Für alle, die noch immer nicht verstehen, woher die Politikmüdigkeit kommt

Die Helvetika-Episode war ja eigentlich köstlich: Die österreichische Gesetzgebung hat durch einen Übersetzungsfehler eine Schriftart im überarbeiteten Tabakgesetz vorgeschrieben, die es gar nicht gibt. Außer viel Spott nicht wirklich was geschehen, und ein ehrlicher Fehler kann ja mal passieren.

Im oben verlinkten Artikel der Futurezone wird aber noch mehr erwähnt. Ich zitiere:

[…] Angesichts des Fehlers […] noch einen Abänderungsantrag eingebracht. Laut dem Antrag hätte lediglich das Wort Helvetika auf Helvetica korrigiert werden sollen. […] Der Abänderungsantrag wurde aber dennoch von der Regierung abgelehnt. Grund sei offenbar, weil er von der Opposition eingebracht wurde […]

Wenn das so stimmt, dann fasst diese Episode genau zusammen, was mit Politik in Österreich (und, wie ich vermute, fast überall auf der Welt), nicht mehr stimmt:

  1. Politik schickt sich an, inkompetenten Blödsinn zu machen
  2. Manchmal gibt es doch noch Initiativen, um Blödsinn zu verhindern (oder zumindest abzuschwächen)
  3. Initiative wird wegen kleinlicher, kurzsichtiger, saudummer Machtspielchen erwürgt
  4. Blödsinn wird umgesetzt

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die regierenden Parteien den ganzen Stuss wirklich glauben, den sie angesichts ihrer Vernichtung zur Bundespräsidentenwahl von sich gegeben haben: „Es war halt a Personenwahl“ oder „Wir konnten unsere Inhalte nicht dem Wähler vermitteln, aber eigentlich machen wir eh alles richtig“. Bullshit. Ihr glaubt das ja selbst nicht. Wieso glaubt ihr dann, dass euch das irgendjemand anders abkauft? Für wie deppert müssen wir uns eigentlich halten lassen?

Es ist noch gar nicht so lange her, da habe mich viel politisch engagiert; Zeit und Geld investiert, in der Hoffnung, mein kleines Scherflein zu einer Veränderung beitragen zu können. Nun ja, diese Hoffnung und jede Motivation ist geschwunden. Denn auf jeden Idealisten, der etwas zum Besseren verändern möchte, kommt ein Dutzend opportunistischer Arschlöcher, denen es nur um den eigenen kurzfristigen Nutzen geht.

Bei mir kann man nicht einmal mehr von „Politikmüdigkeit“ sprechen, sondern vielmehr von „Politikabscheu“ und „-hass“. Und wenn sogar ich die Schnauze gestrichen voll hat, will ich mir gar nicht ausmalen, wie es anderen Österreichern gehen mag.

Wieso sind Linzer so saudeppert in den Öffis?

Ist man früh, viel zu früh am Morgen auf die Linzer Straßenbahn angewiesen, um von A nach B zu gelangen, ist es manchmal schon mühsam, den starken inneren Drang nach einem Amoklauf zu unterdrücken. Schuld sind manche Linzer, die einfach nur saudeppert sind und jeglichen ziviliserten Gesellschaftssinn missen lassen.

Ich konnte folgende Varianten dieses unerträglichen Menschenschlags identifizieren:

1. Die Sitzbeleger

Die Straßenbahn ist bis zum Platzen gefüllt, Menschen pressen sich gegen den eigenen Willen und unangenehm eng in den Gängen aneinander. Manche Mitfahrer halten es aber trotzdem für nötig, gleich zwei der raren Sitzplätze zu belegen, indem sie sich strikt weigern, unaufgefordert vom Gang- auf den Fensterplatz zu rücken.

Bittet man sie höflich darum, erntet man vorwiegend genervte Blicke und einen demonstrativ langwierigen, angestrengten Sitzplatzwechsel. Und darf sich anschließend über einen ekelhaft angewärmten Polster freuen.

Gegenmittel: Unangekündigt und unsanft drüber klettern, ohne Rücksicht auf körperliches Wohlbefinden oder Sauberkeit der Kleidung des Sitzbelegers.

