Sommerloch in der Lustenauer Straße

Das Sommerloch schlägt nicht nur auf RandomInsights.net zu, sondern auch in der österreichischen Medienlandschaft. Seicht wie jene nunmal ist, droht sie bei der sommerlichen Hitze akut austrocknen; die paar kläglichen HCS- und KHG-Skandale geben bei weitem nicht genug her, um die zeitungshungrigen Urlauber bei Stange zu halten.

Hin und wieder tut sich für die verzweifelten Redakteure aber ein wahrer Glücksfall auf, etwa in Form des mittlerweile bundesweit bekannten, äußerst sympathischen Pärchens in der Linzer Lustenauerstraße. Weit unterhaltsamer als der eigentliche, anstößige beneidenswerte Akt sind aber die Versuche der journalistischen Ferialpraktikanten, mit Hilfe möglichst zweideutiger Wortspiele eine Miniatur-APA-Meldung auf eine halbe Seite aufzublasen. Gelingen tuts zwar schlussendlich trotz aller Mühe nur mit selten nutzlosem Bildmaterial, aber es zählt ja der Gedanke:

Und es stellt sich nur noch die Frage, was schlimmer ist: Ein sinnlose Zeitungsmeldung zu drucken, oder einen noch sinnloseren Blogeintrag darüber zu schreiben. Hach, Sommerloch, du bist eine Schlampe.

(Danke an M. für den Scan)

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Hate, Anarchy and Pornography

Meine ganze Schreib-Zeit wird derzeit anderweitig blockiert (wer Schuld hat, weiß Bescheid), darum sauge ich mir schnell diese kurzen Eintrag aus den Fingern.

Meine Spitzel (nicht nur die Russen erfreuen sich solcher) im Linzer Magistrat hat mich darüber informiert, dass RandomInsights.net seit neuestem auf dem Index steht. Und das macht mich ziemlich stolz:

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Nicht rauchen!

Geschätzte Volksgenossinnen und Genossen! Das vieldiskutierte Rauchergesetz ist ein Schas – da sind sich sowohl Raucher als auch Nichtraucher einig. Dieses seltsame Mittelding zwischen Verbot und Erlaubnis ist zu Recht niemandem recht.

Sei’s, wie es sei – es ist nunmal da und wir müssen uns damit arrangieren. Daher mein Aufruf an alle Nichtraucher: Seid stark! Es kann nicht sein, dass wir von den paar wenigen Rauchern unterdrückt werden. Seid standhaft, und behauptet euch gegen die eine faulen Frucht in der ansonsten rauchfreien Gruppe und lasst euch von der nicht in den Raucherbereich schleppen. Besteht auf den schönen Tisch im wohlriechenden Nichtraucherbereich, dann funktioniert das Gesetz auch.

Folgende ausgefeilte Formulierung ist hilfreich, wenn der begierige Blick des Rauchers Richtung ekelhaft rauchgeschwängerter Ghettos schweift: “Not going to happen, seriously you guys.”

Nun sind die Raucher zwar, irgendwie, auch Menschen – hin und wieder sogar richtig gute. Warum man raucht, konnte mir aber noch niemand zufriedenstellend erklären. Oh ja – “ich bin erwachsen, ich kann selber entscheiden, was ich will” ist durchaus korrekt. Wenn diese Entscheidung aber darauf hinausläuft, dass die unschuldige Mehrzahl der Menschen den ganzen Abend Rauch ins Gesicht geblasen bekommt, ist sie bedenklich.

Oh ja, ich bin militanter Nichtraucher. Und der festen Überzeugung, dass ein absolutes Rauchverbot für alle besser wäre – für die Nichtraucher sowieso, aber auch für die Raucher, die sich dann nicht mehr zwei Päckchen pro Nacht runtersaugen würden.

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Eine Liebesgeschichte (2)

Dies ist die Fortsetzung von dem hier. Also bitte eventuell dort beginnen.

Nun interessierte sich nicht nur Josef für die schöne Resi. Auch dem jungen Hans, dem frischgebackenen Besitzer von Josefs Nachbarhof und somit Resis Chef, entgingen die ausholenden Hüften seiner reizenden neuen Magd nicht, auch nicht die stämmigen, kräftigen Wadln und der straffe Busen – Resi war ganz ohne Zweifel das schönste Mädchen im Umkreis.

