Praktikantenpresse (5)

Ich bin zwar auch kein Freund der Wortteilungswut, die mit der neuen Rechtschreibung Einzug gehalten hat, aber man muss sich nicht krampfhaft dagegen stellen, liebe Online-Standard-Praktikanten (wieder ein typischer Fall von Rechtschreibprüfung-findet-keinen-Fehler-also-muss-ich-auch-nicht-Korrektur-lesen):

Was bekommt man eigentlich zu lesen?

Nachdem ORF.at zunehmend dazu übergegangen ist, anstatt vernünftiger Nachrichten hauptsächlich solche zu veröffentlichen, die sich mit einem ansprechenden Bildchen verzieren lassen (siehe rechts), habe ich mich schon vor geraumer Zeit nach einem alternativen Anbieter zur täglichen Versorgung mit aktuellen Meldungen umgesehen.

Nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen benutze ich nun Google News. Die Übersichtlichkeit ist dort zwar auch nicht so wahnsinnig gut, aber zumindest bekommt man Nachrichten aus verschiedensten Quellen mit verschiedensten Schreibstilen und Designs präsentiert, was das Ganze etwas abwechslungsreicher macht.

Dabei ist mir auch etwas Interessantes aufgefallen: Google News bezieht und gruppiert ja vollautomatisch Nachrichten aus Hunderten verschiedenen Quellen und ich vermute jetzt einmal, dass jene News, die am häufigsten vorkommen und über die am meisten geschrieben wird, gezeigt werden – was ja nach bestem “demokratischen” Prinzip ein ganz akzeptables Ergebnis bringen sollte.

Tut es auch – zwar ändert sich im Laufe eines Tages auf der News-Seite nur relativ wenig, aber das ist ja nichts Schlechtes (außer einem ist grad besonders langweilig). Das Interessante Verstörende daran ist aber der direkte Vergleich: Auf ORF.at erscheinen fast nie Nachrichten (zumindest nicht prominent als Bild ganz oben), die Google News (und somit, man erinnert sich an das Demokratieprinzip, viele andere Medien) ganz nach oben reiht.

So scheint ORF.at fast ausschließlich über Skandale und diverse irrelevante Boulevardnachrichten zu schreiben, während mir über Google so packende Beiträge wie jener über Nacktflieger zum FKK Strand einfach entgehen. Auch von diesem überhypten Mini-Börsencrash letzte Woche habe ich auf Google News nichts erfahren (sondern direkt in meinem Aktiendepot abgelesen), dafür aber sofort über den Milliardenverlust bei Societe General (ich weiß nicht auswendig, wohin die Akzente gehören, man verzeihe mir also meine eingedeutschte Schreibweise des französischen Firmennamens). Mein Fazit: ORF.at ist hin und wieder etwas unterhaltsamer zu lesen, Google News ist aber als Newsprovider für den interessierten Zeitgenossen, der harte Fakten und gut fundierte Informationen will, eindeutig die bessere Wahl. Wobei das im Vergleich zu ORF.at wohl kaum ein Newsportal nicht behaupten kann.

Nachdenklich hat mich auch gestimmt, wie eingeschränkt die Weltsicht eigentlich ist, wenn man sich auf einen einzelnen Newsanbieter verlässt – das ist mir noch nie so direkt bewusst geworden wie die letzten Wochen. Man erfährt tatsächlich nur die Dinge, die dem Redakteur genehm sind, in der Form, wie er es für richtig hält – und sonst nichts.

Praktikantenpresse (4)

Folgender Fehler auf DiePresse.com ist jetzt zwar nicht extrem spektakulär, aber trotzdem lustig. Anscheinend haben die ganzen Selbstmordattentate die Zahl der Muslime beträchtlich schrumpfen lassen:

Danke an A. für den Hinweis.

Praktikantenpresse (3)

Das hat zwar jetzt kein menschlicher Praktikant verbrochen, sondern die Algorithmen von Google News, aber es passt so schön in die “Rubrik”. Ich bin zwar normalerweise eh sehr einfach und schnell unterhalten, aber das ist dann sogar mir eine Spur zu makaber:

Praktikantenpresse (2)

Erstmal hat die Financial Times Deutschland leichte Probleme, einen geraden Satz hinzubekommen:

Und dann verwechselt auch noch der Standard eine Leiche mit einem Wappenpfahl:

Die Tage haben offensichtlich die Publizistikpraktikanten wirklich freie Hand. Man siehe übrigens auch das Blog des G. zum dem Thema.