2. Die Türversteller

Ich verstehe jene Mitfahrer gut, die gerne in Türnähe stehen, um bei jeder Haltestelle einen erlösenden Schwall Frischluft zu ergattern und so den Myriaden verschiedenen, meist wenig angenehmen Gerüchen in der Straßenbahn zumindest kurzzeitig zu entgehen.

Was ich aber nicht verstehe, sind jene Mitfahrer, die an jeder Haltestelle wie zur Salzsäule erstarrt genau mittig in der Tür stehen bleiben, mit ihrem Leibesumfang alle Aus- und Einsteiger blockieren und sie dergestalt zwingen, sich irgendwie vorbei zu wurschteln.

Gegenmittel: Umrennen. Funktioniert leider nur, wenn man selbst nicht zu zart gebaut ist.

3. Die Ich-zuerst-Einsteiger

Ein Phänomen, dass mir spezifisch für Linz scheint, sind jene Mitfahrer, die es partout nicht erwarten können, endlich in die Straßenbahn einsteigen zu dürfen. Wie wenn die plötzlich und überstürzt weiter fahren würde, um sie verdattert an der Haltestelle zurück zu lassen, drängen diese offensichtlich Minderbemittelten wie vom Blutrausch erfasste Berserker durch die Tür, sobald sich jene öffnet.

Selbstredend ohne jegliche Rücksicht auf andere Mitreisende an den Tag zu legen, besonders nicht auf jene, die in ebenjenem Moment eigentlich aussteigen möchten. Das ist nicht nur grob asozial, sondern einem zeiteffizienten Aus- und Einsteig äußerst abträglich.

Gegenmittel: Umrennen. Funktioniert leider nur, wenn man selbst nicht zu zart gebaut ist.

Die Hass-Suchmaschine

Ich hätt‘ da eine Idee. Vielleicht mag sie ja jemand umsetzen und sich mit dem Fallout herumschlagen. Ich verschenke sie hiermit (Langatmige Einleitung folgt, die eigentliche Idee steht am Ende des Beitrags):


 

Ich trau mich dieser Tage fast nicht mehr auf Facebook. Die übliche, altbekannte Sinnlosigkeit dort wird mehr und mehr von Feindlichkeit und Hass verdrängt, den ich nicht nachvollziehen kann. Das geht von fragwürdigen Links von Facebook-„Freunden“ bis hin zu Kommentaren, die vor wenigen Jahren noch unvorstellbar gewesen wären. Klar, die Flüchtlingssituation lässt die Wogen hochgehen, aber der Trend war auch schon vorher festzustellen.

Das ist auch Armin Wolf aufgefallen, und anderen. Herr Wolf und überhaupt Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, müssen sich ja schon seit Jahren mit Hass-Briefen befassen – es ist also nicht so, dass das jetzt etwas ganz Neues wäre. Auf Facebook nimmt diese Sache aber Ausmaße an, die ich nicht mehr packe.

Facebook-Zitat1Arschlöcher? Ja, okay …

Ich muss es nicht mögen, aber ich kann zumindest bis zu einem gewissen Ausmaß verstehen, warum es Arschlöcher gibt, die Meinungen haben, bei denen es mir die Haare aufstellt. Ich weiß, dass es Arschlöcher gibt, die nichts aus der Geschichte gelernt haben; die meinen, auf irgendetwas Anspruch zu haben, und dass dieses etwas jetzt plötzlich weggenommen wird; die glauben, dass „wir“ besser sind als „die“.

Kritik darf und muss sein, man soll auch gegen Sachen ankämpfen, die man für ungerecht oder falsch hält, unbedingt sogar. Wer darüber aber jede Menschlichkeit, jeden Sinn für Gesellschaft und Zivilisation über Bord wirft und mit Aussagen glänzt, die einfach nur mehr zum Kotzen sind, ist ein Arschloch. Man kann, man soll anderer Meinung sein – aber man muss diese Meinung so kommunizieren, dass sie einem Mindestmaß an Höflichkeit und gesellschaftsfähigem Diskurs entspricht.

… aber Trottel?!

