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Meinl geht unter
Darüber, dass es eine unglaubliche Frechheit ist, was sich diverse Subunternehmen unter der Flagge der Meinl-Familie erlauben, habe ich schon einmal geschrieben . Ebenso darüber, dass der Name Meinl für immer irreparabel beschädigt ist und dass ich das diesem schleimigen, inzestiösen Familienoberhaupt von ganzem Herzen vergönne.
Mittlerweile ziehen die Skandale rund um Meinl European Land, Meinl European Power und wie die ganzen Teile des undurchsichtigen Firmengestrüpps noch heißen mögen immer größere Kreise. Ganz besonders freut es mich, dass mittlerweile sogar die Finanzaufsicht des vermeintlich sicheren Hafens Jersey auf die Gaunereien (wenn schon nicht illegale, dann zumindest moralisch verwerfliche) aufmerksam geworden sind.
Vor der Tür der lokalen Meinl-Bank hat sich mittlerweile ein Häufchen unabgeholter Pakete angesammelt. Heute hat mich ein ausländischer Herr von einem Lieferdienst verzweifelt gefragt, warum dort keiner mehr aufmacht und er seine Packerl nicht mehr abliefern kann. Auf mein "Keine Ahnung wo die alle hin sind" hat er nur hilflos mit den Schultern gezuckt, gegrinst und "Hamma Konkurs, ha?" gesagt.
Die Banker sind wohl alle auf Betriebsurlaub, aber angesichts der Meinl-Schauergeschichten, die ich täglich im Wirtschaftsblatt lese, ist das plötzliche Verschwinden der Belegschaft doch leicht erheiternd. Dazu kommt, dass vor einigen Tagen ein Herr vom Schlüsseldienst am Schloss zur Meinl-Bank gewerkt hatte …
Update 19. Juli 2008
Unglaublich – da mache ich mich noch lustig über die verschlossene Meinl-Bank und dann muss ich in der Zeitung lesen, dass sie tatsächlich verlassen wurde …
Profit über alles
Vor einigen Tagen hatte ich eine hitzige Diskussion mit einem Freund, der ganz aufgeregt erzählte, welche Unsummen ein uns bekannter Investmentbanker (nur weniger Jahre älter als ich) nicht verdiene und was er nicht schon alles erreicht habe. Angestellt ist jene Person übrigens, was da ganze so pikant für mich machte, bei einem der Unternehmen aus dem beinahe schon undurchschaubaren Firmenkonglomerat von Meinl .
Meine Reaktion auf diese Schilderungen haben auch mich ziemlich überrascht, denn beinahe zornig fing ich über die zwielichtigen Investmentbanker und dieses ganze Gesocks zu schimpfen und ließ eine regelrechte Moralpredigt los. Aber auch jetzt noch, Tage später und ruhigen Blutes, steht meine Meinung: Was sich diese Menschen im Namen des Profites alles erlauben (dürfen), ist ja wohl ganz und gar unglaublich. Ich habe absolut nichts gegen den Aktienhandel, den internationalen Geldmarkt, den globalisierten Handel und alles was dazugehört, aber eine bestimmte Grenze darf einfach nicht überschritten werden. Und das ist genau die, wenn wissentlich Menschen, die zum Beispiel vielleicht nicht so erfahren sind auf dem internationelen Geldparkett oder nicht über gewisse Insiderinformationen verfügen, übers Ohr gehauen werden, nur um den eigenen Profit zu vergrößern.
Mag schon sein, dass Herr Meinl und seine Leute rein technisch gesehen gegen kein Gesetz verstoßen haben und daher auch nicht belangt werden können (da wurden bestimmt genügend Juristen bezahlt, damit das nicht passieren kann), aber aus moralischer Hinsicht ist ihr Verhalten wohl das Allerletzte. Mein Gegenüber, der sich übrigens in der selben Branche betätigt, war ganz erstaunt über meinen unerwarteten Ausbruch und meinte noch, dass das ja ganz normal wäre und dass es ein jeder so machen würde. Genau mein Punkt! Dieses ganze Geschäft ist schon so verkommen, dass es schon lange nicht mehr genügt, seinen angenehmen Gewinn aus dem natürlichen Wachstum der Weltwirtschaft und aus "einfachem" Handel zu ziehen. Um noch halbwegs vorne mit dabei sein zu können, muss man die Fehler und die Unwissenheit anderer Personen mitleidslos ausnutzen, um ihnen so das Geld aus der Tasche zu ziehen und in die eigene stopfen zu können.
Ich bin daher für eine stärkere Reglementierung der Banken und all der anderen Unternehmen, die nichts anderes tun als aus Geld noch mehr Geld zu machen und eigentlich nicht wirklich etwas Produktives für die Wirtschaft beitragen. Ich bin für eine viel schärfere Überwachung jener Unternehmen, die es sich auf Steuerparadiesen bequem gemacht (noch besser wäre natürlich ein Verbot dieser, aber das wird sich wohl nicht machen lassen) und so noch etwas mehr Mammon für sich auf die Seite schaffen können, während sie auf der anderen Seite versuchen, den Staat nach Möglichkeit zu melken, soviel es nur irgendwie geht. Ich bin für strenge Strafen für jene Personen, die sich diesen Regeln nicht beugen und versuchen, andere Menschen auszunutzen und daraus Profit für sich selbst schlagen. Ich bin für etwas mehr Moral und viel weniger Egoismus.
Lieber Herr Meinl, …
… jetzt haben Sie es doch tatsächlich geschafft: Einen der besten, positivsten Namen in ganz Österreich, dessen bisher hervorragenden Ruf Ihre Familie in mehr als 100 Jahren Redlichkeit aufgebaut hat, haben Sie in wenigen Monaten durch Ihre Spielsucht Geldsucht beschädigt. Vielleicht sogar für immer verbrannt und zerstört.
Ich kann nicht behaupten, dass mir das sonderlich leid tut. Vielleicht ist es ja doch nicht der richtige Weg, mit jedem denkbaren Trick und Kniff möglichst viel Geld zu machen – unter Umständen sogar auf Kosten anderer, kleiner Anleger, die ihr letztes Erspartes in der Hoffnung auf eine magere Rendite in ihre habgierigen Hände gegeben haben.
Vielleicht ist das ja sogar Ansporn für einen Ansatz von Umdenken – sollte man eventuell doch versuchen, eine passable Rendite auf herkömmlichen Wegen (nicht nur gesetzes- sondern auch “sittenkonform”) zu erreichen? Damit ist dann der Gewinn wahrscheinlich nicht ganz so hoch, aber dafür bleibt der Ruf ein guter und die Anleger dauerhaft zufrieden.
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