Hans hatte die letzten Jahre Publizistik und Soziologie studiert und mit Auszeichnung abgeschlossen, dann überraschend das prächtige Gut geerbt und war so nach Jahren in der Stadt ins Dorf zurückgekehrt. Ein Glücksfall für ihn, denn eine andere Beschäftigung hätte er, mangels Ausbildung, sowieso kaum gefunden. Hans, der selbstbewusste Hofherr, fackelte nicht lange herum und warb heftig um seine hübsche Untergebene, traute sich aber aus Angst vor einer Klage wegen sexueller Belästigung nicht, seinen Chef-Bonus voll einzusetzen und das Geschäft endgültig mit dem jederzeit funktionierenden Klaps auf den Hintern zu besiegeln. Resi war von dem wohlhabenden Gutsbesitzer sichtlich angetan, verteidigte aber dennoch ihre Unschuld standhaft. Es war aber nur eine Frage der Zeit, bis sie ihrem Vorgesetzten, so wie jede karrieregetriebene Frau, nachgeben würde.

Josef musste mit Verzweiflung ansehen, wie ihm Resis atemberaubende Hüften mehr und mehr entglitten, noch ehe er sich ihrer überhaupt erfreuen konnte. Seit dem unvergesslichen Lächeln am Kartoffelfeld hatte er sich nicht mehr in ihre Nähe getraut, geschweige denn gewagt, seine Geliebte anzusprechen. Einer von Josefs hilfsbereiten Knechtsfreunden besorgte ihm sogar Resis Facebook-ID, aber er traute es nicht, sie zu frienden. Er war kurz davor, jegliche Hoffnung aufzugeben.

Es begab sich zu jenen Tagen aber, dass die Gemeinderatswahl unmittelbar bevorstand und die JVP eine namhafte D-Jane zum Kirchenwirt am Dorfplatz einlud, um beim jugendlichen Stimmvieh einen Stein im Brett zu haben. Natürlich ließ sich das dieses außergewöhnliche Ereignis kaum jemand im Dorf entgehen und auch der Trübsal blasende Josef wurde schnell von seinen Freunden überzeugt, denn schließlich hoffte er, Resi aus der Ferne bewundern zu dürfen. Und tatsächlich, auch sie erschien, angetan mit einem hautengen, hellrosa Dirndl, das nicht nur ihr Herz aus der Brust zu drücken schien, sondern auch das von Josef freudig hüpfen ließ. Sein Glück ging diesen Abend sogar noch weiter – da die JVP laut Umfragen einigen Rückstand aufzuholen hatte, schenkte sie den Most ausnahmsweise zu besonders kompetitiven Preisen aus. Und das blieb nicht ohne Wirkung auf den sonst so schüchternen, wortkargen Josef:

Er fasste all seinen Mut zusammen, sprang über den eigenen Schatten und wagte es endlich, seine geliebte Resi mit den romantischsten Worten anzusprechen, die ihm in den Sinn kamen: “Heast, i glaub du host an Spiagl eigsteckt, weil i siag mi in deim Dirndl.” Diese Poesie ging nicht verloren an Resi, denn auch sie erinnerte sich noch gut an jenen feschen Knecht im Kartoffelfeld, dem sie damals an ihrem ersten Tag so keck zugelächelt hatte. Und sie war damals sogar einigermaßen enttäuscht gewesen, dass der seit dem keinen Schritt auf sie zugemacht hatte. Bis jetzt.

Unterstützt vom günstigen Most packte Josef die Chance am Schlawittchen und ließ sie nicht mehr los. Er steckte der D-Jane so manchen Renken Speck zu, auf dass sie nur die romantischsten, langsamsten Lieder von Scooter spielte, oder solche, bei denen Josef mit seinen wohlgeübten Monkey-Tanzschritten Eindruck schinden konnte. Und es funktionierte – Resi und er ließen nicht mehr voneinander ab, verbrachten einen kurzweiligen Abend, bis lange nach Mitternacht die Mostbar geschlossen und sie mit den übrigen Gästen und dem freundlichen Hinweis “Ned vergessn, morgn is Mess – wer sauft, kon a betn” des Kirchenwirts verwiesen wurden.

