Heute hat uns Projektbetreuer Hauer, der ja aus der Real Life Wirtschaft kommt, erklärt, welche Berufsaussichten wir in ebendieser haben.
Nämlich keine.
Wenn ich ehrlich sein soll, kommt dies aber nicht ganz überraschend für mich. Mit der Zeit haben sich viele Indizien dafür gehäuft:
So hat zum Beispiel unsere knuffige Projektsekretärin Wolf vor einigen Wochen eine Absage aus Sibirien erhalten, wo sie sich als Arbeitskraft zur Trockenlegung eines Moores beworben hat. Oder der schmächtige Protokollant Kartusch wurde weder vom Zoo Schönbrunn als Raubtier-Ersatz-Futter akzeptiert, noch vom Chemiepark Linz als Testperson für neue Medikamente für Ratten und Meerschweinchen.
Ich selbst, liebes Tagebuch, hatte bei meinen Bemühungen aus diesem lebensaussaugendem Projekt weg zu kommen noch den größten Erfolg zu verzeichnen. Denn die Österreichischen Bundesbahnen haben auf meine Bewerbung als Schienen-Ersatz-Ersatz-Verkehr mit einem “Wir werden ihre Bewerbung in Betracht ziehen, sofern es keine anderen Anwärter geben sollte.” geantwortet. In Betracht ziehen, liebes Tagebuch, in Betracht ziehen! Mehr Akzeptanz hat noch kein Projektmitglied jemals erhalten dürfen. Meine Aufgabe als Schienen-Ersatz-Ersatz-Verkehr wäre es übrigens, die Passagiere der ÖBB auf meinen Schultern durch Österreich zu tragen, wenn nun einmal alle Züge und auch noch alle Ersatzbusse ausfallen sollten.
Als der gehässige Projektleiter Schweighofer und seine nicht minder gemeine Adjudantin Mairhofer Hauers Worte hörten, grinsten sie hämisch und Mairhofer klopfte dem hinterhältigen Projektleiter stolz auf die Schultern, während wir übrigen mit hängenden Schultern, den Boden mit unseren Tränen benetzend, zurück an unsere Arbeit gingen …
Monthly Archives: March 2004
Gestern war ich im Kino und hab mir “Gothika” angeschaut.
Ich wurde ja mehrmals vorgewarnt dass der Film so gruslig und grauslig und so arg sein soll und hab mich daher eigentlich gescheut, mir “Gothika” zu Gemüte zu führen. Nur: Man hat nicht alle Tage die Möglichkeit mit vier wunderhübschen Damen ins Kino zu gehen, solche Chancen muss man einfach ergreifen.
Jedenfalls, der Film war enttäuschend. Hab mich nur ein einziges Mal gelinde erschreckt, und gefürchtet hab ich mich nie (obwohl ich schon Angst habe, wenn ich allein in den Keller Bier holen gehe). Und gut war er auch nicht. Die Story war vorhersehbar, irgendwie zusammenhanglos und hat mich nicht berührt (ganz im Gegensatz zu zB Bambie).
Und, das Schlimmste: Welcher Regisseur engagiert Halle Berry für einen Film und steckt sie dann nicht in hautenge Klamotten die mehr verraten als sie verstecken? Eine Todsünde – sie muss zumindest so aussehen.
“Nach oben buckeln und nach unten treten”, das ist einer der Leitsätze in unserem Projekt. Vorbildlich wird uns dies von der stellvertretenden Projektleiterin Mairhofer vorgemacht.
Täglich steht ab sechs Uhr morgens steht an der Eingangstür zur Fachhochschule bereit, um dem Projektbetreuer Hauer ehrfürchtig die Tür aufzuhalten, die eine Hand ausgestreckt um den Mantel abzunehmen und stets bereit für einen untertänigen Kratzfuß.
