Sensorflächen

Seit meinem letzten Umzug muss ich zwar nicht mehr mit dem Bus fahren, ich erinnere mich aber gern an die neueste Generation der Busse der Linz AG zurück, denn die sind im Sommer immer gut gekühlt.

Außerdem sind sie hochmodern und haben zum Öffnen der Türen (sowohl innen als auch außen) keine ordinären Tasten mehr, sondern coole Sensorflächen, sodass ich mir immer wie auf der Enterprise-E vorgekommen bin. Neben dem Gefühl, in der Zukunft zu sein, bieten diese Sensorflächen noch einen sehr angenehmen Nebeneffekt – innerhalb von 3 Sekunden kann man damit die Intelligenz des Benutzers auf den IQ-Punkt genau messen.

Denn der IQ ist umgekehrt proportional zu Festigkeit und Dauer, mit der die Sensorfläche "gedrückt" wird. Wenn das kleine Licht des "Ich-möchte-aussteigen"-Sensors geschlagene 10 Sekunden brutal gequetscht wird, dass sich der arme Finger um 45 Grad verbiegt und gleich zu brechen scheint, kann man davon ausgehen, dass der betreffende Drücker nicht unbedingt als Favorit im nächsten Buchstabierwettbewerb gelten wird. Wird beim Einsteigen mit voller Kraft ein dutzendmal auf den Sensor eingeprügelt, bevor dieser überhaupt mittels freundlicher LED auf Bereitschaft hinweist, liegt die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Gewalttäter Schwierigkeiten haben wird, den Unterschied zwischen Bundeskanzler und -präsident zu benennen.

Das mag jetzt vielleicht übertrieben und peinlich klischeehaft klingen, aber ich bitte die geneigte Leserin und den geneigten Leser, bei der nächsten Busfahrt in Linz darauf zu achten – meine These wird halten, garantiert.

Das Gfrett mit den Öffis

Öffentliche Verkehrsmittel sind einer super Sache und ich benutze sie fast täglich, sowohl den Bus als auch die Straßenbahn. Trotzdem würde die Abwesenheit folgender Punkte das "Erlebnis Öffi" noch erheblich verbessern:

  • Personen drängen rücksichtslos in das Fahrzeug, noch bevor die aussteigenden Fahrgäste überhaupt draußen sind.
  • Drecksjugendliche sind der Ansicht, das ganze Fahrzeug mit ihrer Drecksmusik aus ihren Dreckshandys beschallen zu müssen.
  • Kinder tollen durch das Fahrzeug, machen Krawall und blockieren oder öffnen sinnlos die Türen. *
  • Gewisse Zeitgenossinnen telefonieren in einer Form, dass auch der allerhinterste Fahrgast noch lautstark und deutlich die belanglosen Geschichten mithören darf.
  • Abfahrzeiten sind unmöglich auf die Minute genau zu planen, weil die Fahrzeuge nicht nur zu spät, sondern ab und an auch zu früh abfahren.
  • Fahrgäste essen stinkende Kebabs und hinterlassen nicht nur eine abstoßende Geruchswolke, sondern auch Saucen- und Essensreste auf den Sitzen.

* Dazu hab ich eine nette Anekdote, die ich vor einiger Zeit erlebt habe: Zwei etwa 6-jährige Bengel (sie fuhren ohne Aufsicht) betrachteten die halbleere Straßenbahn als ihren persönlichen Spielplatz, schrien, kletterten herum, blockierten die Türen (was ja das Weiterfahren verhindert) und führten sich überhaupt auf wie kleine Kinder. Die anderen Fahrgäste waren schon sichtbar genervt und der eine oder andere hatte schon, ergebnislos, um Ruhe gebeten, was zu einer ziemlich gereizten Stimmung führte. Plötzlich stolperte einer der beiden Lümmel, als die Straßenbahn wieder einmal anfuhr und fiel ziemlich ungemütlich auf den Boden, woraufhin er prompt herzzerreißend zu weinen begann, sein schmerzendes Knie rieb und hilfesuchend herum blickte. Keiner der anderen Fahrgäste rührte auch nur einen Finger, im Gegenteil, ohne Ausnahme hatten sie einen breiten Grinser im Gesicht und betrachteten zufrieden den in Tränen ausgebrochenen, endlich ruhig gestellten Störenfried. Ich hatte sogar das Gefühl, dass fast Applaus ausgebrochen wäre.

