ähnlich erging es ja auch der nicht minder hübschen Leah Remini, besser bekannt als Carry aus King of Queens. Auch sie wurde einige Zeit von einem bösen Mann in einem Loch namens Schwangerschaft gefangen gehalten und wollte so gar nicht hollywoodhaft ihren Babyspeck nicht mehr los werden, was dem guten Stephan und mir die Freude an King of Queens doch etwas vergällte. Glücklicherweise hat sie sich aber mittlerweile wieder, mit Hilfe eines Teams von Psychologen und Medienberatern, von dieser schlimmen Zeit erholt und ist wieder äußerst ansehnlich:

Ein ähnliches Schicksal wünsche ich auch dem Tascherl. Sonst wirds nix mit der Hollywoodverfilmung mit Scarlett Johansson als Natascha Kampusch; und das wär doch schade!

Das Kampusch Syndrom

So unglaublich es klingt, aber selbst ich kann mich dieser seltsamen Natascha-Kampusch-Faszination nicht entziehen; ganz im Gegenteil, ich bin geradezu besessen vom illustren Abenteuer der wortgewandten Wienerin und verschlinge alle Artikel in der österreischen Qualitätsgratispresse (Österreich, Heute, Neue – Bezahlzeitungen sind angesichts dieser morgendlichn Top-Berichtserstattung echt überflüssig). So habe ich natürlich auch mit Spannung das gestrige Fernsehinterview von Natascha Kampusch, die ich übrigens liebevoll "Tascherl" nenne, erwartet. Der gespannte ORF2-Fernsehschauer wurde aber leider enttäuscht, da eigentlich keine neuen Informationen zu Tage kamen. Die "aufwändig nachgestellten Szenen" * schmissen mich auch nicht gerade vom Hocker bzw. vom Bett.

Erwähnenswert sind neben dem schockierenden Aussehen von Tascherl (dazu ein andermal ausführlich mehr) höchstens der geniale Oberlippenbart ihres Vaters (halt auch nichts Neues), die Gefühlskälte der Mutter (wieder nichts Neues) und die Frage, warum weder Mama noch Papa tatsächlich "Kampusch" heißen. Ich vermute hier ja einen Künstlernamen oder eventuell auch eine Hommage an meinen WG-Genossen Daniel **. Ein bisschen neidisch bin ich natürlich auch auf die hervorragende Ausdrucksweise Nataschas, die man gar nicht genug loben kann. Ich will zwar nicht geschmacklos sein, aber so manchem Schreiberling in der österreichischen Blogger-Szene würden ganz offensichtlich ein, zwei Jährchen beim Priklopil nicht schlecht tun.

Trotz meines Natascha-Fan-Daseins weiß ich aber noch immer nicht so recht, was ich von ihr halten soll – meist erscheint sie ja als das liebenswürdige Opfer, das wie durch ein Wunder in einem unglaublichen Akt der Stärke ihre Menschlichkeit bewahrt hat. Dann aber wieder hört man von Alfred Worms, Chefredakteur der Boulevardillustrierten News, dass sie ihre Berater wie Sklaven herumscheucht. Auch die Interviews mit Christoph Feuerstein sollen nicht ganz so angenehm abgelaufen sein, wie uns die von Natascha überarbeitete Fernsehfassung glauben machen will. Die Forderungen, die sie für ihre Interviews zb an News stellte und bekam (Apartment, einen frei wählbaren Job im Verlagshaus ***) sind auch nicht von schlechten Eltern und äußerst unsympathisch. Und wenn man dann noch den Gerüchten glauben darf, dass sie darauf bestanden hat, in einer eventuellen Hollywood-Verfilmung von Scarlett Johansson gespielt zu werden …

Diesen und ähnliche Gedanken will ich aber gar nicht weiter spinnen, auch wenn ich zugeben muss, dass mich der Kommentar "Has anyone noticed that Natascha doesn’t look a thing like the pictures that portray her as a 10 year old girl?" unter einem englischen Zeitungsartikel über Natascha kurz Fotos vergleichen ließ; aber zumindest auf einem sieht man doch Ähnlichkeiten und DNS Tests lügen ja auch nicht. Jedenfalls bin ich äußerst gespannt wie sie sich weiter entwickeln wird.

* kündigte orf.at noch am Nachmittag vollmundig at.
** Glücklich, wer ihn kennen darf.
*** Wofür Tascherl überhaupt noch arbeiten will, ist mir auch ein Rätsel – Geld hat sie ja wahrlich genug mittlerweile.

5 Dinge, die man Natascha Kampusch nicht fragen soll

Mir wurde zwar Liebesentzug angedroht, sollte ich mich über die arme Natascha (die übrigens sehr sympathisch war bei ihrem vielumjubelten Auftritt) lustig machen, aber ich kann es mir nicht verkneifen. Daher folgen die fünf Dinge, die man Natascha Kampusch während eines Interviews nicht fragen sollte:

  • Sollte die FPÖ oder das BZÖ den dritten Platz am Wahlzettel bekommen?
  • Acht Jahre, wieviele Tage sind das nochmal?
  • Hast du dich schon auf den Euro eingestellt?
  • Was haben Saddam Hussein und du gemeinsam?

Zum Abschluss, etwas geschmacklos vielleicht, aber doch ein kleines Schmunzeln wert:

  • Wie wars auf der Maturareise?