Denn genau das verstehe ich nicht: Wieso gibt es Menschen, die so saudeppert sind, ihre abgründige, menschenverachtende Meinung öffentlich, für alle Welt einsehbar und ewig unlöschbar mit Foto, Vor- und Nachnamen zu verbreiten? Was für ein Trottel muss man sein, um mit fehlenden Rechtschreibkenntnissen und voller Hass in aller Öffentlichkeit Gaskammern zu fordern, Galgen für Politiker, oder Flammenwerfer gegen Kinder? Das hat nichts mehr mit anderer Meinung zu tun, oder Widerstand, und schon gar nichts mit „besorgter Bürger“ – das zeigt einfach nur, dass man ein Volldepp ist.

Facebook-Zitat2Ich habe gar nicht den Anspruch, solchen Leuten ihre Meinung zu nehmen (auch wenn sie, meiner bescheidenen Meinung nach, Arschlöcher sind). Sie sind zu ihrer verabscheuungswürdigen Meinung berechtigt, denn das haben ihnen Menschen erkämpft, die eben genau nicht ihrer Meinung waren.

Ich hätte aber gerne, dass diesen Menschen vor Augen geführt wird, was für Trottel sie sind.

Die Volldepp-Suchmaschine

Und das könnte man so machen (womit wir zu meiner eingangs erwähnten Idee kommen):

  1. Es werden vollautomatisch fragwürdige Posts & Kommentare auf Facebook mit Namen und Foto gespeichert.
  2. Es werden ausschließlich eindeutig verachtenswerte Hass-Postings gespeichert (die sind ja dann manchmal auch gleich mal strafrechtlich interessant). Die Flut an ihnen ist mittlerweile so groß, dass man bei der Auswahl schön konservativ sein kann. Alles wo Sachen wie „KZ“, „Gaskammer“, „am nächsten Baum aufhängen“, „Endlösung“ oder „Asylanten öffentlich schächten“ drin steht, wird indiziert.
  3. Über eine Suchmaschine lässt sich diese Sammlung dann jederzeit öffentlich durchsuchen. Bei der nächsten Bewerbung kann man dann prompt mit einer Absage rechnen, weil man gerne im Asylantenheim „Feuer legen und um aufsteigenden Qualm plötzlich tschaktschaktschaktschak“ machen würde.
  4. Nun sind diese Hass-Postings ja oft nicht direkt öffentlich, sondern nur für Facebook-Benutzer einsehbar. Freiwillige können deshalb der Suchmaschine das Recht geben (via OAuth und Facebook-API), in ihrem Namen die eigene Timeline nach Hass-Kommentaren abzugrasen.
  5. Macht man das lang genug, sollte eine respektable Datenbank an Volltrotteln zusammenkommen.
  6. Geschätzter Entwicklungsaufwand: 1 bis 2 Wochen
  7. Geschätztes Aufruhr-Potential: Groß
  8. Geschätztes Potential, um selber Ziel des Hasses zu werden: Puh, ich würde es anonym auf Servern im Ausland betreiben

Um mich zu wiederholen: Mir geht es nicht darum, den Menschen ihre Meinung zu nehmen. Würden sie die ändern und zu etwas Empathie zurückfinden, wäre das schön, aber die Hoffnung darf man getrost aufgeben. Sondern mir geht es darum, dass ihnen gezeigt wird, dass man auch mit einer anderen Meinung ein Mindestmaß an Zivilisiertheit, Menschlichkeit, Gesellschaftsfähigkeit und Mitgefühl haben muss.

Und wenn das beim besten Willen nicht geht, dann sind sie zukünftig hoffentlich nicht mehr so saudeppert und schreiben ihr „Sieg Heil“ und „alle vergasen“ ins Internet, wo es für alle Zeiten, für alle Menschen und Maschinen einsehbar bleibt.

12 Jahre, und noch immer ein Depp

Am 19. November 2015 wurde mein Blog 12 Jahre alt. In wechselnden Zuständen, mal hellwach, mal im Wachkoma hat es bisher alle Widrigkeiten überstanden. Also ich finde das verdammt cool.

Apropos Widrigkeiten: Selbst 12 Jahre Blog-Erfahrung und zwei Informatik-Studien haben es nicht verhindert, dass ich heute versehentlich komplett und unwiederbringlich jenen Server geschrottet habe, auf dem bis dato RandomInsights.net lief.

Das wäre ja nicht so schlimm, wenn ich nicht zu faul für ein regelmäßiges, vollständiges Backup gewesen wäre.

Depp, verfluchter! Nun, selber schuld.