Meine E-Mail an die Linz AG

Beschweren hilft, daher bin ich auch diesmal mächtig auf die Antwort gespannt

Geschätzte Damen und Herren von den Linz AG Linien,

mit Freude konnte ich Anfang dieses Monats feststellen, dass Sie eine für mich sehr angenehme Änderung in Ihren Fahrplänen vorgenommen haben, nämlich dergestalt, dass Sie die Linie 26 substantiell verlängert haben, sodass diese nun zumindest streckenweise eine schöne Alternative zur Linie 27 darstellt, was etwa zwischen den Haltestellen Lüfteneggerstraße und Taubenmarkt theoretisch eine Fahrt etwa alle zehn Minuten ermöglichen würde.

Unglücklicherweise fahren die entsprechenden Busse aber stets so, dass sie immer so gut wie gleichzeitig ankommen oder nur wenige Minuten Unterschied aufweisen, was natürlich wieder keine Erhöhung der Fahrfrequenz darstellt und somit den oben beschriebenen Effekt gänzlich zunichte machen.

Vermutlich wird dies aus verschiedensten Gründen, etwa des zeitnahen Anschlusses an andere Linien oder ähnlichem, nicht möglich sein, aber ich möchte Sie trotzdem höflichst bitten, eine geringfügige Änderung des Fahrplanes in Betracht zu ziehen und dass Sie die Linie 26 dergestalt geringfügig verschieben, dass sie ein paar Minuten später am Taubenmarkt eintrifft und so genau zwischen die Fahrten der Linie 27 fällt.

Vielen Dank für Ihre Zeit.

Mit freundlichen Grüßen,

Update vom 28. November

Tatsächlich bekam ich gestern eine Antwort, auch wenn es nur die erwartete war

Sehr geehrter Herr DI XXXXXXXXX ,

vielen Dank für Ihr positives Feedback zur Linie 26.

Die konkrete Fahrplangestaltung der Linie 26 richtet sich hauptsächlich nach den Beginn- und Endzeiten der Schulen entlang der Linie (VS Margarethen, Römerbergschule, Aloisianum etc.) sowie den dafür notwendigen Anschlüssen. Eine bessere Anpassung an die Linie 27 wäre natürlich optimal ist jedoch unter den derzeitigen Rahmenbedingungen bzw. Prämissen nicht realisierbar.
Wir werden Ihren Vorschlag in unsere künftigen Angebotsplanungen miteinbeziehen und bitten um Verständnis für unsere Ausführungen.

Mit freundlichen Grüßen

Dipl.-Ing. (FH) XXXXXXX

Just in time

Mit Freude musste ich feststellen, dass sich die Linz AG entschieden hat, eine kleine Änderung in ihren Öffi-Fahrplänen vorzunehmen, mit dem schönen Ergebnis, dass nun eine zweite Buslinie unsere Straße entlang führt und man nun, will man denn nicht die 12 Minuten investieren und die malerische Strecke zu Fuß gehen, etwa alle 10 Minuten eine Anbindung zum Taubenmarkt hat, statt wie bisher nur alle 15.

Diese Angebot habe ich gestern früh gleich mal genutzt um zur Arbeit zu kommen. Kaum eingestiegen musste ich zu meiner Verunsicherung aber erleben, dass mein Busfahrer, ein hochgewachsener, Ehrfurcht einflößender Herr, den Fahrer des zufällig entgegenkommenden Busses mittels Handzeichen zum Anhalten aufforderte, einem Anliegen, dem dieser auch nachkam.