Ganz anders ist sie zu uns, dem Projektteam. Wenn sie sich einmal herablässt, uns ein paar unfreundliche Worte hinzuschmeißen, bezeichnet sie uns immer nur als “unwürdiges Gewürm” oder “nichtswürdige Untermenschen”. Nun, man muss ihr wohl zu Gute halten, dass sie nicht so schnell mit der Hand an fremden Wangen ist wie der sadistische Projektleiter Schweighofer – Mairhofer bevorzugt da eher subtilere Methoden, eine Art psychologische Kriegsführung.
Um die Moral in der Projektgruppe niedrig zu halten (und um sich ja nicht selbst die Hände schmutzig machen zu müssen) hat sie einen schändlichen Befehl erlassen. Die Idee dazu hat sie sich vom wunderbaren “Wichteln”, dass so gern (zu Recht) in Volksschulen zur Weihnachtszeit praktiziert wird, abgeguckt:
Jedem Projektmitglied wird ein anderes zugewiesen, dass dieses dann so oft wie möglich “beschenken” muss. Nur dürfen die Geschenke nicht nett gemeint sein und schon gar keine Freude erzeugen, sondern sie müssen dem Beschenkten mindestens zum Weinen, optimalerweise aber ins Krankenhaus bringen. Die gemeine stellvertretende Projektleiterin hat im Falle eines Geschenks, dass diese Bedingungen nicht erfüllt, solch drakonische Strafen angekündigt, dass, ich zitiere, “euch chinesischer Strafvollzug wie das reinste Paradies vorkommen würde, ihr dreckigen Würmer”. Und wir glauben ihr.
Jedenfalls wurde ich als zu Beschenkender für Projektsekretärin Wolf ausgewählt. Bisher war mir die kleine Wolf relativ sympatisch, doch ich beginne langsam, mich in ihrer Nähe unwohl zu fühlen. Ich habe ja nichts gegen die Skorpione in meinem Rucksack, auch gegen die Wasserschlange in der Dusche konnte ich mich noch ganz gut zur Wehr setzen, doch es ist unangenehm, ständig, sobald ich zufällig in irgendeiner dunklen Ecke bin, von irgendwelchen Schlägern (die sich übrigens “der wilde Wolfhart”, “der brutale Beowulf” und “der deutsche Dietwolf” nennen und alle den Kopf rasiert haben) und von der Projektsekretärin angeheuert wurden, verprügelt zu werden.
Ich selbst, liebes Tagebuch, wurde dazu verdonnert, den schmächtigen Protokollanten Kartusch zu beschenken. Seit Tagen versuche ich nun in meinem provisorischen Labor (bestehend aus zwei Jogurtbechern und etwas Alufolie) Milzbrandbakterien zu züchten, denn ich möchte Kartusch eine Karte zu Ostern schicken …
Noch eine gute Stunde bis zum Eiskellerfest. Und ich bin übermüdet und gar nicht angetan vom Wetter. Denn, um einen alten Schmäh anzubringen, von der Erderwärmung merkt man heute wirklich nichts.
Leider wird es ein EKF ohne die legendäre Sigi, ich konnte aber andere Damen als Special Guest Stars sichern. Mal sehen, wie der Abend so wird …
In Kürze beginnt das langerwartete Frühlingseiskellerfest. Seit Monaten haben wir uns darauf gefreut, doch es scheint, als ob all diese Vorfreude so umsonst war als ob wir Perlen vor Säue geworfen hätten. Denn: Der hasserfüllte Projektleiter Schweighofer hat morgen einen wichtigen “Termin” (wir wissen genau, dass er sich mit Mike Tyson und Prinz Ernst August von Hannover zum Thema Aggressionsbewältigung berät) und kann deshalb das EKF nicht besuchen. Und weil er uns nicht den geringsten Spaß und nicht das kleinste bisschen Freude gönnt, hat er uns gegenüber ein Alkohol- und Rauchverbot ausgesprochen, sowie ein absolutes Redeverbot.