Kurz gesagt: RandomInsights.net ist auf neuem Server wieder da. Ich konnte alle Artikel und Kommentare wiederherstellen, außer den  originalen Beitrag zum 12. Geburtstag. Aber, viel schlimmer, es gingen neben den meisten Einstellungen auch alle Bilder seit Ende 2014 verloren 🙁 Ich werde versuchen, ein paar davon neu zu hinterlegen, aber es wird wohl bei einigen Beiträgen mit fehlenden Bildern bleiben. Mea culpa.

Und wenn es nur nun nicht auch so viel Arbeit wäre, am neuen Server ein automatisches Backup einzurichten …

Ein Rant zu Element of Crime und Spotify

Diese Woche wollte ich während der Arbeit Element of Crime hören. Weil ich die schon so lange nicht mehr gehört hatte, hatte ich wieder einmal Appetit auf sie.

Ich verwende Spotify, das tagsüber im Büro auch fast die ganze Zeit in meinen Kopfhörern läuft. Ich zahle für Spotify, bin allerdings vor kurzem vom großen Paket auf das kleinere um 5 € umgestiegen, weil ich am iPhone nur mehr Podcasts und keine Musik mehr höre. Bei mir ist das in der Arbeit dann meistens so, dass ich ein paar Tage lang wild durcheinander alle Tracks eines einzelnen Artists höre, bis ich die Texte mitsingen könnte (was ich aus Rücksichtnahme auf die Bürokollegen aber unterlasse). Ich verwende keine liebevoll handgepflegten Playlists und höre nie ein einzelnes Album.

Nun musste ich entdecken, dass Element of Crime nicht auf Spotify zu finden ist. Hmm. Das Interwebs erklärte mir umgehend, dass das von Element of Crime so gewünscht ist. Schade. Sie möchten lieber, dass ich mir ihr Album kaufe, und das dann „nicht per Zufall abnudle“. Auch schade. Am erregten Zustand des Frontmanns im Hinblick auf das Scheiß-Internet scheint sich also noch nichts geändert zu haben. Sehr schade.

Ich hab mir dann ein paar Element-of-Crime-Playlists auf Youtube angehört.

Problem gelöst? Irgendwie nicht 🙁 Mich lässt diese Sache sehr unzufrieden zurück.

Erstmal das Finanzielle

Das Interwebs sagt, dass Spotify pro abgespieltem Track ca. 0,0075 $ an das Label zahlt. Das mag auf den ersten Blick sehr wenig erscheinen. Wenn ich es aber mit meinem Hörverhalten durchrechne (15 Tracks pro Stunde, 8 Stunden am Tag, 3 Tage lang), kommen da schon 2,7 $ zusammen. Selbst großzügig abgerundet (weil ich in Meetings oder Pausen natürlich keine Musik höre), ist das aus meiner Sicht noch ein ganz erklecklicher Betrag, man ist ja auch gut 200 Tage im Jahr im Büro.

Warum die Labels davon den allergrößten Anteil einbehalten und nur einen Bruchteil an die Artists weiter geben, ist in Zeiten digitalen Vertriebs äußerst unverständlich und gemütserregend. Aber das dürfen die Artists wohl kaum Spotify oder den Fans vorwerfen. Ich weiß nicht, wie viel Kohle Element of Crime von Youtube bekommen hat, ich vermute aber: Nichts oder erheblich weniger.

Am Finanziellen kann die Verweigerung des Streamings also nicht liegen, oder?

Dann das Nutzerverhalten

Die Wahl des Nutzers (des Hörers) ist sowieso nicht: „Streamen oder Album kaufen“, sondern es ist „Streamen oder was andres hören“.

Ich bin ein großer Fan von Element of Crime, war auf mehreren Konzerten und habe in diesem Moment (kein Witz) ein „Große Gedanken, kleines Gehirn“-T-Shirt von ihnen an, das ich während ihres letzten Konzerts in Linz erstanden habe. Aber ich kaufe unter Garantie kein Album von ihnen (egal ob digital oder auf Plastik, wobei ich für Letzteres auch gar kein Abspielgerät mehr zur Verfügung hätte), weil das ganz einfach nicht zu meinem Hörverhalten passt. Würde ich tagelang immer die selben 12 Tracks laufen lassen, wäre es schnell um meine Zurechnungsfähigkeit geschehen.

