Österreich und seine grün blinkende Ampeln

AmpelWartend an einer Fußgängerampel wurde ich für einen neuen Beitrag inspiriert. Umgehend suchte ich meinen PC auf und begann hoch motiviert, über die grün blinkenden Ampeln in Österreich schreiben. Schließlich kenne ich dies nur von uns und fand schon immer seltsam, dass es das allein bei uns gibt.

Ich wollte darüber schreiben, dass es sich hierbei garantiert um ein typisch österreichisches Phänomen handelt. Um eine sichtbare Manifestation einmalig österreichischer Charakteristika. Um eine Ausprägung des bei uns so heimischen Ich-Will-Mich-Nicht-Festlegens, des Kompromisse-Machens-Mit-Denen-Am-Ende-Doch-Niemand-Zufrieden-Ist. Ich wollte launige Vergleiche ziehen, etwa mit der speziellen österreichischen Regelung beim Nichtraucherschutz und all den anderen Dingen, die es nur bei uns gibt und die weder Fisch noch Fleisch sind.

Ich wollte eine heitere Erzählung spinnen, dass es sich hierbei wohl um den ersten Streitpunkt der ersten großen Koalition handelte, die anno dazumal festlegen musste, wie lang eine typische Ampel-Grün-Phase zu dauern habe. Und die dann, auf Druck von  Wirtschaftskammer und eines Landeshauptmanns, der kurz vor der nächsten Wahl stand und noch dringend irgendetwas brauchte, um als großer Macher in die Medien zu kommen, einen seltsamen Kompromiss eingeführt hat. Obwohl schon damals allen klar war, dass mit diesem Nicht-Mehr-Ganz-Grün-Nämlich-Schon-Ein-Bisschen-Gelb-Aber-Eh-Noch-Kein-Rot-Dafür-Bald die Verkehrssicherheit sinkt [1]In Österreich gibt es mehr Auffahrunfälle an Kreuzungen als in Ländern ohne Grün-Blink-Phase. Weil die Einen geben dann noch Gas, während die Anderen schon bremsen.. Alles typisch österreichisch halt.

Und dann musste ich bei der Recherche für diesen Eintrag, der in meinem Kopf schon fertig und ausnehmend köstlich war, lesen, dass auch in China, Israel, Kroatien, Litauen, Lettland, Mexiko Polen, Russland, Slowenien und der Türkei die Ampeln grün blinken. Verdammt.

   [ + ]

1. In Österreich gibt es mehr Auffahrunfälle an Kreuzungen als in Ländern ohne Grün-Blink-Phase. Weil die Einen geben dann noch Gas, während die Anderen schon bremsen.

Baby Insights (2) – Warum Eltern ihr Baby ungern abgeben

Nach der ebenso einfachen wie einleuchtenden Erklärung, warum Eltern ihr Baby lieben, folgt hiermit stante pede eine weitere wertvolle Erkenntnis, geboren aus meinem harten Dienst an der Babyfront:

Es soll bei Eltern manchmal vorkommen, dass sie ihr Baby eher ungern an jemand anders abgeben. Auch wenn es nur die sanftmütige Großtante für die nächsten zehn Minuten ist, die ihre Lippen an alle frei liegenden Körperstellen des kleinen Gevatters pressen möchte. Diese Abneigung ist mal stärker, mal schwächer ausgeprägt, oft unterdrückt, aber trotzdem fast überall vorhanden.

Das liegt aber mitnichten daran, dass die armen ausgelaugten Eltern nicht heilfroh wären, wenn sich mal jemand Dritter um den anstrengenden Wonneproppen kümmern würde, auch wenn es nur für die nächsten zehn Minuten ist. Eher ganz im Gegenteil, mit wenig kann man den armen Menschen mehr Freude bereiten. Auch möchte man den wohlmeinenden Verwandten und Bekannten keineswegs den kleinen Kollegen vorenthalten. Und irgendwelche übertriebenen Beschützerinstinkte liegen auch so gut wie nie vor. Woher also diese Abneigung?

Nun darf man nicht außer Acht lassen, dass die Eltern eines Babys Tag und Nacht nur ein Ziel haben: Den Nachwuchs dergestalt zufrieden zu stellen, dass er nicht lautstark seinen Unmut zum Ausdruck bringt. Diesem Ziel ist alles andere untergeordnet, sei es nun der Schlaf oder andere dringende Bedürfnisse des eigenen Körpers. Die Eltern arbeiten hart und unermüdlich, um das Baby zufrieden (und damit leise) zu halten. Natürlich nicht um der oberflächlichen Lautstärke willen, sondern aus dieser seltsamen Zuneigung zu diesem Investment.

Eltern sind zufrieden, wenn das Investment Baby glücklich ist. Und das Baby ist aus Prinzip fast nie zufrieden, wenn es zwischen diesem unbekannten Hinz und dieser fremden Kunz herumgereicht und auf das Brutalste Wohlmeinendste abgeknuddelt wird. Spätestens bei der dritten Übergabe sinkt spürbar die Toleranzgrenze des dergestalt Herumgegebenen.

