In jedem Gespräch …

… mit Mitgliedern des anderen Geschlechts, die man gegen 2 Uhr morgens in angenehm angeheiterten Zustand anspricht, entsteht nach den ersten, vorsichtig tastenden Sätzen eine unangenehme Pause. Die dauert zwar nur ein paar Sekunden, während beide verzweifelt nach einem neuen Gesprächsthema suchen, anfühlen tut sie sich aber wie Stunden.

Bis einer der beiden mit der Standard-Konversation beginnt:

  • A (verkrampft, es sind schließlich schon Stunden ohne ein Wort vergangen):
    Und … ähm … wie alt bist du eigentlich?
  • B (froh, dass die Stille ein Ende hat, versucht möglichst geheimnisvoll und mysteriös auszusehen):
    Na rate mal.
  • A (dreht das Messer um):
    Ma nein, ich kann nicht gut Alter raten, das wird immer peinlich. Wie alt schätzt du mich?
  • B (muss jetzt die Suppe auslöffeln, die er eingebrockt hat, und versucht verzweifelt, den oder die Gegenüber weder zu jung noch zu alt zu machen):
    Puh … hmm … hmmmm … 25??
  • A (abgeschreckt und verunsichert):
    Oh, da bist aber weit daneben. Schau ich wirklich so aus?
  • […]

Das Gespräch dreht sich jetzt noch einige Minuten um das Alter, nur um im Anschluss auf ähnlich langweilige Themen umzuschwenken. Nach zwei Stunden Smalltalk trennt man sich, ohne auch nur die Telefonnummer auszutauschen. Man sieht sich nie wieder.

Richtig wär aber gewesen:

  • A (verkrampft, es sind schließlich schon Stunden ohne ein Wort vergangen):
    Und … ähm … wie alt bist du eigentlich?
  • B:
    22. Du?
  • A:
    25. Gemma?
  • B:
    Jup.

Beide verlassen das Lokal und erleben die Nacht ihres Lebens, heiraten vier Jahre später, bekommen drei Kinder und elf Enkel und sterben nach einem glücklichen Leben zufrieden und gesund im hohen Alter von 105.

Und obwohl ich das richtige Vorgehen eigentlich so genau wüsste, passiert mir trotzdem immer die erste Variante 😉