Ich finde es sehr schade, dass Element of Crime glaubt, dass ich ihre Musik „abnudle“, nur weil ich sie lieber streamen möchte, weil das halt besser zu meinem Tag passt. Element of Crime wird es verdammt egal sein, was ein einzelner Fan davon hält, aber ich fühle mich jetzt durchaus beleidigt. Im November ist wieder ein Konzert in Linz – ich werde nicht hingehen.

Und schließlich die nächste Generation

Es ist wohl eine philosophische Frage, ob Element of Crime bestimmen darf, wie ich ihre Musik höre, darum möchte ich hierauf gar nicht weiter eingehen. Ob ich sie höre, können sie jedenfalls bestimmen. Ihr (nicht mehr ganz) neues Album kenne ich dementsprechend nicht mehr.

Und hier liegt der Hund begraben, der von Element of Crime und manchen anderen Artists unterschätzt wird: Wie sollen denn zukünftige Fans noch an ihre Musik kommen? Wie sollen sie sich denn an ein paar der besten Songs einen Gusto hören, um dann zu treuen Fans und Konzert-Gehern zu werden? Niemand kauft sich (mehr?) einfach so ein Album einer ihm fremden Band. Immer weniger Menschen hören das klassische Radio. Selbst wenn, wird dort kaum etwas Neues gespielt, schon gar nicht von Artists, die ein paar Zentimeter abseits des Mainstreams stehen. Auch das fällt also als Kennenlern-Kanal weg, MTV und Konsorten (gibts die überhaupt noch?) sowieso. Früher mag es für den experimentellen Kauf eines Albums gereicht haben, wenn eine geschätzte Bekannte von Welt von dieser einen tollen neuen Band geschwärmt hat; ohne Link geht das heutzutage nicht mehr.

Es ist die bewusste Entscheidung von Element of Crime, ob sie sich auf ihrem früheren Erfolg ausruhen möchte, wahnsinnig viele neue, junge Fans werden sie, denke ich, nicht mehr anziehen. Ganz einfach, weil viele potentielle Fans sie gar nicht kennenlernen können. Auf den Konzerten sieht man gut, wie die Fanbase in der selben Geschwindigkeit wie Element of Crime altert.

Ja, ich bin beleidigt, denn ich nudle nicht!

Der Vergleich hinkt, aber mir ist es lieber, wenn dieser Artikel von möglichst vielen Menschen gelesen wird. Auch auf die Gefahr hin, dass die meisten davon achtlos drüber fliegen, zwischendurch woanders hin klicken oder (unvorstellbar) gar keine leisen Schreie der Entzückung ob meiner geschliffenen Formulierungen ausstoßen. Denn so erreiche ich mehr Menschen, alte und neue Leser. Und die werden schon selber am besten wissen, ob sie den Artikel gepflegt im abendlichen Schaukelstuhl bei Pfeife und Portwein genießen möchten, oder lieber schnell am Smartphone am Klo.

Ich hoffe, dass sich die Meinung von Element of Crime einmal ändert. Aber so wie es derzeit aussieht, muss ich wohl dauerhaft auf ihre Musik verzichten. Und das ist extrem schade.

Krieg bei uns

In einer der zahllosen Facebook-Diskussionen über Flüchtlinge dieser Tage tätigte ich folgende Aussage, eher nebenher und nur um ein Argument zu unterstreichen:

Die Diskussion ging weiter, eine Antwort von T. fiel mir allerdings besonders auf:

Krieg_Bei_Uns_2Hmmm … kann es sein, dass das nicht für jeden Österreicher so eindeutig ist wie für mich?

Ist es möglich, dass Menschen – vielleicht besonders jene, die der Flüchtlingshilfe eher ablehnend gegenüber stehen – wirklich glauben, dass unsere derzeitige goldene Periode des Friedens ewig halten wird? Kann es wirklich sein, dass viele Mitteleuropäer davon ausgehen, dass sie nie wieder um ihr Leben fürchten müssen?

Kann es sein, dass schon wieder einmal unsere Geschichte vergessen wird?

