Ich wohne ja in direkter Nähe zu zwei Schulen. Jetzt nach den gottgegebenen Sommerferien muss man sich erst wieder an die Lärmkulisse gewöhnen – tagsüber ists mir ja egal, aber morgens ab halb acht klingt es bei gekippten Fenstern schon wie im Freibad (von den fehlenden Platschern mal abgesehen).
Viel schlimmer ist aber, dass dieses schülerische Jung-Gesindel ständig an der Bushaltestelle rumlungert, wo auch ich mich, dem Regen sei’s gedankt, vorübergehend aufhalten muss. Auch nach dem Schulbeginn um 08:00 wird jenes Gelungere übrigens nicht weniger, im Gegenteil. Heute morgen konnte ich so aber das perfekte Klischee einer amerikanischen High-School beobachten:
Auf der Bank lümmeln vornübergebeugt die coolen Jungs aus dem Footballteam, mit der Zigarette im Mundwinkel und kleinen Speicheltümpeln vor sich auf dem Boden; gesprochen wird nicht viel, nur hin und wieder werden Abenteuer aus den Ferien zum Besten gegeben, die sich alle nur in der Art, jedoch nicht der Menge des konsumierten Alkohols unterscheiden.
Nur ein paar Schritte weiter rechts umarmen sich ununterbrochen die beliebten, hübschen Mädchen (die Cheerleader) und können es kaum glauben, dass sich alle während der Ferien so uuunglaublich verändert haben – ein Fakt, dem offenbar mit lautem Quietschen und kleinen Sprüngen Rechnung getragen werden muss. Die Feriengeschichten unterscheiden sich hier hauptsächlich in der Reihenfolge, in der bestimmte Länder besucht wurden. Ein weiteres distinktes Merkmal zur Unterscheidung des schräg über die Stirn gekämmten Einheitsbreis ist übrigens der neueste Klingelton, der gerne stolz mehrmals hintereinander präsentiert wird.
Die Besetzer der niedrigeren Ränge in der Hackordnung haben sich etwas weiter weg zusammen gefunden, wie etwa die picklige Bohnenstange aus dem AV-Club und das extrem übergewichtige Goth-Mädchen im schwarzen Kapuzenpulli, die sich halb hinter dem Busch im abgelegeneren Teil der Bushaltestelle platziert haben und flüsternd ihre, zweifelsohne langweiligen, Ferienerlebnisse austauschen, nur unterbrochen von den eigenen verächtlichen Blicken auf die glamouröseren Schulkameraden.