Und um ja sicher zu gehen, dass sein Verbot tatsächlich eingehalten wird, hat er sich die nicht minder hinterhältige stellvertretende Projektleiterin Mairhofer als Spitzel gesichert. Nun, zumindest wird es ein Abend ohne den arglistigen Projektleiter und seine flinken Fäuste …
Voller Vorfreude auf das morgige exklusive Mittwochs EKF zittere ich so, dass ich kaum die richtigen Tasten treffe. Und irgendwie verblassen da auch die heutigen, schockierenden (wie immer) Ereignisse …
Heute trauten wir uns noch weniger als sonst üblich (was an sich schon wenig ist) unter die Augen von Projektleiter Schweighofer zu treten. Denn wir hatten es nicht geschafft, innerhalb einer Nacht Ersatz für das misslungene Ikea Notebook Björn zu finden. Wir machten uns auf schlimmste Ohrfeigengewitter seit Tagen gefasst, denn es schien klar, dass der jähzornige Projektleiter wieder einmal explodieren würde.
So blieb uns nur ein einziger Ausweg: Innerhalb von knapp zehn Minuten konstruierten wir aus einer Bananenschale, einer Plastikflasche und dem verbrauchten Taschentuch unseres schmächtigen Protokollanten Kartusch einen tragbaren Computer, der tatsächlich etwas komfortabler, schneller und leichter war als unser altes Projektnotebook.
Probleme bereitete uns nur der DVD-Brenner, für den wir leider nur mehr den Zahn eines Stockfisches (den ich aus welchem Grund auch immer in meiner Hosentasche fand) und den linken Socken der Kreativchefin Kern zur Verfügung. DVDs konnten zwar gebrannt werden, nur roch jede nach altem, ranzigen Fisch. Trotzdem waren wir im Großen und Ganzen zufrieden mit unserer Leistung.
Ganz im Gegensatz zum gehässigen Projektleiter Schweighofer, denn es bleib ihm nicht lange verborgen, dass wir auf den dritten USB2.0 Port vergessen hatten. Die restlichen Projektstunden mussten wir, wohl zu Recht, gefesselt und geknebelt mit glühenden Wangen auf dem kalten Boden verbringen.
Ich habe mich entschlossen, meine täglichen Einträge in mein Tagebuch (in das ich ja täglich schreibe), wieder dem geneigten Leser nahe zu bringen, da es ja eigentlich immer genug zum erzählen gibt.
Nur werde ich versuchen, nicht wieder in dieses überspitzte, übertriebene Gefasel zu verfallen wie das letzte Mal. Es gibt nun wirklich nur mehr die unverfälschten, harten Fakten. Aus erster Hand. Das Ganze ist außerdem als eine ehrerbietende Ommage an die Meister Stermann und Grissemann zu sehen.
Projektleiter Schweighofer hat heute unser Projektnotebook (ja, genau das, das eigentlich der Versicherung gehört) an einen rumänischen Schlepper verkauft. Als so genannten ‘Ausgleich’ setzte er uns eine Schachtel mit der unübersehbaren Aufschrift ‘Ikea’ hin. Zuerst glaubten wir noch, dass dies bloß provisorische Verpackung für unseren Ersatz wäre, doch es stellte sich schnell heraus, dass Schweighofer bei Ikea das Notebook ‘Björn’ besorgt hatte. Wie alles von Ikea natürlich zum selber zusammen bauen.
Um Geld zu sparen hatte der geizige Projektleiter es direkt in Schweden gekauft, wodurch natürlich die Bauanleitung in schwedisch war. Das mag wohl auch der Grund dafür sein, dass Björn irgendwie mehr Ähnlichkeit mit einem Schuhschränkchen hat als mit einem Notebook.
Natürlich wurde Schweighofer fuchsteufelswild und ließ uns alle seine heiße Innenhand spüren. Nun müssen wir bis morgen für Ersatz sorgen.