Mitteleuropa hat seit 1945 keinen Krieg mehr gesehen. Unglücklicherweise gibt es immer weniger noch lebende Menschen, die uns noch aus erster Hand vom letzten Krieg hier bei uns erzählen könnten. Aber selbst ich kann mich noch daran erinnern, wie das Bundesheer in Kärnten aufmarschierte, so zur Sicherheit. Denn vor nicht einmal 25 Jahren gab es nur wenige hundert Kilometer von Österreich entfernt Krieg.

Die Wikipedia führt eine Liste von Kriegen. Ich bitte den geneigten Leser, da mal kurz drüber zu scrollen, nur um ein Gefühl für die schiere Menge zu bekommen. Und sich dann vor Augen zu führen, dass das „keine vollständige Auflistung aller kollektiv ausgeübten Gewaltakte […], sondern nur längerfristige militärische Auseinandersetzungen […]“ ist. Im großen Maßstab gelitten, umgebracht, gequält und vergewaltigt wird auch in kleineren Konflikten.

Die Geschichte lehrt uns ganz eindeutig und über jeden Zweifel erhaben eines: Mitteleuropa erlebt derzeit eine unglaublich glückliche, aber auch äußerst untypische Zeit des Friedens. Und irgendwann wird diese Zeit leider wieder enden. Das liegt traurigerweise in der Natur des Menschen, über Jahrtausende hinweg immer wieder bewiesen.

Vermutlich endet unser goldenes Zeitalter noch nicht in fünf, auch nicht in zehn Jahren. Aber es würde mich schon wundern, wenn es noch mehr als hundert Jahre anhalten würde. Möglicherweise (hoffentlich!) erlebe ich nicht mehr, wie unsere Häuser brennen, unsere Städte zerstört und unsere Nachbarn umgebracht werden. Aber meine Kinder oder meine Enkel oder meine Urenkel oder sonstige Nachfahren werden wieder Krieg erleben.

Es gibt keinen Grund, warum es diesmal anders sein sollte. Und besonders in den letzten paar Jahren, so scheint mir, haben sich schrecklicherweise die Anzeichen auch wieder verdichtet. Diese Sache in der Ukraine beispielsweise ist schon ziemlich nah, und ziemlich krass.

Ich bitte den geneigten Leser, das niemals zu vergessen. Und die Menschen, die verzweifelt nach Mitteleuropa flüchten, genau so zu behandeln, wie er möchte, dass seine Familie einmal behandelt wird, wenn auch bei uns wieder Krieg herrscht. Möge dies so weit in der Zukunft liegen wie irgend möglich, aber unausweichlich ist es.

Die traurige Geschichte von Silke

Am Sonntag habe ich Folgendes auf Facebook gepostet:

Das ist Silke. Babys Lieblingstier für alles, was mit Wasser zu tun hat.
Das ist Silke. Babys Lieblingstier für alles, was mit Wasser zu tun hat.

Es hat nicht lange gedauert, da kamen die Antworten von Silkes Verwandten, die überall verstreut in Oberösterreich leben:

M.'s Silke.
M.’s Silke.
Und B.'s Silke.
Und B.’s Silke.

Die Social-Media-Idylle hat aber leider nicht lange angehalten. Denn Silke ist seit Montag abgängig. Wir vermuten, dass Silke im Parkbad während eines unbeobachteten Moments auf Entdeckungsreise gegangen ist, von der sie ungewollt nicht mehr zurück gekehrt ist. Viel zu früh wurde sie aus unserem Leben gerissen. Silke, wir werden dich vermissen.

Für und wider die Eisenbahnbrücke

Am 27. September dürfen die Linzer über die neue alte Eisenbahnbrücke abstimmen. Zwei Möglichkeiten stehen zur Auswahl:

Variante a: Errichtung einer neuen Brücke für Straßenbahn, Autobusse Kraftfahrzeuge, Fahrräder und FußgängerInnen anstelle der bestehenden Eisenbahnbrücke.

Variante b: Sanierung der bestehenden Eisenbahnbrücke für FußgängerInnen und Fahrräder sowie Errichtung einer Begleitbrücke für Straßenbahn, Autobusse und Kraftfahrzeuge.

Es handelt es sich hierbei übrigens um eine Volksbefragung, keine Volksabstimmung. Das heißt das Ergebnis wäre rein rechtlich gar nicht verbindlich. Der Bürgermeister hat aber bereits angekündigt, dass er sich an das Ergebnis halten will.