Mein Fahrer kurbelte sein Fenster runter und ich hörte deutlich, wie er zu seinem Kollegen rüber rief: "Du, wo müssma jetzt eigentlich fahren? Wo ist denn überhaupt die Bruckner-Haltestelle?!" Die Antwort konnte ich leider nicht verstehen, ich sah aber, dass mein Fahrer mit den Schultern zuckte und leise ein "was weiß ich?" vor sich hinbrummte, nur um darauf wieder weiter zu fahren.

Ich erlebte übrigens nicht, ob er die Bruckner-Haltestelle tatsächlich fand, denn ich stieg früher aus. Der Beruf des Busfahrers hat für mich seit dem aber viel von seinem Glanzes und Heroismus eingebüßt.

Spaß mit Strom (2)

Nun war es also, dem knappen Akku des Gefährtinnen-Handys sei’s gedankt, an mir, das Rätsel um die verschwundene Elektrizität zu lösen. Äußerst erzürnt wandte ich mich gleich mal an die Hotline des Verbunds, wo ich an dem armen Unterling*, der den Hörer abnehmen musste, meinen Zorn auslassen wollte. In Sekundenschnelle schmolz ich aber dahin (so wie immer, leider), weil die Verbund-Dame am anderen Ende der Leitung so nett und zuckersüß war.

Voller Verständnis sicherte sie mir ihr Mitgefühl sowie die korrekte Abarbeitung von Seiten des Verbunds zu (am 11. April ging die Ummeldung an die Linz AG) und versprach, sich sofort darum zu kümmern und sich wieder bei mir zu melden. Parallel versuchte es Sarah mit den letzten Watts ihres Handys nochmal bei der Linz AG, kam dort aber noch immer zu keiner Lösung.

Tatsächlich erreichte mich etwa zwanzig Minuten später der Rückruf der Verbunddame, die sich mit der äußerst seltsamen Ausrede entschuldigte, dass sie bei der Linz AG keinen erreichen könne. Sie gab mir aber eine neue Telefonnummer für dort, wo ich es bitte selber versuchen möge – schließlich habe der Verbund ja keine Schuld an meiner Misere.

Ich folgte ihrer Anweisung, rief die Linz AG an und kam nach einigem Hin und Her an einen kompetent wirkenden Herrn, der es nach einiger Zeit unglaublicherweise schaffte, das Rätsel aufzuklären: Irgendwo ging die Ummeldung vom Verbund verloren und daher hatte der Netzbetreiber (also die Linz AG) es als nötig empfunden, ohne jede Vorwarnung oder Hinweis unsere Wohnung als unbewohnt zu deklarieren und kurzerhand den Strom abzudrehen. Nach etwas zusätzlichem Hin- und Her (unsere Anschlussnummer war nicht im Computer, vom Vormieter hatte natürlich auch keiner Ahnung, und so weiter und so fort) versprach mir mein Gegenüber, den Techniker, der den Strom abgedreht hatte, gleich zurückzudirigieren um denselben wieder anzumachen.

Während meiner ausführlichen Gespräche mit der Linz AG ging es auch sonst noch rund: Ich rief mehrmals ergebnislos die Gebäudeverwaltung an, um den Vormieter ausfindig zu machen, der Haustechniker meldete sich bei mir, weil auch er irgendwie Wind von der Sache bekommen hatte und seiner Meinung, dass er nichts für mich tun könne, persönlich Ausdruck verschaffte. Und dazwischen musste ich natürlich immer wieder meine Gefährtin beruhigen, und ihr versprechen, dass alles gut werden würde und sie sich bald wieder föhnen könne.

Und wirklich: Nur wenige Minuten, nachdem ich mich von der Linz AG Hotline verabschiedet hatte, war die Elektrizität wieder da. Das Mysterium um die verschwundene Ummeldung und wie sowas überhaupt passieren kann, ist noch in der Aufklärung begriffen und wird wohl zwangsläufig von einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss behandelt werden müssen.

* mein neues Lieblingswort