Gemeinsam machten sich die beiden Frischverliebten auf den Heimweg, schließlich lagen ihre Gehöfte nicht weit auseinander. Kichernd kamen sie schließlich an Resis Haustür an, wo Josefs größter Wunsch endlich in Erfüllung ging – er durfte die Liebe seines Lebens inniglich in die Arme nehmen und küssen, nach anfänglicher, nobler Zurückhaltung sogar mit Zunge. Gleich darauf wurde übrigens auch sein zweitgrößter Wunsch wahr, denn Resi warf ihm einen vielsagenden Blick zu, biss sich aufreizend auf die Unterlippe, packte ihn bei beiden Händen und zog ihn Richtung Heustadl. Dort zeigte sie ihm, dass unter einem hautengen Dirndl kein Platz für Unterwäsche ist, und warum eine Lederhose vorne diese komfortable Klappe hat. Zuerst verstand Josef viel zu schnell, dann lief es aber besser. Viermal diese Nacht.

Fortsetzung folgt.

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Ulrich und das Forestglade

Ein kurzer Einschub aus aktuellem Anlass: Die ÖH vergibt Freikarten zum Forestglade Festival an Einsender einer Kurzgeschichte über Festivals, die etliche zusammenhanglose Wörter enthalten muss – einer Herausforderung, der ich mich auf Bitten von CG nach dreieinhalb Post-Klausur-Sassi-Bieren gestellt habe:

Rosemarie ist das, was man gemeinhin als Festival-Freak bezeichnet – Woodstock, Summerfest, Rock am Ring, Noppenair, die Geburtstagsfeier meiner Oma letzten Sonntag, sie war dabei. Kein Wunder also, dass Ulrich, wie sie (Rosemarie, nicht meine Oma) liebevoll von ihren vier Freunden genannt wird, das Modell eines perfekten Campers und fantastischen Moshpit-Gladiators darstellt. Im Notfall kann sich Ulrich tagelang allein von Dosenbier und Moosbeeren ernähren, findet immer den besten Weg, um durch scheinbar undurchdringliche Armeen von weniger erfahrenen Fans nach ganz vorne an die Bühne zu kommen oder verkraftet problemlos auch stundenlang das zusammenhanglose, sich stetig im Kreise drehende Altweibergeschwätz anderer, im Normalfall stark narkotisierter Festival-Veteranen.

Dabei macht Ulrich das nicht aus Jux und Tollerei. Ihre exzessive Festival-Sucht mag für den oberflächlichen Außenstehenden nach der Spinnerei einer vergnügungssüchtigen, verwöhnten Göre aussehen – weit gefehlt. Ulrich wird allein von ihrem Glauben an eine bessere, eine zufriedenere Menschheit getrieben. Einer Menschheit, in der sich alle gern haben. Alle wirklich gleich sind. Alle den identen, stechenden Geruch ungewaschener Körper verströmen. Einer Gesellschaft, in der weder Gesicht noch Beine rasiert werden – von Achselhöhlen und Intimbereichen ganz zu schweigen. Einer, in der man nicht gehetzt per Düsenflugzeug zum nächsten Termin ans andere Ende der Welt jetten muss, nur um zu merken, dass man die Zahnbürste hat daheim liegen lassen. Ulrich wünscht sich in ihrem kleinen Herzen nichts sehnlicher, als eine neue Welt, in der die Menschen von alleine ihren Verstand behalten, statt die letzten Reste in wöchentlichen Therapiesitzungen zusammenkratzen zu müssen. Ulrich lebt einen Traum, den sie, trotz ihres stolzen Alters von 88 Jahren, bis jetzt nur auf Festivals erleben durfte. Für diesen Traum hat sie alles aufgegeben: Hygiene, vernünftige Ernährung, Tinnitus-freies Hören – und hat es nie auch nur eine Sekunde bereut. Erwähnte oberflächliche Außenstehende mögen darüber den Kopf schütteln, aber Ulrich ist uneingeschränkt glücklich. Und wer kann das schon von sich behaupten?

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