Als Demokrat nehme ich diese Möglichkeit zur Mitbestimmung natürlich gerne und ernsthaft wahr.

Meinungsbildung

Vor einigen Wochen war schon eine Wahlzeitung der SPÖ mit ausführlichen Gründen gegen eine Sanierung und für Variante a ins Haus geflattert. Aber das erschien mir zur fundierten Meinungsbildung dann doch ein wenig zu einseitig. Dementsprechend habe ich mich vor den PC gesetzt mit dem iPad auf die Couch gelegt, um ganz unvoreingenommen Argumente für und wider Abriss einzuholen und die richtige Entscheidung treffen zu können.

Das war dann doch gar nicht so einfach, wie ich zuerst gedacht habe. Immerhin, die Unterstützer von Variante a präsentieren auf einer sehr professionellen Website eine ganze Reihe von mehr oder weniger sinnigen Gründen, die für Bau einer großen, neuen Brücke sprechen.

Karger geben sich die Freunde von Variante b. Zwar gibt es die Website des Vereins „Rettet die Eisenbahnbrücke“, dort findet sich aber kein einziger Grund, warum sie denn nun so rettenswert wäre. Auf Googles zweiter Seite stieß ich dann aber doch noch auf die etwas informativere Website von „Eisenbahnbrücke retten“. Und auch auf Facebook gibt es da noch so eine Gruppe, die allerdings (typisch Facebook, könnte man sagen) wenig sachlich, sondern bloß polemisch argumentiert.

Die Gründe (der anderen)

Nach Studium oben genannter Quellen, das ich dem geneigten Leser gerne ersparen möchte, habe ich im Folgenden die wichtigsten Für und Wider zusammengefasst. Ich habe jene Gründe, die aus meiner Sicht wenig sinnvoll oder stichhaltig erscheinen oder auch nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen, nicht mehr extra abgetippt. Liest man sich nämlich kritisch durch den Wald schöner Worte, bleibt am Schluss nur mehr eine äußerst übersichtliche Liste von tatsächlichen Argumenten. Der geneigte Leser kann gerne über obige Links selbst recherchieren und meine Zuverlässigkeit prüfen.

Für den Abriss der alten Eisenbahnbrücke und den Bau einer großen, neuen Brücke (Variante a) sprechen:

  • Variante a soll 60 Millionen kosten, Variante b 100 Millionen. Naturgemäß setzen die Befürworter von Variante b die Zusatzkosten etwas niedriger an, dass Variante a aber insgesamt billiger kommen würde, steht außer Frage. Auch die laufenden Kosten zur Instandhaltung sind bei Variante b höher.
  • Der Verkehr muss über die Zweitbrücke geleitet werden, wofür erst Zufahrten geschaffen werden müssen – verkehrstechnisch wenig sinnvoll. Der Verkehr würde damit noch weiter Richtung Autobahnbrücke verschoben werden,

Für die Sanierung der Eisenbahnbrücke und den Bau einer zweiten, kleineren Brücke (Variante b) sprechen:

  • Die alte Eisenbahnbrücke ist ein Teil der Linzer Geschichte als Stahlstadt.

Die Gründe (meine)

Nun bin ich garantiert der letzte, der den Wert von Geschichte nicht zu schätzen weiß oder ihre Bedeutung klein reden will. Aber wenn das selbst nach längerer, unvoreingenommener Recherche das einzige ernstzunehmende Argument ist, das für eine Sanierung der alten Brücke spricht, sage ich: Lieber etwas Neues bauen. An Geschichte kann auch erinnert werden, indem man beispielsweise einen Teil der Brücke als Monument an der Donaulände platziert.

Viele Freunde der alten Eisenbahnbrücke führen als Grund auch noch ins Feld, dass sie so schön sei. Lächerlich! Eigentlich ist sie ein ziemlich hässliches Ding, ein nützliches, aber unelegantes Artefakt aus der Zeit der Industrialisierung. Wie wenig anmutig die bestehende Brücke ist, merkt man erst recht, wenn man sich ansieht, wie die neue Brücke für Variante a aussehen würde:Viel besser!Übrigens steht ein paar Kilometer donauabwärts noch eine fast baugleiche Eisenbahnbrücke. Sollte die Nostalgie also einmal unerträglich werden, bietet sich im Notfall eine Besichtigung an.