Was passiert also, wenn die armen Eltern, die mit viel Mühsal und Geduld ihr Baby in einen zufriedenen (und ruhigen) Zustand gebracht haben, dasselbige an Fremde abgeben? Das Resultat ist bloß, dass sie den Nachwuchs gefühlte 25 Sekunden später wieder zurückbekommen, diesmal allerdings in einer höchst unzufriedenen und lauten Verfassung. Und das hehre, alles überstrahlende Ziel – siehe oben – plötzlich wieder in weite Ferne gerückt ist. Durchaus nachvollziehbar also, dass man das verhindern möchte, oder?

Baby Insights (1) – Warum Eltern ihr Baby lieben

Was früher das iPhone, etwas später das Fitbit und letztes Jahr noch der Vollbart war, ist dieses Jahr der Nachwuchs. Ja, Babys sind 2014 zum unabdingbaren Lifestyle-Accessoire geworden [1]Ich warte geradezu nur mehr auf die Vox-Dokusoap “Wer hat das süßeste Baby” mit launigen Kommentaren von der Seitenlinie von Guido Maria Kretschmer.. Anders kann ich mir den aktuellen Mini-Babyboom in Österreich nicht erklären.

Allerhöchste Zeit also, dass ich einige unschätzbare Weisheiten niederschreibe, die dem geneigten Leser, der dem aktuellen Trend folgen will [2]Zumindest erscheint es mir so, wie wenn ein jeder um mich herum gerade dem Trend folgen möchte. Meine Weisheiten sollten also auf große Nachfrage stoßen. Oder so., enorm weiter helfen werden. In Monaten der harten Prüfungen und des Dienstes direkt an der Babyfront konnte ich ein paar wertvolle Baby-Erkenntnisse zusammentragen, die ich an dieser Stelle hinterlassen möchte. Die erste folgt:

Gemeinhin, vor allem bei der weiblichen Bevölkerungshälfte, ist unbestritten, dass Babys liebenswert sind. Man kann ein Baby einfach nicht nicht gern haben. Die Ausnahme von dieser Regel sind fremde, laute Babys in Restaurants, aber dieser statistische Ausreißer kann für meine These vernachlässigt werden. Woher kommt aber dieses unausweichliche “Lieb-Haben” eines Babys, zweifellos am allerstärksten ausgeprägt bei den eigenen?  Eine Zuneigung, die mit steigendem Alter des Nachwuchses sogar noch wächst, so unmöglich dies am Anfang auch noch scheinen mag?

Nun, die Erklärung hierfür hat nichts mit geheimnisvollen Phero- oder Hormonen zu tun, auch nichts mit evolutionären Notwendigkeiten oder banalen Äußerlichkeiten wie dem Kindchenschema. Ganz im Gegenteil.

So ein Baby ist eine enorme Investition, sowohl an Geld als auch an Zeit. Allerdings eine recht problematische, denn einerseits ist am Anfang nicht klar, ob die Auszahlung am Ende den eigenen Vorstellungen entspricht. Und andererseits ist die Laufzeit eine recht hohe, üblicherweise mindestens 18 Jahre. Bei Bumerang-Kindern auch gerne mal erheblich länger.

Sobald man aber einmal mit ihr begonnen hat, ist ein Ausstieg aus dieser Investition nicht mehr möglich [3]Fast so unmöglich wie bei einer Lebensversicherung.. Folglich muss man laufend und ununterbrochen mehr und mehr in sie hinein stecken und irgendwie mit der kargen Kupon-Verzinsung und/oder der spärlichen Auszahlung von Dividenden über die Runden kommen.

Das perfideste Merkmal dieser Investition ist aber: Man erkennt die ganze Tragweite erst im Laufe der ersten durchwachten Nacht. Und da ist es dann, wie schon erwähnt, zu spät. Also versucht man – ganz unbewusst – sich selbst die eigene, bereits getroffene Investitionsentscheidung im Nachhinein zu erklären und sie zu rationalisieren. Allerdings mag dies dem vernünftig denkenden Mensch nicht recht gelingen, etwas das – allgemein gesehen – zur Erhaltung der Spezies dann doch eher wenig beitragen würde.

Deswegen hat das Unterbewusstsein etwas ganz Kluges eingerichtet: Man beginnt unmittelbar den eigenen Nachwuchs gern zu haben. Ziemlich viel sogar, mit laufend steigender Tendenz. So viel, dass jener kritische Teil des Gehirns, der diese verrückte, lebenslange Investition hinterfragen will, plötzlich ganz leise wird.

   [ + ]

1. Ich warte geradezu nur mehr auf die Vox-Dokusoap “Wer hat das süßeste Baby” mit launigen Kommentaren von der Seitenlinie von Guido Maria Kretschmer.
2. Zumindest erscheint es mir so, wie wenn ein jeder um mich herum gerade dem Trend folgen möchte. Meine Weisheiten sollten also auf große Nachfrage stoßen. Oder so.
3. Fast so unmöglich wie bei einer Lebensversicherung.

If you're not offended by this blog, please leave a comment so that you will be in the future.