Oft stieß ich auch bei den Gegnern obiger Brücke auch auf das Argument, dass man ja „etwas aus der Eisenbahnbrücke machen könnte, Kultur oder Freizeit und so“. Stimmt, das könnte man. Allerdings glaube ich, dass die Donaulände rundherum schon sehr viel Platz für Kultur und Freizeit bietet. Und bei einer neuen alten Brücke, die für viel Geld gebaut oder saniert wird, sollte der eigentliche Zweck, nämlich eine zukunftssichere, effiziente, sinnvolle Verkehrsanbindung im Vordergrund stehen. Übersehen darf man auch nicht, was eine zusätzliche (Zweit)brücke inklusive neuer Zufahrtsstraßen und -gleise an Grünflächen an der Donaulände kosten würde.

Das sinnvollste Argument für den Erhalt der bestehenden Brücke wäre noch, dass bei einem kompletten Neubau vorübergehend eine Brücke weniger über die Donau führen würde, was dem Verkehr sicher nicht gut tut. Allerdings konnte ich keinen Beweis entdecken, dass die alte Eisenbahnbrücke noch lange genug in Betrieb bleiben darf, um während des Baus der Zweitbrücke den Verkehr zu übernehmen; ganz abgesehen davon, dass auch bei Variante b das gleiche Argument für Fußgänger und Radfahrer gilt – denn für die gibt es dann während der Sanierung der bestehenden Brücke ebenfalls keinen Übergang mehr. Und überhaupt – so ein kurzsichtiger Blickwinkel kann bei einem Verkehrsweg, der auf viele kommende Jahrzehnte ausgelegt ist, auch bei aller Liebe kein ausschlaggebendes Argument sein.

Irgendwann muss doch auch den letzten Österreichern klar werden, dass etwas nicht automatisch besser ist, nur „weil es immer so war„. Wieso ruft jede Verbesserung des Linzer Stadtbildes immer gleich die Ewiggestrigen auf die Barrikaden, die am liebsten alles so lassen würden, wie es ist? War es nicht auch so beim AEC, der Pöstlingbergbahn und beim Musiktheater? Und jetzt sind alle Linzer (und Zugezogenen, so wie ich) stolz darauf, weil damit ihre Stadt besser und schöner geworden ist. Ich glaube, dass genau das auch auf eine stilvolle, neue, große, moderne Brücke zutreffen wird. Ich werde also für Variante a stimmen. Und ich wünsche mir, dass der geneigte Leser dies auch tun wird.

Karenz-Tagebuch C

Linz, am 31. Juli 2015

Geliebtes Tagebuch,

dies ist meine letzte Korrespondenz an Dich. Zumindest was die Neuigkeiten aus der Väterkarenz betrifft.

Einhundert liebevoll handgetippte Epistel an Deine Adresse sind nun aber wirklich genug. Deine Antworten sind in den letzten Wochen ja auch rarer und karger wurden. Macht aber nichts, ich verstehe Dich gut. Du als betuchter, attraktiver Single hast auch anderes zu tun, als Dir ständig meine Baby-Geschichtchen anzuhören. Jet-Set, Clubs und Chicks und so, schon klar, ich weiß Bescheid.

Solltest Du wider Erwarten doch einmal alleine in Deinem Penthouse aufwachen und familiäre Anwandlungen aufkommen, habe ich Dir die gesammelten Karenz-Tagebücher zum Nachlesen zusammen gestellt.

Ich danke Dir von Herzen für Deine Aufmerksamkeit, Deine lustigen Anmerkungen und Dein Mitgefühl und verbleibe, Dir auf ewig zugetan und Dein.

Viele Grüße vom Baby und von Mama!

Karenz-Tagebuch XCIX

An: Gel. Tagebuch
Eilsendung

Baby unterscheidet genau zwischen Mama und Papa <STOP> Reproduzierbar seit gut einer Woche <STOP> Beim abendlichen Ins-Bettchen-Legen <STOP> Mit Mama: Große Traurigkeit, großer Bedarf nach Kuscheln, dann alles gut <STOP> Mit Papa: Griff nach Kuscheltier und Nucki, Seitendrehung, Schlaf <STOP> Unbekannt, ob dies eher für Mama oder für Papa spricht <STOP>